Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 69.1918-1919

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Ls gah und gibt Zeiten, wo man in einer Linie,
in einer Form „letzte Lösungen von Meltproblemen"
darzustellen meinte. Mo stilistische Dekadenze in
ihres Gedankens Blässe „Kunst reformieren" wollte
und will. In der Frauenarbeit der angewandten
Kunst sind solche Wege oder Irrwege nicht selten
gegangen worden.

Zunächst: daß man denken, fühlen, empfinde»
wollte, daß jeder Nadelstich Zeuge dieses Denkens,
Fuhlens, Empfindens sein sollte, ist recht und be-
rechtigt. Die schöne gedankenleere Form, die kein
Stil besser zu pflegen vermochte als der Impressio-
nismus, kann keinew Menschen auf die Dauer be-
friedigen.

Aber: daruni noch nicht den Gegensatz. Ausdrucks-
kunst ja. Symbole, Lntpfindungselemente, scharfe
lebensbewußte Formen. Aber das alles als ein
weg zur Kunst, noch nicht die Kunst letzten Endes.
Alles, was stilistisch-abstrakt als Toir Mitschwingen
soll im Kunstwerk, muß Begleiterscheinung sein,
nicht Dominante. Die Dominante bestimmt das
Lebensgefühl des Künstlers, sein Ethos.

Auf den konkreten Fall angewendet, ich glaube
bei Iaskollas Merken, der letzte Inhalt liege
eben doch in der Persönlichkeit. In einer stark
bewußten, tiefen Weltauffassung. Gleichviel, ob
sich dieser Vorgang in religiösen Motiven nieder-
schlägt, auf welche die Künstlerin gern und in
einer, vielleicht darf man sagen, slavischen Innigkeit,
sich stützt (z. B. bei den Wandbehängen) oder ob
sie gleichsam spielend eine Mclt von Farben und
Formen ausschüttet oder endlich, ob sie, wie in
ihren Spitzen, den krausen Tanz bewegter Linien
mit beruhigten Flächen kämpfen läßt.

Man wird einwenden: wie sollten sich bei so ganz
auf das Geometrische gestellten Ornamenten, wie
etwa an der Spitze, Empfindungen aussprechen
können. Mie sollte über das technische Raffine-
ment hinaus auch noch persönliches in einer der
unpersönlichsten Künste gesucht werden wollen.

Ja, darauf kommt es an. Die billige Meinung,
daß die Nadelarbeit ihr Tagewerk vollbracht hat,
wenn sie alle Spitzfindigkeiten einer Technik er-
füllte, hat uns jahrzehntelang zurückgeschlagen.
(In der Malerei und in anderen Künsten — neben-
bei bemerkt — war es für den Durchschnitt und
darüberhinaus nicht anders.) Den Glauben an
das Zittern der eigenen pand, an den pulsschlag
des perzens, den braucht der Künstler, nicht die
technische Finesse, die unter Umständen eine Ma-
schine noch besser machen kann, und den Glauben
haben wir oft genug vergessen. Gleichviel ob man
das Phantasie oder liebevolle Pingabe oder sonst-
wie nennen mag, das Eigene im Menschen ist's
im Grund. Aber nicht das vermeintliche Eigene
des Snobbismus mit .Feinen letzten Lösungen",
sondern das starke, unbeirrbare Eigene des Künst-
lers, der nicht beeinflußt durch Tagesmode seinen
Weg mit Notwendigkeit geht.

Mas bei Iaskollas Arbeiten so stark und überzeugend
anspricht, glaube ich auf diesem weg suchen zu
dürfen. Sie gibt unstreitbar nrehr wie Tages-
cffcktc, und durch ihr ganzes werk zieht eine —
selten zu findende — große Einheitlichkeit.

Else Iaskolla ist gebürtige Schlesierin. Ihr erster
Laufgang war die Malerei, von ihr kam sie zuni
Kunsthandwerk.

Runstgewerbe unö Luxussteuer

von Dr. jur. Max Stois, München

Zu den durchgreifendsten Steuern, die je dem deut-
schen Volke beschert worden sind, zählt das an:
\. August in Kraft getretene Marenumsatz-

steuergesetz, das, von einigen Ausnahmen ab-
gesehen, „alle im Inland gegen Entgelt ausgeführ-
ten Lieferungen und sonstigen Leistungen solcher
Personen, die eine selbständige gewerbliche Tätig-
keit mit Einschluß der Urerzeugung und des Pan-
dels ausüben", einer Steuer in pöhe von Fünf von:
Tausend des für die steuerpflichtige Leistung ver-
einnahmten Entgelts unterwirft, „soweit die Liefe-

rungen und Leistungen innerhalb dieser gewerb-
lichen Tätigkeit liegen". Die Steuer ist zweifellos
nicht gering, namentlich wenn man berücksichtigt,
daß sie bei allen in dem Produktionsprozeß einer
Mare aufeinanderfolgenden Umsätzen erhoben wird.
Indes die Finanzlage des Reiches machte eine
derartig umfassende Generalakzise notwendig und
der mittlerweile über Deutschland hereingebrochene
militärische und wirtschaftliche Zusammenbruch hat
diese Notwendigkeit einer kräftigen Besteuerung
noch wesentlich erhärtet.

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