Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 50.1927

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Abb. 1. Aus den Fabeln Bidpai's. Bagdad, Anfang des XIII. Jahrhunderts.

Paris. Bibliothequc nationale.

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DAS LANDSCHAFTSBILD
IN DER ISLAMISCHEN BUCHMALEREI.

Über die ersten islamischen Bilderhandschriften, die vermutlich im IX. Jahrhundert am Hofe
der Abbasiden in Bagdad entstanden, besitzen wir keinerlei zuverlässige Nachrichten, und auch
die Bruchstücke von Wandmalereien, die bei den Ausgrabungen von Samarra zutage kamen,
gestatten in dieser Hinsicht schwerlich bestimmte Rückschlüsse; wir müssen nämlich durchaus
mit der Möglichkeit rechnen, daß Buchminiatur- und Dekorationsmalerei, von denen nur der
ersteren eine größere Zukunft beschieden war, schon damals getrennte Wege gingen. Aber ganz
hilflos stehen wir dem Problem nicht gegenüber; denn wenn auch die ältesten uns erhaltenen Bei-
spiele erst dem XII. Jahrhundert angehören, so handelt es sich doch unverkennbar um dieselben
Texte, die von Anfang an zu bildlicher Ausstattung Anlaß gegeben hatten, und kompositionell
wie stilistisch gehen die Illustrationen augenscheinlich auf wesentlich ältere Vorbilder zurück. Es
kommen da einmal arabische Ausgaben griechischer naturwissenschaftlicher Traktate in Frage
und dann vor allem die seit dem VIII. Jahrhundert übersetzten und außerordentlich beliebten
Fabeln des Bidpai (»Kaiila und Dimna«), die von vornherein der anschaulichen Tierdarstellung
und damit überhaupt der Wirklichkeitsschilderung ein weites Tor öffneten.

In der Behandlung der Landschaft allerdings, die uns hier in erster Linie interessiert, gelangte
man über die ersten schüchternen Versuche lange nicht hinaus: ursprünglich auf eine bloße
Geländeandeutung durch vereinzelte Pflanzen beschränkt, zeigt sie eigentlich erst in Handschriften
des XIII. Jahrhunderts eine charakteristische Note und bestimmte Tendenzen. Es werden

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