Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 9.1889

Page: 135
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0.5
1 cm
facsimile
UEBER EINE BRONZE-STATUETTE DES HERAKLES.

Von

Dr. Robert Ritter von Schneider.

ie beiden diesen Blättern beigegebenen Tafeln zeigen eine bronzene Statuette, welche im
Juni 1887 für die kaiserliche Sammlung erworben worden ist, in Vorder- und Rück-
ansicht etwa in zwei Dritteln ihrer wirklichen Grösse. In gleicher Grösse gibt Kopf
und Brust derselben das oben angebrachte Bild. Wir sehen einen aufrecht stehenden
Jüngling. Er stellt das linke Bein etwas seitwärts, tritt aber mit vollen Sohlen auf.
Würden nicht der rüstige Körperbau, die breiten Schultern und der starke Nacken, das
krause Haar und die geschwollenen Ohren denselben deutlich genug kennzeichnen,

so setzte es das über Achsel und Arm herabhängende Löwenfell ausser Zweifel, dass in ihm Herakles dar-
gestellt ist. Demnach bestimmen sich unschwer die seinen Händen fehlenden Attribute. Es waren dies
die beiden ihm besonders eigenthümlichen Waffen: der Bogen für den Kampf in die Ferne, die Keule für
den Nahkampf. Ersteren hielt er in der Linken, letztere in der Rechten. Man erkennt noch die Stelle,
wo sie auf der Schulter lag.

Die Statuette ist ohne Basis 3o Cm. hoch; letztere ■— mit einem Omphalos in der Mitte und
dem Profile eines attischen Säulenfusses — misst 3 Cm. in der Höhe und etwas mehr als 10 im Durch-
messer. Beide wurden getrennt von einander gefunden, doch bezeichneten die Fussspuren auf der Basis
genau den Standplatz der Figur. Ihre Erhaltung ist vortrefflich. Von nicht nennenswerthen geringfügigen
Verletzungen abgesehen, fehlen ausser den genannten Waffen nur die letzten Glieder vom Zeigefinger
und vom Daumen der rechten Hand. Die Patina ist glatt, doch macht sich an Gesicht, Brust und Ober-
schenkel die rothe Färbung des überschüssigen Kupfergehaltes der Bronze störend bemerkbar.

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