Hintze, Erwin [Editor]
Die deutschen Zinngießer und ihre Marken (Band 2): Nürnberger Zinngiesser — 1921

Page: 156
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So er ein Fannen thutt erraichen
auf jedes Zin schlagen wir ein Zaichen
65 der Statt wapenn, Ein halben Adler
finden die gschwornen einen dadler
der wirtt gestrafftt mitt harttenn Wandel
auf das bei der statt bleib der handeil
mitt guttem lob, wie vor vil jaren
70 Ein Ratth thutt auch kein mueh nitt sparen
all jar, all maister nimbtt jn pflichtt
kein felscherey zue brauchen nichtt
auch das jeder maister nitt mer
dan jn vier jaren ein junger 1er
75 dergleichen vil ander geseczs
auff das keiner den andern leczs
auch Ernehren wir vil armer plinden
die Sich Rad ziehens vntterwinden
Sambt dem vllein vnd seins Gleichen
80 die vnserm hanttwerckh steczs nach-
schleichen
Ich fragett weitter disenn altten
wie thuns dan Eucher gesellen haltten
er anttwortt mir mein Freundt So wist
das es ein gschenckhtes Hanttwerckh ist
85 Ein vatter haben Si gewunnen
am Vischpach doben bei der Sunen
alda habens schenckh all vier wochenn
da leidens kein palgen noch pochen
Jeder mues von jm thon Sein tegenn
9° vrtten maister machens alwegen
die frembden gsellen Sindtt darbey
an der Schenckh ganczer Örtten frey
vnd dajr hanttwerckhs gwonheitt haltten
wie es auff Si kam von den alttenn
95 vnd welcher gsell nichtt kem and schenckh
aus hochmuett kargheitt der gleich Renckh
derselbig mues doch gleich woll eben
wie ein ander gancze Vrtten geben
vnd Solche jre hanttwercks gewonheitt

100 halttens jn landen weitt vnd Breitt
Inn pehem, poln, pomern Vnd preusen
Inn pairn, Schwaben, Sachsen vnd Rewsen
bald ein frembder gsell her ist körnen
So wirtt er Freundtlich angenomen
105 Vnd zeucht zu einem maister Ein
Essenn vnd drincken gibtt man in
vnnd nachden örtten meistern sendtt
denselbenn er Sein grueß bekentth
vonn welcher statt er Herkumb
110 denn schickhtt er Nach arbeitt Vmb
kan man kein arbeitt jm auff treibenn
die nachtt thutt er peim maister bleiben,
nachdem die vrtten maister jn
furen jnn auff die herberg hin
115 da Si ein pfundtt mitt jm verschencken
aller gsellenn jnn gutt zue dencken
darmitt ist jm geschenckett aus
den bleittens jnn zum thor hinaus
So zeuchtt er hin jnn gottes Segenn
120 doch halttens streng darob alwegen
wo einer machtt ein bösses stuckh
oder prauchtt vnredliche Tückh
der wirtt von jungenn vnd von altten
verachtt, vnd nichtts von jm gehalttenn
I25 das keiner vber firzehen tag
On straff bei jm arbeitten mag
auch Si jm allentthalb nach schreibenn
jm landtt jn vberall aufftreiben
bis er sich steltt vnd gar vertregtt
I3° Sein Bueß vnd straff leitt vnd- erlegtt
dardurch die zucht vnnd erberkeytt
bey jnn erhalttenn wirtt alzeitt
dar mitt jr Rumb, grün plue vnd wachs
das wunschtt jnn zue Nurmberg Hans
Sachß
Anno Salutis
1543-

Wiedergegeben nach der Veröffentlichung von Hans Bösch in den Mitteilungen aus dem germanischen
Nationalmuseum II, Nürnberg 1889, S. 74ff. Der Abdruck gibt das Spruchgedicht in der Fassung der Nieder-
schrift in dem 1560 angelegten Meisterbuche der Nürnberger Kandelgiesser. Diese weist gegen die eigen-
händige Aufzeichnung des Hans Sachs, erhalten im Spruchgedichtband IV (Bl. 236—238) des Ratsarchivs in
Zwickau, verschiedene Abweichungen auf, die Bösch a. a. O. S. 73 ff. aufzählt.
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