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Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — N.F..1950

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Preisendanz, Karl: Die Rückkehr der Manesseschen Liederhandschrift
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https://doi.org/10.11588/diglit.47636#0053
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der Hagen in verschiedener Wiederholung ungefähr gleichen Wortlauts7
mit Berufung8 auf Friedrich Förster9: General v. Gneisenau sei ,die
Manessesche Handschrift bereits ausgehändigt gewesen10, doch sei sie
„als älteres, verjährtes“ Eigentum in den Weg der Unterhandlung11 ge-
raten und in Paris geblieben.
Aber schon 1823 erfolgte ein weiterer Versuch, die Handschrift durch
Tausch12 für Deutschland zu gewinnen: von der Hagen wurde von der
Stadt Breslau beauftragt, bei einem Studienaufenthalt in Paris dort „sehr
wertvolle altfranzösische Handschriften anzubieten, namentlich einen
Valerius Maximus in zwei Foliobänden mit den schönsten Miniaturen,
welcher aus der Beute des in der Schlacht bei Äzincourt 1415 gefallenen
Herzogs Anton von Brabant herrührt“13.
Trotz aller Verwendung der Preuß. Gesandtschaft und der Anteilnahme
Alexanders v. Humboldt, dem von der Hagen „die ihm anvertraute Hand-
schrift vorlegte“, verlief auch dieser Vorstoß wirkungslos, „und doch war
damals, unter Ludwig XVIII., noch eher an Erfolg zu denken, als nach
der Julirevolution“11.

7 I. Ber. üb. die Verh. der Preuß. Äk. der Wiss. zu Berlin 1845 (19. Juni,
Gesamtsitz, der Äk.), S. 206; II. Germania 7 (1846), S. 317; III. Einleitung zu
B. Mathieu, Minnesinger (1850), S. XI.
8 Fassung I.
9 Seit 1829 Preußischer Hofrat und Kustos an der Kgl. Kunstkammer Berlin.
War mit Theodor Körner Freicorpskämpfer gegen Napoleon und machte später
den Einzug in Paris mit.
10 Nach Fassung III hat Förster die Hs. Gneisenau übergeben, „der sie dem
Vaterlande wiederbringen wollte“.
11 Fassung III. Die erste Fassung erwähnt Försters Mitteilung nicht. Jacob
Grimm, der 1815 in Paris war (s.ob.), berichtet von dieser ganzen Episode nichts.
12 Tauschverfahren war nach v. der Hagen, Minnesänger 1 (Leipz. 1838), S. XV,
bei der „Zurückstellung der Hs. ausdrücklich Vorbehalten“ worden.
13 Die zweibändige Pergament-Hs. des Valerius Maximus, Factorum et dic-
torum memorabilium libri novem, gehört ihrer kostbaren Ausstattung wegen zu
den Zimelien der Breslauer Stadtbibliothek: sie konnte, einst für Änton von
Burgund (1421—1504), den „großen Bastard“ Philipps des Guten, in nieder-
ländischer Miniaturkunst ausgemalt und mit der französischen Übersetzung des
Simon de Hesdin und Nicolas de Gonnesse versehen, der Biibliotheque Natio-
nale als Teilentschädigung für das deutsche Liederbuch wohl genügen. Zum
Breslauer Valerius Maximus s. Richard Wünsch im Catalogus codicum latinorum
classicorum in Bibliotheca urbica Wratislaviensi (Breslau 1915), S. 8f.; Friedrich
Winkler, Der Leipziger Valerius Maximus (Lpz. 1921), S. 9, 12'f. Der Hinweis
von der Hagens auf Änton von Brabant ist zu berichtigen. R. Sillib, Einleitung
zur Facsimile-Äusgabe „Die Manessische Lieder-Hs.“ (Lpz. 1929), S. 40, schließt
sich von der Hagen an.
11 von der Hagen, Fassung I, S. 206f., III, S. XL

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