Kempf, Friedrich ; Schuster, Karl
Das Freiburger Muenster: ein Führer für Einheimische und Fremde — Freiburg i. Br., 1906

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Baugeschichte und allgemeine Beschreibung.

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Nach dem auf der Spitze angebrachten Meisterzeichen zu schließen,
war mit diesen Wiederherstellungsarbeiten Hans Böringer betraut.

Jörg Kempf starb Ende 1563 oder anfangs 1564; nach ihm
wird 1564 und 1567 Matthäus Müller und 1571 Jörg Kempf
der Jüngere genannt.

Am 9. Oktober 1575 berief der Rat den Meister Hans Böringer,
zunächst wohl zur Ausbesserung der beschädigten Pyramide.
Böringer stammt aus Dinkelsbühl oder Rottweil — er war in
der einen dieser Städte geboren und in der andern vor seiner Be-
rufung nach Freiburg beschäftigt. Er fertigte 1577 die Maßwerk-
brüstung der St Michaelskapelle und 1578 die Außetiseiie der Heilig-
grabkapelle.

Im Januar 1578 hatte der Rat die Pfleger angewiesen, nach
Beendigung der Grabkapelle «nach und nach, so kein nötiger
bau fürfällt, das portal, darunter man die kinder einsegnet, für-
nemen zu lassen». Wahrscheinlich sollte schon damals eine Vor-
halle vor jener Türe angelegt werden, wie sie tatsächlich vierzig
Jahre später zur Ausführung kam. Das Vorhaben wurde jedoch
aus unbekannten Gründen wieder aufgegeben und im Mai 1579
die Errichtung eines neuen Lettners «fürgezeigter form und
muster nach» beschlossen. Böringer entwarf dazu den Plan.
Nach vier Jahren wurde der erste Stein gelegt, die Vollendung
nahm aber noch mehrere Jahre in Anspruch. Dieser Lettner
wurde, wie bereits erwähnt, 1790 abgebrochen, die westliche
Hauptfront sowie Teile der Seitenfronten aber in den Querschiff-
armen als Musiktribünen wieder aufgebaut. Der ursprüng-
liche Bau Böringers erstreckte sich längs der in den unteren
Chor führenden Stufen zwischen den beiden Eingängen in den
Chorumgang und bestand aus einer Halle von fünf Sterngewölben
auf Pfeilern mit vorgelegten korinthischen Säulen (Bild 19). Im
ersten, dritten und fünften Joch standen Altäre, von denen der
mittlere St Johann Baptist, der südliche der hl. Anna und der
nördliche dem hl. Johann von Nepomuk geweiht war. Das
zweite und das vierte Joch bildeten die Durchgänge in den Chor,

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