Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 24.1903

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1 cm
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ANICIA IULIANA IM WIENER DIOSKORIDES-KODEX.

Von

Anton von Premerstein.

I.

er berühmte Konstantinopler Pergamentkodex des Dioskorides aus dem beginnen-
den VI. Jahrhundert, ein altes Kleinod der Wiener Hof bibliothek (Med. gr. i bei
Nessel, Med. gr. 5 bei Lambecius-Kollar), das für die Geschichte frühbyzantini-
scher Schreib- und Malkunst von hervorragender Bedeutung ist, enthält als
letztes in der Reihe von Vollbildern, die dem Texte voraufgehen, auf der Rück-
seite des Blattes 6 eine Darstellung, die eine genauere Datierung ermöglicht, das
Bildnis einer vornehmen Dame Iuliana,1 für welche die kostbare, reich mit
Pflanzen- und Tierbildern ausgestattete Handschrift hergestellt wurde. Zum besseren Verständnis der
folgenden Untersuchung sei es gestattet, eine Beschreibung der Miniatur, welche Tafel XXI in der
Große und in den Farben des Originals wiedergibt, vorauszuschicken.

In eine Kreisfläche mit dem Durchmesser von 26 cm, die nach außen ein rot umrandetes Band-
ornament — Gold auf schwarzem Untergrunde — abschließt, sind zwei gleich große, sich schneidende

1 Kupferstich bei P. Lambecius, Commentarii de august. bibliotheca Caesarea Vindobonensi II (1669), zu p. 571 (dazu
Text, p. 571—590). Dieselbe Platte bei D. de Nessel, Catalogus codicum mss. graecorum bibl. Caes. Vindob. III (1690),
Taf. H (dazu p. 8 f.). Nachbildungen dieses Stiches mit geringen Abweichungen bei B. de Montfaucon, Palaeographia graeca
(1708), zu p. 2o3 (mit einem Auszuge der Lambeckschen Abhandlung p. 203—209; vgl. p. 39 f.) und in der zweiten Aus-
gabe des Lambeckschen Kataloges (Editio altera opera A. F. Kollarii) II (1769), zu col. 220 (dazu c. 219 n. VIII—c. 253).
Unbrauchbar ist eine (mit Ausnahme der Beischriften) im Gegensinne gehaltene Reproduktion nach Lambecius bei Ducange,
De imperatorum Constantinopolitanorum . . . numismatibus diss. (im Glossarium med. et inf. latin. III [1G81], Anhang), Taf. II,
(dazu p. 5 f.), deren Orientierung erst in späteren Ausgaben des Glossarium (so in der Didotiana von G. A. L. Henscbel VII
[1850], Tab. II; dazu p. 149) berichtigt wurde. Die fehlerhafte Abbildung bei Ducange wurde nochmals aus A. F. Goris Nachlasse
in dessen Thesaurus veterum diptychorum IV (J. B. Passerii in monumenta sacra eburnea . . . expositiones, 1759), Tab. XIX
von Passeri herausgegeben, der die Provenienz des Bildes nicht kannte und einen phantastischen Kommentar (p. 60—62)
dazu beisteuerte. Nach Lambecius stark verkleinert: J. B. Seroux d'Agincourt, Histoire de l'art par les monumens V (1823),
pl. XXVI, n. 1 (dazu Text III, Abt. 3 [Peinture], p. 32 f.). Eine sorgfältige Chromolithographie, welche der reichen Farben-
pracht des Originales einigermaßen gerecht wird, gibt J. Schönbrunner bei J. Labarte, Histoire des arts industriels, Album II,
(1864), pl. LXXVIII (dazu Labarte, fol. 3); II2, pl. XLIII (dazu p. 163, 466); danach sind hergestellt der Holzschnitt bei
N. Kondakoff, Histoire de l'art byzantin I (1886), zu p. 108/9 (dazu p. 110 n. 5), und die verkleinerte Phototypie bei F. X.
Kraus, Geschichte der christl. Kunst I, S. 459, Fig. 345 (dazu S. 447, 460 f.), wiederholt bei H. Grisar, Geschichte Roms u.
der Päpste I, S. 407, Bild i3o (dazu S. 406 f.). Nach Photographien des Originals R. Beer in: Kunst und Kunsthandwerk
V (1902), S. 236 (dazu S. 239 f.), und E. Diez (vgl. unten, S. 107, Anm. 3).

Das Bild wird außerdem besprochen von J. A. Fabricius, Bibliotheca graeca (ed. Harles) IV, p. 684; E. Q. Visconti,
Iconographie grecque I, p. 291, A. 2; M. Silvestre, Paleographie universelle II (1841), n. 9 (Text); derselbe, Universal palaeo-
graphy (translated by F. Madden), Text I (1850), p. 166; L. Choulant in Naumann und Weigels Archiv für die zeichnenden
Künste I (1855), S. 58; Fr. W. Unger in Ersch und Grubers Real-Enzykl., I. Sektion, Bd. LXXXIV (1866), S. 36i mit A. 57,
S. 370 (vgl. S. 441); G. F. Waagen, Die vornehmsten Kunstdenkmäler in Wien II (1867), S. 8—10; C. Schnaase, Geschichte

XXIV. 16
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