Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 26.1906/​1907

Page: 183
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jbksak1906_1907/0192
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Fig. i. Selbstporträt des Frans Luycx.
Sepiazeichnung der k. und k. Fideikommißbibliothek.

DER HOFMALER FRANS LUYCX.

EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE DER MALEREI AM ÖSTERREICHISCHEN HOFE.

Von

Ernst Kbenstein.

Vorbemerkung.

jjie vorliegende Arbeit ist dem Hofmaler Ferdinands III. Frans Luycx gewidmet.
Ihre ursprüngliche Anlage war eine größere, denn sie sollte eine Geschichte der Hof-
kunstler Überhaupt, von Matthias II. angefangen, bieten. Zu dieser Einschränkung
RH i&lalri H mußt£n verschiedcne Umstände bestimmen. Zunächst ist es noch gänzlich

unbebauter Boden, der hier bearbeitet werden sollte, und dann wäre von keinem
der anderen Künstler ein so vollständiges Bild zu entwerfen gewesen. Bei den
meisten der hierher gehörigen Maler ist sogar für die Zukunft wenig Aussicht
vorhanden, ihre Kunst mit den Daten über ihr Leben, die sich allenfalls aus den Hofzahlamtsbüchern
und den Archiven sammeln ließen, in organischen Zusammenhang zu bringen; denn die meisten die-
ser Leute waren eben nur ehrsame Handwerker, deren Stil schon bei den nächsten Generationen kei-
nen Anklang mehr finden konnte; und wenn ihrer Porträtkunst ein originaler Charakter auch keines-
wegs abzusprechen ist, mußte doch der auf ein höheres Niveau der Kunstanschauung gelangenden
folgenden Zeit allmählich das Verständnis und die Würdigung jener plumpen und unbeholfenen Ar-
beiten abhanden kommen. So gingen diese Werke im Laufe der Zeiten zum Teile verloren, eine
große Menge wurde verbrannt, anderes wieder befindet sich jetzt auf der Öffentlichkeit unzugänglichen
Schlössern der kaiserlichen Familie und verdankt seine Erhaltung nur dem konservativen Geschmack
der Besitzer.

Ich stehe umso weniger an, Frans Luycx, der im Kampf ums ästhetische Dasein vollständiger
Vergessenheit entging, zum Mittelpunkte dieser anfangs umfassender gedachten Studie zu machen, als
xxvi. 24
loading ...