Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 11.1888

Page: Abschluss Heft VI
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Verlag des Litterarischen Jahresberichts (Artur Seemann) Leipzig.

Spaziergänge eines Naturforsehers.

Von

Professor Dr. W. Marshall.

HH*i Mit Zeichnungen von Albert Wagen in Karlsruhe.

24 Logen gr. 8° mit zweisarbigem Drucke. — Preis 10 Mk„ geb. in Prachtband 12 Mk.


Die „Nationalzeitung" urtheilt über das Werk wie solgt:
„Mit Euch, Herr Doktor, zu spazieren
Ist ehrenvoll und bringt Gewinn" —
das kann man getrost dem Verfasser des wunderhübschen Buches „Spazier-
gänge eines Naturforschers" zurufen und dem Ausspruche des bekannten
„trockenen Schleichers" noch das Wort hinzusügen: und auch Genuss. Herr
Marshall ist ein mit echtem Humor begabter wissenschaftlicher Kleinmaler,
der dem anscheinend bedeutungslosesten Vorkommnis in der sogenannten
organischen Natur die anziehendsten Betrachtungen und Belehrungen abzu-
gewinnen vermag. — Mit einem beneidenswerthen Geschick weiss er, an das
Kleinste anknüpfend, dem Leser ein grosses, allgemeines und umfassendes
Naturgesetz klar zu machen . . Er besitzt die seltene, aber dafür um so liebens-
werthere Gabe, seine bedeutende, auf entlegene Gebiete sich erstreckende
Belesenheit und seine nicht minder umfassende Sachkenntnis, nach Art wahr-
haft vornehmer Menschen, in der zuvorkommendsten Weise darzubieten, ohne
auch nur einen Augenblick lästig zu werden. Er ist so sreundlich mittheilsam,
so gelegentlich belehrend, so anregend unterhaltend und dabei so schalkhaft,
dass man nicht müde wird, mit ihm durch Feld und Wiesen, durch Schlüste
und Thäler zu streifen, über Berge zu klettern oder selbst durch Sümpfe zu
waten. Er weiss auf's Beste dasür zu sorgen, dass uns die kleinen Unbehaglich-
keiten der Fusswanderungen gar nicht zum Bewusstsein kommen. Sobald es
sich schickt, theilt er auch unbedenklich einen satirischen Peitschenhieb aus,
den sich der verständnisinnige Leser gar gut merkt .... Kurz, Marshall ist
ein naturwissenschastlicher Unterhalter von solch einer einnehmenden E'genart,
wie etwa Riehl ein culturgeschichtlicher, man kommt unter seiner Führung
aus der Anregung nicht heraus. Das ganze Jahr hindurch ist er mit uns aus
die Wanderschast hinauszuziehen bereit. Jede Jahreszeit, ob's gutes Wetter
gibt, ob's stürmt und wettert, gleichviel: Marshall pocht bei uns an, und es
bedarf nicht viel Lockens, um uns zum Mitgehen zu bewegen. Und was ersahren
wir nicht alles unter seiner kundigen Führung! Am wohlsten ist es ihm sreilich
unter den kleinen und kleinsten Geschöpsen, unter den summenden und hüpsen-
den Käsern, unter den sorglos die Lüste durcheilenden Vögeln. Hier ist er
ganz in seinem Elemente, hier ist er unerschöpslich in seinen Mittheilungen.
Einzelne seiner Bilder aus dem Kleinleben der Natur, wie man sagen darf
„allerlei kleines Gesindel", „besiederte Baumeister", „Altweibersommer", sind
literarische Zierstücke, sorglichst nach allen Richtungen ausgeseilt und
nirgendwo mit unnützem Schnörkelkram überladen.
Ebenso geschmackvoll jedoch wie die inhaltliche Anordnung ist auch
die Ausstattung des Buches, die von einem künstlerisch angelegten Sinne des
Versassers Kunde gibt. Die Zeichnungen, welche Albert Wagen dem Buche
beigegeben, erscheinen wie phantastisch-humoristische Begleiter der einzelnen
Abschnitte des Werkes, sie sugen sich dem Inhalte derselben auf das beste an.
Sie bilden gleichsam die künstlerischen Umrahmungen der einzelnen Capitel.
Solch' einem allseitig gelungenen Werke eine Empfehlung mit aus den Weg
zu geben, ist eine um so angenehmere Ausgabe, als man nicht gerade sehr ost
in der Lage ist, dieselbe ersüllen zu können.
y. Kastan.

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