Glöckner, Karl [Editor]; Historische Kommission für den Volksstaat Hessen [Editor]
Codex Laureshamensis (Band 1): Einleitung, Regesten, Chronik — Darmstadt, 1929

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prosapia a beato Arnolfo duce et episcopo prodiens in hoc Arnolfo duce et imperatore quasi pro-
gressiv sui penultimum iimitem acciperet. Quod in cronicis1) plenius reperitur. Während der erste
Teil des Satzes noch unmittelbar aus Regino fließen könnte, aber schon durchaus die Auffassungs-
weise der Genealogie zeigt, welche wohl auch die nächste Quelle des Chronisten war, ist der zweite
5 Teil fraglos nur einer solchen Stammtafel entnommen; man vergleiche die genealogische Tabelle aus
einer Wiener Hs. saec. 11, Scriptores III, 214: In quo Arnolfo imperatore generosa nobilium regum
et haec imperatorum genealogia incipiens a s. Arnulfo finem habuit. Ohne Zweifel derselben Her-
kunft sind die genealogischen Randrubriken über Herkunft, Regierungsdauer und Begräbnis der
Könige, die ihrerseits, wie die Anm. zu K. 46 dartut, Stoff aus Regino empfangen haben. — Die
lo gleiche Zusammensetzung zeigt K. 61, worüber die Anm. zum Texte zu vergleichen sind.

Die letzten ausführlicheren Notizen dieser Art, zugleich auch die letzte Randrubrik enthält K. 66;
sehr summarisch wird dann die «genealogia Ottonura» in K. 79 und 81 fortgesetzt, deren chronikalische
Anklänge, an Thietmar vor allem, aber weniger deutlich sind als die früheren an Regino.

Die drei Beinamen «Magnus», «Pallida mors Sarracenorum», «Mirabilia Mundi»

15 begegnen in den Genealogien aucb sonst.2) Die Heinrich II. gewidmeten Sätze tragen
denselben Charakter mit Anklängen an Thietmar, Hermann von Reichenau und Otto
von Preising3), sein Ehrentitel <Monachorum pater» ist zwar anderswo nicht zu be-
legen, aus Lorsch aber auch als Beiname Abt Hugos bekannt.4) Aus der späteren
Zeit bietet der Chronist nur noch die regalis prosapia der Weiblinger, deren Stamm-

20 bäum er in den Staufern bis auf die Gegenwart herabführt.5) Die Reichsgeschichte
tritt erst im 12. Jahrhundert wieder mehr hervor, wo ■ der Chronist aus seiner eigenen
Erfahrung und aus den Mitteilungen des Abts Heinrich schöpfte, der dem Hofe
Barbarossas nahe stand.

Reichhaltiger, aber im ganzen doch dürftig ist die Darstellung der Kloster-

25 geschiente. Ihr Gerippe bilden die Abtsnamen und die Angaben über ihre
Regierungsdauer — nicht ihre Regierungszeit —, die der Chronist einem Abts-
katalog, ähnlich dem aus Altenmünster, entnahm. Vom Gründungsjahr des Klosters
zusammenzählend, stieß der Chronist natürlich auf Widersprüche zwischen der von
ihm errechneten Regierungszeit und den Angaben der Urkunden, so daß er bald die

:so Inkarnationsjahre beiseite ließ*;), wie sie auch im Abtskatalog fehlen.

Die Ubereinstimmungen der Chronik mit dem Totenbuch, das uns nur in einer
jungen Fassung erhalten ist7), liegen klar zutage. Es handelt sich dabei um Stellen,
die an den Namen einer Person — meist des Abts — mit Hic oder Qui anknüpfen
und deren Verdienste und Charakter im Ton und Stil der Totenbücher würdigen.

*) So heißen die Genealogien; Script. III, 214.

2) Vgl. die zu K. 79 gedruckte Parallele der Ann. Spir., die, erst im 14. Jahrh. entstanden, auf
ältere Kataloge und Genealogien sich stützen.

3) S. Anm. zu K. 89. Auch hier bat der Chronist unmittelbar nicht diese großen Werke,
sondern nur die dürftigen genealogischen Auszüge benützt.

4) K. 124. Giesebrecht, Kaiserzeit II5, 90.

5) K. 96. Dazu Notizen über das Begräbnis K. 142, 144.

6) Von K. 52 ab.

7) Die älteste und wichtigste Hand dieser nur teilweise veröffentlichten Hs. der Universitäts-
bibliothek Würzburg notierte den Tod des Bischofs Simon v. Worms zum 9. V. (1291), den Tod des
Lorscher Propstes Johann zum 26. IV. (1297), des Herbort v. Urberg zum 11. VII., wobei Hartmann
von Kronberg, gest am 23. X. 1334, noch als lebend erwähnt wird. Hingegen ist der Todestag dieses
Hartmann (23. X. 1334) und seiner Frau Margarete (4. VII. 1334), vielleicht aucb des Propstes Niko-
laus (6. I. [1327], falls nicht ein späterer gemeint ist, s. Falk, S. 127) von der ersten Ergänzungsband
vermerkt. Demnach wurde das Buch um 1320 begonnen. In der Urvorlage fehlten die Hic-Sätze,
die noch jetzt deutlich als Nachträge kenntlich sind; vgl. zum 23. IL die Erläuterung zu Engilhelm
und Moda, zum 28. II. über Kankor und Angila,
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