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Österreich / Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale [Editor]
Kunstgeschichtliches Jahrbuch der K[aiserlich-]K[öniglichen] Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale — 1.1907

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https://doi.org/10.11588/diglit.18129#0024
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big. ii Juan Panloja, Donna Juanna d'Arayon und Gurrea

Spanische Bilder einer österreichischen Ahnengalerie

Von Max Dvoääk

Es gibt noch immer sonderbare, jedem Archivar und jedem Fremdenführer bekannte
Phantasten, welche der Meinung sind, alles in den geschichtlichen Wissenschaften komme
darauf an, irgendwo in einer verstaubten, mit Spinnweben umsponnenen Ecke eines ent-
legenen Schlosses, einer vergessenen unbeachteten Kirche unerhörte Funde zu machen.
Der Kunstforscher, der in Mestre oder Dolo ein unbekanntes Bild Giorgiones vermutet,
gleicht ebenso dem lustspielhaften Schatzgräber wie ein Historiker, der in einer Geheim-
lade eines Turmgelasses eine Autobiographie Wallensteins zu finden hofft.

Nicht als ob in der kunstgeschichtlichen Forschung keine neuen Entdeckungen mehr
möglich wären. Ahnlich wie in der allgemeinen Geschichte durch eine genauere Durch-
forschung des Materials auf Grund neuer Gesichtspunkte und durch eine strengere Methode
Denkmale, an welchen man früher achtlos vorbeiging, an Wert oder Denkmale, mit welchen
man sich bereits beschäftigte, eine neue Bedeutung, einen neuen Inhalt gewonnen haben,
so wurden auch in der kunstgeschichtlichen Forschung nicht nur einzelne bis dahin wenig
beachtete Kunstwerke, sondern auch ganze Denkmalgruppen, ganze Gebiete und Perioden
der alten Kunst, deren Bedeutung man auf Grund einer genaueren Kenntnis der Gesamt-
entwicklung neu zu verstehen und zu schätzen lernte, für die Kunstgeschichte entdeckt und
erobert. So hat man die ganze römische Kunst, der die ältere Archäologie wenig Beach-
tung gewidmet hat, als eine der bewunderungswürdigsten Schöpfungen des menschlichen
Geistes neu zu würdigen gelernt, so erkannte man die fundamentale kunstgeschichtliche
Bedeutung der Skulpturen der großen französischen Kathedralen, für die man bis dahin
nur ein antiquarisch-ikonographisches Interesse hatte, und so wird man wohl auch in den
 
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