Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 4.1886

Page: LXVII
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REGESTEN

AUS DEM

ARCHIVE DES K. K KREISGERICHTES ZU WIENER-NEUSTADT

HERAUSGEGEBEN VON

DR. JOSEF MAYER.



Zur Vervollständigung des kunstgeschichtlichen
Qiiellenmaterialesaus dem Stadt-Archive zuWiener-Neu-
stadt, namentlich in biographischer Beziehung, schien es
nothwendi'g, auch die alten Gewähr- und Satzbücher dieser
Stadt durchzugehen, die ja ohnehin bis zum Jahre i85i
einen Theil des städtischen Archivs gebildet hatten. Bei
Gelegenheit der Actenübergabe von den alten Patrimonial-
und Communalbehörden an die k. k. Gerichte wurden
auch nachträglich zufolge einer Verordnung des k. k.
Oberlandesgerichtes in Wien vom 23. December i85i
die Gewähr-, Satz- und Grundbücher der Gemeinde an
das hiesige k. k. Bezirksgericht ausgefolgt. Dieselben
reichen bis zum Jahre 1430 zurück, und es wurden die
ältesten, welche derzeit für das Grundbuchamt keine
actuelle Bedeutung mehr haben, in dem Archive des hie-
sigen k. k. Kreisgerichtes hinterlegt. Für die Zeit bis
zum Tode Kaiser Ferdinands I. kämen von diesen Bän-
den in Betracht:

1. Gewährbuch I vom Jahre 1430—1 555, in Fo-
lio, Papier, in Leder gebunden, ohne weiteren Titel als den
eben erwähnten auf dem Rücken des Bandes. Das Buch
hat gj nicht nummerirte Blätter für das alphabetische
Register und yig nummerirte Blätter für die eingetrage-
nett Gewähren (grundbücherliche Anschreibungen). Das
letzte Blatt trägt die Zahl 712, da die Nummern 276,
297> 29$> 3°4> 3*5> $9$ ur,d 607 je zweimal erscheinen.
Blatt 201, sowie 33g' und 340 sind leer.

Im Kreisgerichts-Archive trägt dieser Band die Be-
zeichnung 5 (Gwb. 5).

2. Gewährbuch II vom Jahre 1556—1630
(Rückenbezeichnung), in Folio, Papier, in Leder gebun-
den. Die ersten zwei Blätter sind leer; das dritte Blatt ent-
hält die Jahreszahl i554 in römischer und arabischer
Bezeichnung; auf dem vierten Blatte folgt ein ausführ-
licher Titel, welcher besagt, dass im Jahre 1S54 »dises
Grundpuech auffgericht vnd von neuem gemacht wor-
den«. Hierauf folgen die Namen des Bürgermeisters,
Richters, der Rathsgeschworenen, des Grundbuchsver-
walters und des Stadtschreibers für dieses Jahr. Wei-
tere 76 nicht nummerirte Blätter enthalten das alpha-
betische Register und hierauf 661 nummerirte Blätter
die Gewähreintragungen, die vom Jahre i556 beginnen
und von denen 103 Blätter auf die Zeit bis i564 ent-
fallen. Nach dem Abschluss eines Jahres bleibt in der

Regel der Rest des Blattes leer. Eilf nicht nummerirte

Blätter am Schlüsse des Bandes sind unbeschrieben.
Das Buch ist im Kreisgerichts-Archive mit 6 bezeichnet
(Gwb. 6).

3. Satzbuch A vom Jahre 1456—1645; item Ge-
währenvon 1453—1 5oovndGemechtevon 1455— 1538
enthaltend; in Folio, Papier, in Leder gebunden. Ausser
der erwähnten Bestimmung am Rücken enthält der Band
keinen Titel. Die ersten zwei Blätter sind leer, dann
folgen 25 nicht nummerirte Blätter für das alphabetische
Verzeichniss der Gewähren; hierauf beginnt die fort-
laufende Nummerirung der Blätter. Auf 52 Blättern
sind verschiedene Gewähren von i45ß—1464 einge-
tragen, die sich jedoch grösstenteils im Gewährbuch I
ebenfalls vorfinden. Auf Folio 5g—165, wobei jedoch
die Zahlen 66—6g vergessen sind, folgt nun das alpha-
betische Verzeichniss der eingetragenen Sätze, und auf
Folio 166—5og finden sich diese Sätze selbst, von 1466
bis i5gi; das Jahr i564 schliesst auf Folio 366. Auch
in diesem Theile sind die Zahlen 202, 32g, 382, 383 ver-
gessen. Folio 5io—5ßi, wobei 525 ausgelassen ist, finden
wir das alphabetische Verzeichniss der Vermächtnisse,
und diese selbst Folio 5ß2—5ßy. Von Folio 5^8 an bis
632 (rectificirt, indem abermals mehrere Zahlen ausge-
lassen waren und das letztgenannte Blatt die Nummer
637 trug) schliessen sich neue Sätze von i5q2—1645 an.
Nach zwei leeren Blättern folgen von Folio 640—652
(nicht mehr rectificirt) Gewähren für Judenhäuser von
1453—i5i5undauf652 ein Satz aus dem Jahre 1626. Dann
schliessen 26 unbeschriebene Blätter den Band. Derselbe
hat im Kreisgerichts-Archiv die Bezeichnung 11 (Sb. 11).

Die Einbanddeckel aller drei Bände sind vorne
zweimal doppelt durchstochen zum Durchziehen von Rie-
men behufs Zubindens; einer dieser Riemen ist noch vor-
handen (an Gwb. 5).

Abgesehen davon, dass uns die Auszüge aus diesen
Folianten auf den festen Boden der Wohnung und des
Besitzes führen, enthüllen sie auch zahlreiche verwandt-
schaftliche Beziehungen und geben hie und da Aufschluss
über die sociale Stellung der genannten Personen, über
ihre Beziehungen zum Hofe u. dgl. Ein grosser Vor-
zug dieser Regesten liegt aber darin, dass wir etwa von
der Mitte des i5. Jahrhunderts an — da die Eintra-
gungen der ersten Jahre kaum vollständig sein dürften
— die Namen wenigstens aller haussässigen Künstler
und Kunsthandwerker von Wiener-Neustadt erfahren.
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