Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 4.1886

Page: 38
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GIOVANNI DA BOLOGNA UND SEINE BEZIEHUNGEN ZUM

KAISERLICHEN HOFE.

Von

Dr. Albert Ilg.

m ersten Bande dieses Jahrbuches wurde der Versuch gemacht, zu zeigen, welche
Verbindungen der Bildhauer Adrian de Fries zu Kaiser Rudolf IL, dem kunst-
sinnigen Sammler auf dem Prager Hradschin, hatte und welche Schöpfungen an-
lässlich derselben ihre Entstehung fanden. Sowie der treffliche Schüler, Adrian de
Fries, hatte aber auch dessen Lehrer, Giovanni daBologna, selbst mannigfachen
Verkehr, nicht nur mit dem genannten kaiserlichen Kunstfreunde, sondern auch
schon dessen Vater Maximilian IL, wovon die Kunstgeschichte bisher sonderbarer-
weise noch keinen Anlass gefunden hat, Notiz zu nehmen. Die vorliegende Arbeit konnte zwar auch noch
nicht auf ein reiches und fertig gesammeltes Urkundenmaterial aufgebaut werden, da die archivarischen
Forschungen des Jahrbuches noch nicht bis zu jener Zeit gediehen sind, jedoch einerseits lag selbst in der
wenig untersuchten Literatur dieser Periode manche schätzenswerthe Quelle zu Tage, andererseits boten
die zum Behufe der Unterstützung angestellten Forschungen in mehreren Archiven doch so viel, dass
wenigstens ein Anfang gemacht werden konnte.

Es ist übrigens begreiflich, dass über die Beziehungen Giovannis da Bologna zu den beiden Kaisern
die Archive keine sehr reiche Ausbeute gewähren können. Er stand, obwohl es angestrebt wurde, niemals
förmlich in ihren persönlichen Diensten; seine Werke, welche noch die kaiserlichen Haussammlungen
schmücken, kamen wahrscheinlich sämmtlich oder doch grösstentheils als Geschenke herbei, es kann also
von Rechnungen darüber nicht die Rede sein, und die Einladung an den Meister, in kaiserliche Dienste zu
treten, welche kein Resultat hatte, geschah wohl nur auf vertraulichem Wege. Meine von den Herren
Beamten des k. k. Geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchivs, sowie desjenigen des k. k. Finanzministeriums
in Wien freundlichst geförderten Nachforschungen hatten daher blos einige in zweiter Linie werthvolle
Ergebnisse, wie aus dem Folgenden zu entnehmen sein wird, dagegen hoffe ich aus älteren und neueren
Literaturquellen ein ziemlich genügendes Bild vom Stand der Sache gegeben zu haben, welches viele neue
Gesichtspunkte liefert. Das wichtigste neue Werk über den Meister: Abel Desjardins, La vie etl'ceuvre
de Jean Boulogne, d'apres les manuscrits inedits recueillis par M. Foucques de Vagnonville, Paris 1883,
dürfte eben nach der Seite hin, welche die Ueberschrift des vorliegenden Artikels andeutet, eine nicht
unwesentliche Ergänzung finden, andererseits gewärtige ich, dass aus den noch zu untersuchenden Urkunden
des Prager Archivs dasselbe bezüglich dieser Arbeit der Fall sein werde. Ich beginne also mit der Besprechung
der beiden mit dem Namen des Künstlers bezeichneten Werke in der kaiserlichen Haussammlung.

Die beiden Bronzestatuetten, welche vorliegenden Zeilen in Radirungen beigegeben sind, gehörten
bis in die neuere Zeit dem Bestände der kaiserlichen Schatzkammer an, aus welchem sie 1871 der Ambraser-
sammlung einverleibt wurden. Die kleinere, auf Tafel V dargestellte, hat den Naturton des Materiales, die
etwas grössere, Taf. VI, ist ganz vergoldet. Erstere zeigt eine anmuthige, mädchenhafte Figur, welche, dem
Bade entstiegen, völlig unbekleidet, beschäftigt ist, den Körper zu trocknen. Das rechte Bein ist das Stand-
bein, das linke, im Knie emporgezogen, stützt sich auf einen Sockel von araähnlicher Gestalt, welcher
beinahe zur Kniehöhe des Standbeines emporreicht. Dieses Postament verjüngt sich etwas in geschweifter
Form nach oben, endet mit einer Deckplatte und ist von dreieckigem Grundriss mit abgestumpften Ecken,
also eigentlich sechseckig, ohne Verzierung. Den Oberkörper hält die Gestalt leicht vorgebeugt, noch mehr
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