Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — N.F..1931

Page: 177
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Momentaufnahmen aus der Gelehrtenwelt
Aus dem Erfahrungskreis eines Langlebigen.
Von Prof. Dr. D. h. c. Adolf Mayer.
In der Geburtsstunde des Energiegesetzes.
Robert Mayer tritt ein bei Leopold Ginelin in Heidelberg 1842. La-
boratorium im alten Dominikanerkloster.
Mayer: Sie entschuldigen Herr Hofrat, wenn ich Sie mit einer
Frage belästige.
Gmelin: Bitte nehmen Sie Platz. — Mit wem habe ich die
Ehre?
Mayer: Robert Mayer, praktischer Arzt aus Heilbronn. Ent-
schuldigen Sie freundlichst. Ich habe nämlich die Idee, daß Wärme
und mechanische Arbeit nur verschiedene Formen Eines und Des-
selben seien, so daß immer wenn die eine verschwindet die andere
dafür auftritt, so daß im Ganzen der Vorrat an Imponderabilien
und Kräften immer gleich bleibt. — Wie denken Sie darüber? —
Ich habe beim Aderlässen in den Tropen eigentümliche Beobach-
tungen gemacht.
Gmelin (sich räuspernd): Aderlässen in den Tropen? — Eine
sonderbare Idee, so verschiedene Dinge miteinander in Beziehung
zu bringen. Und wohl nachweisbar falsch. Bei Reibung entsteht
Wärme allerdings und mit Wärme kann man Kraftmaschinen in
Bewegung setzen. Aber wenn Sie Recht hätten, dann müßte ja,
auch die Suppe beim Umrühren mit dem Löffel wärmer werden,
und wir rühren doch um sie abzukühlen.
Mayer (stutzt): — Sie entschuldigen die Störung, (ab).
Eine Woche später.
Mayer (beim Ordinarius für Chemie einfretend): Herr Hofrat, sie
wird auch wärmer.
Gmelin: Ahl Der Arzt aus Heilbronn. — Was wird wärmer?
Ich bitte Sie, Platz zu nehmen.
Mayer: Die Suppe beim Rühren. Ich habe das Gefäß mit
Filz umkleidet und mit einem Löffel, der durch ein Spinnrad rasch
in drehende Bewegung versetzt wurde, stark gerührt. Sie wurde
1 Grad Reaumur wärmer in Zeit einer Stunde. Daß sie sonst beim
Rühren kühler wird, kommt von der kälteren Umgebung und von
der Verdampfung bei häufigem Luftwechsel.

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