Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 30.1851

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6.
Über den Druck im Innern einer Erdmasse.
(Von dem Herrn Bau-Conducteur zu Braunschweig.)

Unter verstehen wir hier einen homogenen unprefsbaren Körper,
dessen kleinste Massentheilchen aneinander verschieblich sind, welche aber
der Verschiebung einen gewissen Reibungswiderstand entgegensetzen. Zu
diesem Reibungswiderstande kann sich auch noch ein gewisser Cohäsionswider-
stand gesellen, welcher bei der durch Verschiebung erfolgenden Trennung
zweier Theilchen mit überwunden werden mufs.
Das Gesetz, nach welchem sich der statische Druck im Innern einer
im Gleichgewicht befindlichen Erdmasse vertheilt, liegt noch völlig im Dunkeln.
Es ist zwar in der vor kurzem erschienenen Schrift von („Die Statik
des Sandes") versucht worden, dieses Gesetz aufzuhellen, jedoch ohne Erfolg,
da diese Theorie auf Hypothesen gegründet ist, welche aus der Natur der
Erden nicht nachgewiesen und auch derselben gewifs nicht gemäfs sind.
Rei Anwendungen in der Ausübung hat man sich damit begnügt, den
Gesammtdruck zu suchen, welchen eine Erdmasse gegen einen endlichen Theil
ihrer ebenen Umfangswände ausübt. Zu diesem Ende hat man von der hinter
der Wand lagernden Erde denjenigen Theil ermittelt, welcher von allen das
gröfste Bestreben äufsert, auf seiner Basis herabzugleiten und die widerstehende
Wand aus ihrer Lage zu drängen. Jedoch auch diese Aufgabe, obgleich sie
nur einen speciellen Fall der Statik der Erden ausmacht, ist nicht allgemein
und vollständig gelöset, indem die Untersuchungen von der ohne Beweis hin-
gestellten Hypothese ausgehen, dals die Basis des Erdtheils vom gröfsten Schube
eine sei.
Um die Statik der Erden gründlicher und umfassender zu entwickeln
und die dabei vorkommenden Erscheinungen eben so genügend zu erklären,
wie in der Hydrostatik die Gleichgewichts-Erscheinungen vollkommener Flüssig-
keiten, ist wesentlich noch die Kenntnifs des Gesetzes nöthig, nach welchem
sich der auf irgend einen Punct einer Erdmasse ausgeübte Druck durch die
Masse Es kann sein, dafs der Scharfblick eines Mathematikers
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