Dengler, Georg [Editor]
Kirchenschmuck: Sammlung von Vorlagen für kirchliche Stickereien, Holz- & Metallarbeiten & Glasmalereien — N.F. 4.1888/​95

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Il'hliil'Mlg iler Gchll,.

Tafcl 117.

Diese Tafel enthält verschiedene laufende Muster für Leinwand-
slickereien, deren Ausfnhrung für Alben, Chorröcke, Altartücher und
dergl. in frttheren Heftcn schon öfter beschrieben nwrden. Sehr zu
empfehlen ist es, die Stickerei nicht blos in Linien (mittelst Stiel-
oder Kettenstich) zu sticken, sondern auch die Zwischenräume der Linien
krüftig in Weißstickerei, odcr in matten Farben durch Zopf- oder
Kettenstich auszusüllen, weil nur so die Zeichnung kräftig hervortritt.

Tafcl 118.

Glasgemälde mit der Darstellung der einzelnen Szenen der Parabel
vom barmherzigen Samaritan, als Fortsetzung zu dem im vorigen
Hefte dargestellten Fenster mit der Parabel vom verlorenen Sohne.
Diese Fenster wurden im verslossenen Jahre in der M. Schneider'schen
Glasmalereianstalt in Regensburg für die Pfarrkirche in Neuötting
(Niederbayern) in Kathedral- und Antikglas, die Bilder nach Kartons
des f-Professors Klein in Wien (publizirtim ,,Glücksradkalender" 1885
und 1886) hergestellt, und sind ein Meisterstück dieser sehr empfehlens-
werthen Kunstanstalt.

Tafel 119.

Zwei Fenster aus derselben Glasmalereianstalt für eine romanische
und eine gothische Kirche; das gothische Fenster war für eine Kirche
in Amerika bestimmt, während das romanische für die neue katholische
Kirche in Pappenheim ausgeführt wurde.

Tafel 12«.

Renaissance-Style für die Pfarrkirche in Scheer, aus-
dem Entwurfe des Herausgebers von Schreinermeister
Regensburg, Bildhauer Markl und Maler Goß in

Tafcl 121.

Romanisches Altarkreuz in vergoldetem Kupfer mit Email aus-
gesührt für den von der Diözese Regensburg zum 50jährigen Priester-
Jubiläum des heiligen Vaters Leo XHI- geschenkten Altar. Von
diesem Altare, welcher ganz aus Stickereien der seinsten Art zusammen-
gesetzt ist, bringen wir weiter unten eine nähere Beschreibung, die
Abbildung selbst folgt im nächsten Hefte.

Tafel 122.

Gntwurf;u eineur gestickteu Ättarteppiche.

Zur Bekleidung und Ausschmückung des Altares an Festtagen
wurden schon seit den ältesten Zeiten auf den Stufen desselben
Teppiche ausgebreitet, die sich meist über das ganze Presbyterium
erstreckten. Die Berichte der älteren Schriftsteller erzählen von den
kostbarsten Teppichen, besonders in den Kirchen Roms, die sich dort
als Geschenke von Päpsten, Kaisern und Fürsten angehäuft hatten.
Man begnügte sich nicht, den Fußboden der Basiliken mit bunt-
farbiger Marmormosaik in den herrlichsten Mustern zu schmücken —
wie sie heutzutage noch die Kirchen des Lateran und von 8. stlariu
luaZZiorö in Rom, 8. Narao in Venedig, der Dom von Monreale
und die Eapölla?a!aiiiig. zu Palermo in reichster Abwechslung zeigen,
sondern man wollte an Festtagen diesen ächt monumentalen Schmuck
noch überbieten durch Ausbreitung kostbarer, meist aus dem Orient
stammender Teppichwirkereien und -Stickereien, deren Werth jedenfalls
dem kostbaren Mosaikboden gleichkam.

Bis zum Schlusse des ersten Jahrtausends wurden, wie gesagt,
die Kirchenteppiche aus den Ländern des Orients bezogeu und deß-
halb auch häufig „taxstia traiwmarivg^ (überseeische Teppiche) be-
nannt. Jm zehnten Jahrhundcrte treffen wir im Abeudlande die
älteste Teppichfabrik in der Abtei 8aiut l'Ioroat zu Samur, wo, wie
ein Chronist vom Jahre 984 erzählt, die zum Gebrauche der Kirche

nöthigen Teppiche „mit Elephanten- und Löwenfiguren" von den
Mönchen oder Laienürüdern (Irakrss opiüoos) angefertigt wurden.
(viä. Bock, Die Paramentik des Chores und Altares im Mittelalter,
M 112 ff.)

Wie Viollet le Duc anführt, besaß Poitiers bereits im Jahre
1025 eine Werkstätte, die sich mit Anfertigung von Teppichen befaßte.
Zu gleicher Zeit finden wir auch solche Teppichwebereien zu Troies,
Beauvais, Reims und Ct. Quentin. Diese Teppichwirkereien, welche
in den verschicdenen Benediktinerabteien des Abendlandes, sowie von
industriellen Webern in einzelnen Städten des nördlichen Frankreichs
(und wahrscheinlich auch in den großen Klosterzentren Deutschlands
und der Schweiz, in Fulda, St. Emmeram in Regensburg, Reichenau
und St. Gallen) nach orientalischen Vorbildern angefertigt wurden,
gehören sämmtlich zu den sogenannten IIuuko-lwZo-Geweben. Die
Kette derselben wurde nämlich vertikal auf dem Webestuhle auf-
gespannt, wie auch heute noch (z. B. im Palais Luxembourg zu
Paris) die Gobelins angesertigt werden, und wurde dcr Einschlag,
wodurch die Musterungen erzielt werden, vermittelst Handspulen ein-
gewirkt und durch den Weberbaum nach oben angeschlagen, wodurch
auch das Gewebe von oben nach unten fich verlängerte. Diese An-
fertigung von Teppichen ü bg.uko lisss war übrigens schon im klassischen
Alterthume bekannt und geübt, und läßt sich als einfachste Technik
der Webekunft bis zu den ältesten Zeiten und den ältesten Kultur-
völkern, den Egyptern, nachweisen.

Die sogenannten Vetourteppiche dagegcn, d. h. solche Wollen-
teppiche, die in Weise des Sammts mit geschnittener Schur an-
gefertigt werden, wurden bis zum zwölften Jahrhunderte ausschließ-
lich im Orient fabrizirt.

Auch in Frauenklöstern scheint man sich schon in früher Zeit mit
der Anfertigung gewebter und gestickter Teppiche beschäftigt zu haben,
und zwar in solch' ausgedehnter, geschäftlicher Weise, daß der
hl. Cäsarius, Bischof vou Arles, den weiblichen Orden seines Sprengels
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