Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 69.1918-1919

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Mitteilungen -es Runstgewerbevereins.

Preisausschreiben öes Münchener Sunöes

zur Erlangung von Entwürfen für Kücheneinrichtungen un- Hausrat in Metall.

Das Preisgericht konnte infolge der politischen Lage erst vier
Wochen später, als anfänglich beabsichtigt, zusammentreten.
Beteiligt haben sich an den in Krage kommenden zs Preis-
ausschreiben im ganzen ca. (55 Bewerber. Die Preisrichter
amen zur Überzeugung, daß nur in einem Kalle der I. Preis
zuzuerkennen sei. In weiteren 4 Källen wurde derselbe ge-
teilt. Außerdem wurde in einem Kalle lediglich ein I I. Preis
zuerkannt. In 9 Källen mußte von der Erteilung eines Preises
abgesehen werden. Eine Reihe von Entwürfen wurde zum
Ankauf empfohlen, selbst da, wo die Aufgabe nicht restlos ge-
löst war; dies um gute Ansätze im Verkehr mit dem Urheber
weiter entwickeln zu können.

Es erhielten einen I. Preis Prof. Arch. Emil Schweighardt,
geteilte l. Preise erhielten die perren A. K. Tutz und Seiberl,
Permann Berndl und Kritz Lader, Paris Bader (dreimal),
Max Berthold, Richard Ehrister, sämtliche in München, Kritz
Schulz und Max pofstetter in Bamberg.

I I. Preise erhielten die perren: Max Sollinger, Georg'Reiter,
Reg.-Baumeister K. peller, pans Paberstumpf, Julius Mößl,
Joseph Gang!, sämtliche in München.

Jum Ankauf empfohlen wurden Arbeiten der perren: Adolf
Elemencon, Reg.-Baumeister Alfred Müller (zweimal), Gustav
Sievers, wolfgang v. wersin, A. K. Tutz und Seiberl (zweimal)
Willy Reiber (zweimal), Kranz I. w. Keppler, Egid Bauer,
Richard Ehrister, wilh. Kuchs, P. w. Egg, L. Schneider und
G. Lohr zun., sämtliche in München und M. pofstetter und
Kr. Schulz in Bamberg.

Mit Bedauern wurde sestgestellt, daß die dem Preisausschreiben
zugrundeliegende Absicht, Gewerblern und Kunstgewerblern
Gelegenheit zu geben, durch Prämierung und Ankauf zu Ver-
dienst zu gelangen und solche mit den Abnehmern in Kühlung
zu bringen, fo gut wie nicht erfüllt worden ist.

Sun- -er -rutschen Gebrauchs-
graphiker.

Die angewandte Graphik hat sich in den letzten Jahrzehnten
zu einem selbständigen Zweige der bildenden Kunst entwickelt,
das Gemeinsamkeitsgefühl ihrer Jünger hat aber mit dieser
Entwicklung nicht Schritt gehalten. Der berufliche Zusammen-
schluß, den die Maler, Bildhauer, Architekten und Kunstgewerb-
ler längst haben, fehlt dem Graphiker noch, und keine bestehende
Körperschaft kann ihn ersetzen. Und doch wurde ein solcher Zu-
sammenschluß von Tag zu Tag dringlicher, peute, wo alle
Berufe, auch die geistigen, sich zusammenschließcn, wo ein
„Bund der freien Künste" in Bildung begriffen ist, der Schrift-
tum, Tonkunst und bildende Kunst umfassen und vielleicht
zu großem Einfluß auf die Gesetzgebung berufen ist, bliebe
gerade der Gebrauchsgraphiker, der mehr als jeder andere

Künstler im wirtschaftlichen Leben steht, unvertreten, wenn er
keine eigene Körperschaft aufzuweisen hat.

In richtigem Verständnis für diese Tatsache haben am (5. April
etwa dreißig der bekanntesten Gebrauchsgraphiker in Berlin,
von den perren pertwig und wiertz einberufen, den „Bund
der deutschen Gebrauchsgraphiker" gegründet. Außer den
Genannten wurden die perren Eay, padank, Keune,
Lindenstaedt und Zabel mit den weiteren Vorbereitungen
beauftragt, und am 3. Mai tagte eine neue größere Künstler-
versammlung, zu der über (00 Einladungen ergingen; 43 Teil-
nehmer erklärten sofort ihren Beitritt und zeichneten außer-
dem über (?oo Mark an freiwilligen Gründungsbeiträgen,
weitere Zustimmungserklärungen und Zeichnungen liefen aus
allen Teilen des Reiches ein.

In den Ehrenausschuß wurden die perren Prof. Bruno Paul
und Lucian Bernhard in Berlin, Prof. Walter Tiemann in
Leipzig sowie Pros. Ludwig pohlwein und Prof. Lhmcke in
München gewählt, die das Amt annahmen — bis auf die
Münchener perren, die infolge der politischen Verhältnisse
nicht erreichbar waren. Zum Vorsitzenden wurde perr pa-
dank, zu Beisitzern die perren Egler, Keune, Wagner
und wiertz gewählt. Dem Aufnahmeausschuß gehören außer
den letztgenannten die perren Koch-Gotha und Linden-
staedt an. In allen größeren Städten sollen Vertrauensleute
ernannt werden.

Der Jahresbeitrag für. (9(9 ist auf so Mark festgesetzt, kann aber
auf Antrag wirtschaftlich Schwächeren unter Zusicherung
vollster Verschwiegenheit bis auf 5 Mark ermäßigt und auch
in Teilen bezahlt werden. Geschäftsführer des Bundes ist
perr Regierungs-Baumeister pans Meyer, Rechtsbeistand
perr Rechtsanwalt Or. Ernst Iacobsohn.

Der Bund verfolgt das Ziel, den Stand der Gebrauchsgraphiker
zu heben und ihre besonderen wirtschaftlichen und künstlerischen
Interessen zu vertreten. Besonders stellt er sich die folgenden
Aufgaben: Kostenlose Beratungen in Rechts-, Berufs- und
Standesfragen, Rechtsschutz in Kragen von grundsätzlicher
Bedeutung, Einsetzung eines ständigen Bundesschiedsgerichts,
Schutz vor Ausbeutung und unlauterem Wettbewerb, Über-
wachung des Wettbewerbwesens, Einschreiten gegen das
Plagiatunwesen, Einflußnahme aus Rechtsprechung und Ge-
setzgebung, Veranstaltung von Ausstellungen, Zusammenar-
beiten mit anderen Künstlerverbänden in wirtschaftlichen Kragen
und Schaffung einer Gebührenordnung. Zu dieser hat der
Verein der Plakatfreunde bereits einen Entwurf geschaffen
und einem größeren Kreis von Kachleuten aller Richtungen
im Reich zur Äußerung übergeben. Seine Weiterbearbeitung,
Kestlegung und Geltendmachung wird nun in dem neuen
Bunde in die berufenen pände gelangen.

Die Geschäftsstelle des Bundes der deutschen Gebrauchs-
graphiker ist in Lharlottenburg 2, Kantstr. (59, an die alle
Zuschriften, Anmeldungen und Zahlungen zu richten sind.

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