Glöckner, Karl [Editor]; Historische Kommission für den Volksstaat Hessen [Editor]
Codex Laureshamensis (Band 1): Einleitung, Regesten, Chronik — Darmstadt, 1929

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Vorbemerkung' zum Druck.
Zur Technik der Ausgabe.

Eine kritische Würdigung des Codex Laureshamensis und eine umsichtige Ver-
wertung der einzelnen Urkunden ist nur dann möglich, wenn man sich den Aufbau
des Ganzen und die Stellung, welche die einzelne Urkunde darin einnimmt, vor
Augen hält. Daher hat die neue Ausgabe die räumliche Anordnung der Urkunden
nach dem Original beibehalten und als Ersatz für die zeitliche Gruppierung die
Regesten beigefügt.

Um die Eigenart der verschiedenen Kopisten deutlich zu kennzeichnen, strebt
der Druck nach treuester Wiedergabe des Originals. Einschränkungen dieses Grund-
satzes waren in folgenden Punkten nötig:

1. Mit großen Anfangsbuchstaben sind im Druck alle Eigennamen, mit kleinen
die davon abgeleiteten Eigenschaftswörter versehen. Die Schreiber haben kaum die
erste, noch weniger die zweite Regel durchgeführt.

2. Dem runden s des Druckes entspricht in der Hs. meist langes f. Nur im
Anlaut, Wort- und Zeilenende, vor gekürzten Endungen und vor Punkten findet sich
gelegentlich s und ist von diesen Stellungen aus hier und da (besonders bei Hand L)
auch allgemein herrschend geworden.

3. Bei den deutschen Eigennamen war die Unterscheidung von v, u (uu, w)
nötig; sie wurde, um die deutschen Worte nicht anders zu behandeln als die latei-
nischen, im ganzen Texte durchgeführt.

4. Der wechselnde Gebrauch der zahlreichen Kürzungen in der Hs. steht in
engem Zusammenhang mit der Anwendung der Satzzeichen, mit der Form und Größe
der Buchstaben, mit der Raum- und Zeilenverteilung und mit der Verschiedenartigkeit
der Kürzungszeichen, die zum Teil eine bestimmte, zum Teil aber auch, wie Punkt
und Strich, jede beliebige Buchstabengruppe abkürzen.

Eine Wiedergabe all dieser Dinge hätte einen zweifelhaften Gewinn, zweifellos
aber einen unleserlichen Text zur Folge gehabt. Nur wenn infolge wechselnder
Schreibweise einer Hand die Auflösung nicht eindeutig ist, sind daher die Kürzungen
unverändert stehengeblieben oder ihre Auflösung in () gesetzt worden; so besonders
bei in, im; con-, com-; abba, abbas; martir, martyr; mihi, michi; presbiter, presbyter;
dominus, aber domnus als Titel vor Eigennamen.1)

5. In der Verwendung der Punkte — und fast nur solche «Interpunktion» ist
vertreten — läßt Hand A und auch noch Hand E eine durch den Rhythmus, nicht

*) Nach seltenem sed (gegenüber einem set) ist die weit überwiegende Kürzung stets aus-
geschrieben worden. Neben pre erscheint bei E ganz vereinzelt pre.; die sehr häufige Kürzung ist
stets mit pre wiedergegeben.
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