Furtwängler, Adolf
Die Aegineten der Glyptothek König Ludwigs I. nach den Resultaten der neuen Bayerischen Ausgrabung — München, 1906

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1 (j Der Tempel.

Größe wiederaufgebaut (Taf. XII). Die Giebelgruppen
sind nur in Modellen von ein Fünftel natürlicher Größe
wiederhergestellt (Taf. V—X), da die Originale leider,
wie oben bemerkt, mit ihren früheren Ergänzungen un-
löslich verbunden sind. Eine Wiederherstellung an den
Abgüssen in originaler Grösse war durch die Raumver-
hältnisse des Aginetensaales der Glyptothek ausgeschlossen,
bleibt aber die Aufgabe eines künftigen neuen Gips-
museums in München. Die Modelle meiner neuen Rekon-
struktion der Giebelgruppen sind in Modelle der ganzen
Tempelfronten eingefügt, weil sie nur im Zusammenhange
mit der Architektur richtig wirken (Taf. III—IV).

III. Der Tempel und sein Skulpturen-
schmuck.

i. Der Bau.

Die Lage des Tempels auf einer Felskuppe inmitten
waldiger Höhen veranschaulicht die Tafel 1 oben; die
Ansicht ist von Westen her, von der Ruine jener vor-
hin erwähnten „Villa des Priesters" genommen, die eine
reizende Aussicht auf den Tempel gewährt. Die Ostfront
des Tempels nach der Ausgrabung zeigt dieselbe Tafel
unten. Man sieht die schräge Rampe, die zur Front
emporfuhrt. Die schönen Säulen mußten leider in
neuerer Zeit zum Teil durch eiserne Reifen umfaßt
werden, da der Stein an manchen Stellen sehr aus-
gewittert ist. Wie die Ostfront ursprünglich aussah,
gibt die Photographie des rekonstruierten Modelles auf
Tafel 3 wieder.

Der Tempel hat ungefähr die Größe des sogen.
Theseion in Athen. Es war dies wie es scheint eine
häufig vorkommende normale Tempelgröße. Ebenso
normal ist die Anzahl der Säulen, welche die Ringhalle
ausmachen (s. den Grundriß auf dem Plane oben S. 14):
an den beiden Schmalseiten sind es sechs, an den
Längsseiten zwölf. Auch der Grundriß des Tempel -
hauses selbst ist ganz normal angelegt: vorne ist ein
Vorraum mit zwei Säulen zwischen den Stirnpfeilern
(Anten) der Hauswände; es ist der Pronaos. Er war
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