Kempf, Friedrich ; Schuster, Karl
Das Freiburger Muenster: ein Führer für Einheimische und Fremde — Freiburg i. Br., 1906

Page: 94
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kempf1906/0102
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
50. Kämpferfries am Eingang der ehem. Nikolanskapelle.

Das Innere des Münsters.

Tritt man von der Vorhalle durch das Hauptportal ins
Innere des Münsters, so erfährt man den Zauber eines über-
wältigenden Gesamteindrucks durch die Schlichtheit und ernste
Würde des in mächtigen Verhältnissen sich aufbauenden Raumes.
Reizvoll und malerisch sind die Durchblicke nach den Seiten-
schiffen , deren farbenglühende Glasgemälde das Auge ent-
zücken.

Eine herrliche Perspektive gewährt der ausgedehnte luftige und
hohe Chor, der mit dem Langhause trotz seiner späteren Kunst-
formen ein harmonisches Ganzes bildet. Von der Höhe herab
strahlt dem Beschauer auch da die Farbenpracht der Fenster
entgegen, während er durch die Arkaden des Chores hindurch
sich des Blickes auf den Kapellenkranz erfreut.

In den Seitenschiffen fällt neben den herrlichen Fenstern
die durch Kleeblattbogen abgeschlossene, feingegliederte Blend-
arkatur der Wände angenehm ins Auge. Sie stellt sich als eine
prächtige architektonische Zierde dar. Die Maßwerkbrüstung
darüber stammt, wie die des Oberlichtgadens, erst aus dem
Jahre 1790 ; sie verdeckt leider die unteren Teile der Glasgemälde.
An ihrer Stelle befanden sich früher nur Holzbalken, die zu-
gleich zur Aufnahme der Stangenkerzen dienten, welche die
Zünfte an ihren Jahrtagen dort aufsteckten. Beachtenswert sind
auch die verschiedenartigen Schlußsteine der Gewölbe.
loading ...