Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Furtwaengler, Adolf ; Reichhold, Karl
Griechische Vasenmalerei: Auswahl hervorragender Vasenbilder (Serie I, Text) — München, 1904

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.826#0015
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
TAFEL i—3

Krater des Klitias und Ergotimos
(Florenz)

(Hauptfries, Gesamtansicht and Einzelheiten)

Der Krater des Klitias und Ergotimos, gewöhnlich nach ihrem Entdecker
die Francois-Vase genannt, ist das grossartigste Denkmal altertümlich griechischer
Malerei, das uns erhalten ist, ein Werk, das durch den Reichtum und die Mannig-
faltigkeit der behandelten Gegenstände ebenso wie durch die Feinheit der Aus-
führung und durch die Fülle der Inschriften einzig dasteht. Man hat zwar neuerdings
unter den Scherben der einst der Schutzgöttin der Athener auf der AkropoUs
geweihten Vasen einzelne gefunden, die auf Gefässe gleicher Feinheit und ähnlichen
Reichtums schliessen lassen; allein es sind dies eben nur kleine Scherben. Die
Vase Frangois ist glücklicherweise bis auf einzelne fehlende Stücke fast vollständig
erhalten.

Sie ward 1845, m viele Scherben zerbrochen, in der Nekropole von Chiusi
in Etrurien gefunden. Jetzt befindet sie sich im Museo archeologico zu Florenz.1)

Wie die Inschriften lehren, ist der Krater die gemeinsame Arbeit des Töpfers
Ergotimos und des Malers Klitias. Schriftformen und Dialekt der Inschriften
beweisen, dass das Gefäss in Athen gearbeitet ist; als Zeit der Entstehung ist die
erste Hälfte des sechsten Jahrhunderts v. Chr. zu bezeichnen.

Die Form und die Verzierungsweise des Gefässes ist aus der Gesamtansicht
auf Tafel Nr. 3 zu ersehen. Mit Ausnahme der von den Henkeln verdeckten
Stellen des Halses ist jeder Fleck auf der Vase mit Bild oder Ornament geziert.
Dieser ganze Schmuck ist das Resultat der genauesten reiflichsten Überlegung.
Und die Ausführung geschah vom ersten bis zum letzten Striche mit einer gleich-
massigen Sorgfalt, die keinen Augenblick ermattete und die nicht den geringsten
Fehler von Unachtsamkeit zuliess. Über die Technik der Ausführung wird unten
besonders gehandelt.

1) Die erste Abbildung wurde in den Monumenti dell' Inst. IV, 54—58 gegeben, in Original-
grössc mit Text von E. Braun, Annali 1S48, 299—382; darnach in Archäol. Ztg. 1S50, Taf. 33—24;
Wiener Vorlege blattet II, 1—5. Eine neue Aufnahme ward 1887 im Auftrage des Wiener archäol.-
epigraph. Seminares von dem Zeichner L. Michalek unter Leitung von \V, Reichel ausgeführt, der
darüber in den Arch.-epigr. Mitteil, aus Österreich-Ungarn XII, 1888, S. 38—59 berichtete; die Auf-
nahme erschien dann in Ücnndorfs Wiener Vorlegeblättem 1888, Taf. 2—4, verkleinert. Obwohl
diese neue Abbildung manche kleine Irrtümer der älteren verbesserte, so erhob sie sich doch nicht
wesentlich Über jene. Da gleichwohl eine geschäftige Reklame sie als voltendet anzupreisen sich
bemühte, nahm ich 1890 in der archäologischen Gesellschaft in Berlin Gelegenheit, auf ihre grosse
b'nvollkommenhiit hinzuweisen (vgl. Jahrbuch d. arch. Instituts V, 1S90, arch. Anzeiger S. 24). Ich
betonte, dass dieselbe nicht nur >voll von Ungenauigkeiten« in den Figuren wie den Inschriften sei,
sondern namentlich auch von dem »feineren künstlerischen Charakter des Originales» gar keine Ahnung

Furtwinglcr und Rcichholet, Griech. Vasenmalerei 1
 
Annotationen