Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Editor]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 15.1919

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Zur Geschichte des Freiburger Münsters

im Jahre 1497.

Von

Archivrat Professor Dr. Peter P. Albert.

JjWc^^^ie ältesten erhaltenen Zeugnisse über die
XB/ÄIaM Besteuerung der Geistlichkeit zugunsten
&B^*nTm ^es B'scn°fs >n der Diözese Konstanz
ll^^fjfl stammen aus der zweiten Hälfte des
12. und mehren sich stetig seit dem Ende
des 13. Jahrhunderts. Von da an bis zum Beginn des
Reformationszeitalters ist noch eine ganze Reihe von
Steuerregistern vorhanden, die, mit einer solchen zum
Zweck einer Kreuzzugssteuer 1275 beginnend und
1508 mit einer für den Romzug König Maximilians
endigend, für die Geschichte und Geographie des
Bistums Konstanz in vielfacher Hinsicht von großer
Wichtigkeit sind. Neben der Befriedigung der all-
gemeinen Bedürfnisse des Bischofs als alleinigen
Nutznießers und Verwalters des Kirchenguts gab es
auch vorrübergehende augenblickliche Erfordernisse,
zu deren Bestreitung das Einkommen der Geistlichen
herangezogen zu werden pflegte. Daraus leiten sich
die verschiedenen Arten der ordentlichen Steuern:
die bischöfliche Quart, d. i. der vierte Teil des Zehnten,
das Cathedraticum, die Anerkennungsgebühr des bi-
schöflichen Oberaufsichtsrechts in kirchlichen Ver-
mögenssachen, die Primi fructus, die Früchte des
ersten Jahres der vom Bischof verliehenen Pfründen,
die Bannales oder Strafgelder sowie die außerordent-
lichen Abgaben der sog. Consolationes und Subsidia
caritativa oder „Liebessteuern" her1. Steuerlisten der
letztgenannten Gattung sind in größerer Zahl aus dem
14. und vor allem aus der zweiten Hälfte des 15. Jahr-
hunderts vorhanden und, in der Hauptsache in der
Zeitschrift des Kirchengeschichtlichen Vereins für
das Erzbistum Freiburg, dem Freiburger Diözesan-
Archiv, veröffentlicht2, als wertvolle geschichtliche

1 Vgl. über diese und ähnliche Fragen Aloys Ofr, Die
Abgaben an den Bischof bezw. Archidiakon in der Diözese Kon-
stanz bis zum 14. Jahrhundert, im Freiburger Diözesan-Archiv 35
(NF. 8, 1907) S. 109-61.

8 Vgl. Bd. 1 (1865) S. 1—303: Über decimationis cleri Con-
stanciensis pro papa de anno :275., hrsg. von Wend. Haid;
Bd. 4 (1869) S. 1—62: Liber quartarum et bannalium in dioecesi
Constanciensi de anno 1324., hrsg. von demselben; Bd. 5 (1870)

Quellen geschätzt und benützt. Dazu gehört auch
die Steuerliste des Bischofs Hugo von Hohenlanden-
berg nach dessen Ausschreiben vom 9. Oktober 1497,
von dem die „Registrum in levatione caritativi
subsidii anno domini 1497." etc. betitelte Hand-
schrift 289 des General-Landesarchivs zu Karlsruhe,
über die sich K. Rieder im Freiburger Diözesan-
Archiv 35 (W F. 8, 1907) S. 2 f. des nähern verbreitet
hat, die Veranlagung für die 5 Kapitel des Archi-
diakonats Breisgau (Breisach, Endingen, Freiburg,
Neuenburg und Wiesetal) enthält. Sie bildet ein
Seitenstück bezw. eine neue Fassung des im 24. Band
(1895) des Diözesan-Archivs zum Abdruck ge-
brachten Steuerregisters des Bischofs Thomas Ber-
lower vom Jahre 1493 und ist auch für die Verhält-
nisse des Freiburger Münsters von besonderer Be-
deutung. Ein Vergleich ihrer Angaben mit denen der
genannten altern von 1493 und der Jüngern von 1508
weist inbezug auf Wechsel der Pfründenbesitzer,
Errichtung neuer und Unterdrückung alter Benefizien,
Nutzungswert der Pfründen und anderes wie z. B.
hinsichtlich der Altäre so namhafte Veränderungen
auf, dass eine wörtliche Wiedergabe der Liste hier
wohl angezeigt erscheint. Sie stellt die Urschrift des
Veranlagungs- und Einzugsverfahrens dar, in welche
die einzelnen Pfründbesitzer ihre Angaben jeweils
eigenhändig eingetragen habenB und wurde in Gegen-
wart des Pfarrektors Heinrich Kolher, des Kapitels-
dekans Mag. Nikolaus Locherer, des Kapitelskämmers
Johannes Zeller und des Konstanzer Stiftsherrn Johann
Jakob Helmstorff von dem Einzieher Johannes Suter
am 7. März 1498 abgschlossen und lautet:

S. 1 —118: Liber taxationis ecclesiarum et beneflciorum in dioe-
cesi Constanciensi de anno 1353., hrsg. von demselben; Bd. 24
(1895) S. 183—237, Bd. 25 (1896) S. 70 150, Bd. 26 (1898) S.
1 — 134 und Bd. 27 (1899) S. 17—142: Registra subsidii charitativi
im Bistum Konstanz am Ende des 15. und zu Anfang des 16.
Jahrhunderts, hrsg. von Fr. Zell und M. Burger; Bd. 35 (NF. 8,
1907) S. 1 —108: Das Registrum subsidii caritativi der Diözese
Konstanz aus dem Jahre 1508, hrsg. von K. Rieder.

3 Daraus erklären sich die zahlreichen Schreibfehler der
zum Teil mit der Feder weniger gewandten Geistlichen.
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