Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 3.1850

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Sonntag, den 3. Februar 1850.

I». Jahrgang


Wochenkalender.

Sonntag, den 3. Februar.
Zur dreijährigen Jubelfeier des Patent«
vom 3. Fcbrn.ir soll die Verfassung beschweren
werden.
Montag, den 4. Februar.
Die Ritterschaft sseht darin einen gewalt-
samen (Üngnff in ihre Rechte und legt Pro-
test ein.
Dienstag, den 5. Februar.
Die Ritterschaft verklagt die Rcaicrung
bei der provisorischen BunkeScominissic» zu
Frankfurt.
Mittwoch, den 6. Februar.
Die provisorische BundeScommissson be-
fiehlt, vorläufig jede« weitere Verfakre» zu
sichren und cs beim Status <>»» zu belassen.


Wochenkalender.
Donnerstag, den 7. Februar.
Die Ritterschaft ruft für ihr gekränkte«
Recht de» Beistand de« Kaiser« von Ruß-
land an.
Freilag, den 8. Februar.
Der Kaiser von Rußland will nicht dul-
den, daß die Verfassung beschworen werde.
Sonnabend, den ü. Februar.
Die Regierung erklärt gehorsamst, es sei
gar nicht« an all' den Schwurgerüchten,
und sie weide dieselben nächst,»« zu beseiti-
gen wissen.

Humoristisch-satyrisches Wochenblatt.
Die von der Polizei mit Beschlag belegte Nr. tt des Hladkcrakatsch ist jetzt wieder freigegeben und in allen
Buchliandlungen » 1'/- Lgr. zu baben. Die Vcrlagöhandlung.

Schreibt» des ans dem zoologischen Garten in Berlin entflohenen
an den Redactesrr des Kladderadatsch.

Mein Herr!

Von der Preuß. Gränzc, den >IN. Januar I>50.

Berliner Blätter haben über mich und meine Flucht aus dem wirklichen Thiergarten Berlins die widersinnigsten und aben-
teuerlichsten Gerüchte verbreitet. Cs kann nicht in meiner Absicht liegen, die, meine Leistungen als Waschbär krilisircnden Momente
jener Mitiheilungen zu beleuchten. Aber um der Ehre meiner unglücklichen, noch in Hast befindlichen Genossen, so wie um meiner
eignen willen fühle ich mich schuldig, Sic um unveränderte Aufnahme nachstehender Zeilen, in Ihrem viclgelesencn Blatte zu ersuchen.
Seil dem achtzehnten März dcS JahreS 1848 begann auch für die Mehrzahl der Bewohner des zoologischen Garten eine
neue, ich darf sagen, eine bessere Zeit. Schöne, verdienstvolle und geschäftSlosc Tage brachten unserem Garten Besucher, welche zwar
oft kein Entree bezahlten, unserem Herzen aber desto näher standen. Diese achlungswürdigc Klasse der Gesellschaft, die wie wir
lange Zeit mit Wasser und Brot gefüttert, unschuldiger Weise eingespcrrt und von GcnSd'armcn, Constablcrn und andern Tierquäle-
reien am meisten belästigt worden, sie theilte mit uns ihre Errungenschaften, ihre Käscschrippcn, ihre Schlackwurst, — einem on ckit:
zufolge wurde sogar mit einigen unserer größeren Affen in Kümmel Brüderschaft getrunken.
Da kam der Winter, und mit ihm der fünfte Dezember 1848. Der Einfluß, der an diesem Tage crtheiltcn Verfassung, ist
auch unS nicht fremd geblieben. Eine schnöde, schreckliche Zeit begann. WaS mußten nicht allein wir, wir armen Bären erfahren.
Sie wissen wie sich unser Wilhelm blamirt hat! Der glänzende Erfolg unseres Meyer mit seinem Propheten kann die unserem
Namen zugefügte Schmach durch keine Dekoration vergessen machen!
WaS wir hierauf ein langes Jahr erduldet, bei dem Pelze meines VatcrS! bei dem Andenken meiner Mutter, die zehn Jahr
in Rußland Tänzerin war, eS war barbärisch!
Da kam der neunte Januar 1850 mit seiner Botschaft! Erlassen Sie mir den Jubel unserer Tigcrkatzen, Eulen, Uhu'S,
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