Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 53.1930

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BÜHNENBILDER VON OSKAR LASKE.

Unser liebenswürdiger Wiener Maler Oskar Laske ist einer von den wenigen modernen
Meistern, die in der Gegend, sei's in der freien Landschaft oder in dem verbauten Stadtraum, immer
Mensch und Natur zusammen sehen und darstellen. Alle seine vielen Bilder und Bilderchen von
Dörfern, Märkten, malerischen Flecken, Veduten im engeren und weiteren Sinn, seine Schilderungen
von belebten Wiener Plätzen, Kirchen, Schlössern und Gassen, aber auch seine mannigfaltigen
phantastischen Gemälde, wo immer sie spielen und welche Vorgänge sie behandeln: im Paradies,
in der biblischen Landschaft, im Spanien Don Quixotes bei der Hochzeit des Camacho, auf Golgatha
mit der Kreuzigung im fernen Welthintergrund, während vorn das ungeheure Menschentreiben
spielt, im Markt eines galizischen Dorfes oder auf dem wimmelnden Basar einer Märchenstadt des
Ostens, sind voller Menschen, die, selbst eine üppige Vegetation, ein Naturleben und Drängen
inmitten der Erde und des Pfianzenwuchses, neben den Tieren und allen Dingen hervorquellen und
den Raum füllen, ja ihn eigentlich bestimmen. Sie sind mit Haus und Gerät, mit Vieh und Feld, mit
Berg, Wasser, Himmel, Luft und Tiefe, mit Bewegung und Farbe ringsum sowohl gegenständlich
als malerisch ganz verwachsen und erst mit ihnen, durch sie gibt der Ort, die Zeit, die farbige
Stimmung ein Ganzes. Ja, vielleicht geht sogar unser Maler überhaupt zuerst von den Menschen
aus und erfaßt mittels ihrer Erscheinung und ihrer Tätigkeiten den Ort, gliedert und mißt die Natur
als solche und sieht sie erst menschlich erfüllt, als Bild. Stadt-, Landschafts- und Sittenbild wird
ihm dergestalt eins, vom täglichen Leben bis zum phantastisch erfundenen Vorgang, als das un-
endliche Märchen des bewohnten Raumes.

Man kann sich leicht denken, wie sehr die Bühne gerade eine solche Begabung anziehen mag
und wieviel beide einander verdanken, wenn der Maler seine Visionen von Menschenräumen im
vollen, dinglichen Spiel der Bewegungen, der Rede, der Musik und Gebärde lebendig machen darf
und muß. Das Theater ist ja das Abbild und Gleichnis des belebten Menschenraumes und als Spiel,
durch das Spiel zugleich entrückt und märchenhaft in den richtigen Abstand von der Wirklichkeit
gesetzt. Es wird Vorwand und Inhalt, Form und Motiv zugleich und ein verlockendes erweitertes
Gebiet für den Maler.
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