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Furtwaengler, Adolf ; Reichhold, Karl
Griechische Vasenmalerei: Auswahl hervorragender Vasenbilder (Serie I, Text) — München, 1904

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https://doi.org/10.11588/diglit.826#0072
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56 Krater des Klitias und Ergotimos

Die Hinterbeine der Rosse ruhen auf dem Boden auf, ihre Schwänze berühren
die Beine des Achill. In der Linken scheint Troilos zwei kurze Lanzen zu tragen.
Seine Schwester Polyxena (Rest der Beischrift I IoXvxjoev[e) eilt vor de*n Rossen
nach rechts, nach Hause zu; ihr Oberkörper fehlt; ihr Kopf war gewiss nach
links gewendet; ihr vorschreitender linker Puss ist gehoben. Sie hat die Hydria,
in der sie am Brunnen hatte Wasser holen wollen, fallen gelassen; diese liegt hinter
ihr und füllt passend den Raum unter den Rossen; sie ist aus Metall gedacht
und es sind die Nägel angedeutet, welche die Seitenhenkel und welche den Hals
an den Bauch befestigten; selbst diesem Gegenstande ist seine Bezeichnung bei-
geschrieben (fcopia). Hinter Achilleus steht als seine Schlitzgöttin Athena ('Ai>evai[a);
sie streckt die Rechte nach ihm aus; sie ist, wie dies in der früharchaischen Kunst
Öfter vorkommt, ganz waffenlos und tragt einen Mantel über dem Chiton; ihre
Haare sind hinten in einen grossen künstlichen Schopf gebunden (wie bei der
Urania des Hauptfrieses), vor und hinter dem Ohre fällt eine lange Locke herunter
Ihr folgt Hermes ('Epuejc;) mit dem langen Kerykeion, in der Tracht des Wanderers,
mit einem Fell über dem kurzen Rock und dem brekkrampigen Hute. Er wendet
sich um zu Thetis (©ETiq), der Mutter des Achill, die ihre Teilnahme durch die
bewegten Arme ausdrückt. Noch lebhafter bewegt beide Anne ein kleiner als
die bisherigen Figuren gebildetes junges Mädchen Rlwdia (Pobia), das mit den
Füssen nach links, mit dem Kopfe sich umwendend auf einem niederen Posta-
mente steht (das rot gemalt ist, mit schwarz gelassener Randleiste oben); an ihren
Schultern sind die den Peplos haltenden, durch ein Band verbundenen beiden
Nadeln wieder deutlich. Was dies Postament und das Mädchen eigentlich be-
deutet, ist unsicher; wahrscheinlich ist das Mädchen eine Troerin und die Erhöhung
etwa der Rand eines Bassins, in welches das Wasser des Brunnens abfloss und
welches als Pferdetränke diente. Sehr ausführlich ist das Brunnenhaus (xpeve) ge-
schildert, an welchem Troilos die Rosse tränken und Polyxena die Hydria füllen
wollten, wie sie von Achilleus überrascht wurden. Es ist ein dorischer Bau mit drei
Säulen zwischen den Anten. Die Einzelheiten dieses, wie das Thetis-Haus, architek-
tonisch höchst interessanten Baues werden verdeutlicht durch die beistehende (von
K. Reichhold ausgeführte) Zeichnung, welche dasselbe in richtiger perspektivischer
Ansicht zeigt; es sind hier die zwei auf der Vase zunächst stehenden mensch-
lichen Figuren hinzugezeichnet, um zu zeigen, wie deren Grössenverhältnis zum
Bau in Wirklichkeit gedacht werden muss; kleiner kann der Bau im Verhältnis
zur menschlichen Figur jedenfalls nicht angenommen werden. Die architektonischen
Details sind genau nach den Angaben des Klitias gezeichnet; nur der Giebel
ist mit punktierten Linien als wahrscheinlich zu ergänzen hinzugefügt. Zwei Panther-
köpfe an der Innenwand dienen als Wasserspeier; unter dem einen steht eine
Hydria, vielleicht die der Rhodia; ein jugendlicher Troer (Tpoov) eilt mit einer
Hydria zu dem zweiten Pantherkopfe. Hinter ihm schreitet Apollon heran
{'AtioXov), bärtig, wie Öfter in der älterarchaischen Kunst. Das Heiligtum des
thymbraischer. Apollon ward nahe bei der Quelle gedacht; am Altare dieses
Gottes sollte Achill den Troilos, nachdem er ihn eingeholt hatte, hingeschlachtet
haben, und wegen dieses Frevels ward später Achilleus an eben diesem Orte
durch Apollons Willen von Paris getötet. — Am anderen Ende des Bildes sieht
man die Stadtmauer von Troia mit einem halbgeöffneten Thore, aus welchem
zwei gewappnete troianische Helden, Potites (IloXireq) und Hektar fExrop) heraus-
 
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