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Österreich / Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale [Editor]
Kunstgeschichtliches Jahrbuch der K[aiserlich-]K[öniglichen] Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale — 1.1907

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https://doi.org/10.11588/diglit.18129#0135
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lr'g- 83 Afjostino Yeneziano. B. 426 La Carcasse.

Michelangelos Schlachtkarton

Von Wilhelm Köhler

Bei einem führenden Künstler ist jedes, auch ein verlorenes oder nicht zur Ausführung
gelangtes Werk von Wichtigkeit; denn abgesehen von dem Interesse, das es für
sich schon beanspruchen kann, zu wissen, wie ein solches Werk aussah öder annähernd
ausgesehen hätte, ist es für die Kenntnis des Entwicklungsganges des Urhebers wertvoll
und ebenso — auch das nicht ausgeführte, da es doch fast immer in irgendeiner Form
Wirkungen ausübt — für die der Genesis von künstlerischen Vorstellungen und Darstel-
lungsformen in den Kreisen von Künstlern, die mit ihm in Berührung kommen konnten.
Das Interesse wird ein verdoppeltes sein, wenn das in Frage stehende Werk in die Jugend-
epoche eines solchen Künstlers fällt, wo jede Arbeit ein Weiterschreiten, vielleicht das
Einschlagen einer neuen Richtung bedeuten kann, und zudem in eine Zeit, in der ein be-
schleunigter Verlauf des Entwicklungsprozesses in einer bestimmten Richtung stattfindet,
deren Wegweiser nach seinen erhaltenen Arbeiten eben dieser Künstler zu sein scheint.

Als ein solches unter besonderen Auspizien entstandenes und ungewöhnliche Wirkung
auf die Zeitgenossen ausübendes Werk gilt Michelangelos Schlachtkarton. Freilich konnte
seine Wirkungsdauer nur eine sehr beschränkte sein, weil er nicht lange nach seiner Ent-
stehung in einzelne Teile aufgelöst durch Italien verstreut wurde. Aber wenn man Vasaris
 
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