Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 4.1882

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1LIC1TI0IEE

„DAS JÜNGSTE GERICHT," FRESCOGEMÄLDE IN MILLSTADT.

ZEICHNUNG VON Max PlRNER NACH SEINER AqUARELL-COPIE.


OR einigen Jahren hat die k. k. ößerreichifche Central- Commifsion zur Erforfchung
und Erhaltung der Kunß- und hiflorifclien Denkmale den Beschluss gefasst, die
Frescomalereien, welche sich im Bereiche ihrer Wirksamkeit befinden, in Aquarell-
farben copiren zu lassen, damit diese Gemälde, welche gegenwärtig ihrem Untergang
entgegengehen und an vielen Orten, auch mit den grössten Anstrengungen, vor dem
gänzlichen Verfall nicht mehr bewahrt werden können, nicht völlig in Vergessenheit gerathen.
Insbesondere dort, wo auch die Mauer vor den zerstörenden Einssüssen der Witterung nicht zu schützen
ist, muss man solche Fresken als unrettbar verloren betrachten. Das Herabnehmen und Übertragen
derselben auf Leinwand ist so kostspielig und der Erfolg so unsicher, dass es ganz unmöglich erscheint,
dieses Verfahren bei den in Österreich befindlichen Fresken in Anwendung zu bringen. Es wird daher
jeder ernste Kunstfreund es dankbar anerkennen, dass die Erinnerung an diese Fresken durch
gewissenhaft ausgeführte Aquarell-Copien, Zeichnungen und Pausen wenigstens für die Kunstforschung
nutzbar gemacht wird. Die Zahl von Freskogemälden, welche sich in Österreich erhalten haben, ist
viel crrösser, als man g-emeinio-lich glaubt. Geo-enwärtio- insbesondere, wo die Aufmerksamkeit der
Organe der Central-Commission auf die Wandmalereien gerichtet wurde und wo auch die Commission
selbst ihre Wirksamkeit sowohl auf die verschiedensten Gebiete der zeichnenden Künste, als auch auf
die verschiedensten Epochen der Kunstentwicklung in den österreichischen Ländern erweitert hat,
kommen von allen Seiten Nachrichten über Freskogemälde, welche sich noch in gutem Zustande
befinden, und über solche, die zwar noch erhalten, aber einem derart schlechten Zustande anheim-
getallen sind, dass die Erhaltung derselben für die Zukunft nicht als gesichert betrachtet werden kann.
In allen diesen Fällen wird es Aufgabe der Central-Commission sein, alle irgendwie werthvollen Denk-
mäler der alten österreichischen Kunst durch möglichst getreue und genaue Abbildungen für das
Gedächtniss der Nachwelt und für die Zwecke der Kunstforschung zu retten.
Bereits früher hat die Central-Commission die Wandgemälde von Karlstein bei Prag, sowie die
Wandgemälde im Schloss Runkelstein bei Bozen in Wasserfarben copiren lassen. In den letzten Jahren
ist die Aufmerksamkeit der Central-Commission auf Kärnthen eelenkt worden, wo einige Fresken, und
zwar aus Friesach, aus Metnitz und aus Millstadt, copirt wurden. Wenige Länder lind für die Geschichte
der deutschen Kunst so wichtig wie Kärnthen. Dr. Carl Lind, der von der Central-Commission
beauftragt wurde, die kunsttopographische Durchforschung Kärnthens vorzunehmen, fand daselbst eine
überraschend grosse * Anzahl von Flügelaltären, Wand- und Glasgemälden. Es ist dies recht begreiflich,

1 Vergl. „Ößerreichische Kunfttopographieu von J. A. v. Helfert (Wien, 1881, S. 14), wo über C. Lind's Million eingehend berichtet
wird Diese Schrift orientirt auch in authentischer Form über die Bestrebungen der genannten Commission Da jetzt von derselben dem Archiv-
wescn grosse Ausmerksamkeit zugewendet wird, so gelingt es vielleicht den Localforschern Kärnthens, den Millstadter Bleuler zu entdecken.
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