Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

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geführten Darstellung eines alten Stücks der Scheldestadt,
mit ihren Gassen und Gässchen und ihrem Marktplatze mit
dem buntbewegten Leben. Im Vereinslokale waren ferner
eine Anzahl echter und unechter französischer Gobelins, sowie
der heutigen Stilrichtung entsprechende Möbel- und Por-
tierenstoffe zur Besichtigung ausgestellt.

Halle. Der Kunstgewerbeverein wird nach einer Mit-
teilung in der Vereinssitzung vom 18. Oktober eine Wett-
bewerbung ausschreiben, um für die in Aussicht genommenen
Publikationen von Kunstdenkmälern der Stadt Halle Ori-
ginalzeichnungen zu den Autographieen zu erhalten und so
den jüngeren, zeichnerischen Kräften zugleich Gelegenheit
zur Weiterbildung zu geben. In derselben Sitzung hielt
Herr Zeichenlehrer Dewerzenj' einen Vortrag über die gra-
phischen Hoch- und Tiefdruckverfahren. Zahlreiche aus-
gestellte Bildproben dienten zur Erläuterung des Themas.

Hamburg. Kunstgewerbeverein. Der Verein hielt
zum erstenmal unter dem Vorsitz des neugewählten Vor-
sitzenden, Herrn Baurat Semper, seine 74. ordentliche Ver-
sammlung ab und ernannte den langjährigen, bisherigen
Vorsitzenden, Herrn Bauinspektor Necker, in Anerkennung
seiner Verdienste um den Verein zu seinem Ehrenmitgliede.
Im Laufe des Sommers gelangten im ganzen fünf Preis-
ausschreiben an die Mitglieder durch Vermittelung des Vor-
standes, von denen namentlich die Preisausschreiben über
eme Tischkarte für den Journalisten- und Schriftstellertag
(L Preis Herr de Bruycker-Harnburg) und über eine Urkunde
für Ehrenmitglieder des Vereins für Feuerbestattung (I. Preis
Here J. Voss-Berlin, II. Preis Herr de Bruycker-Harnburg)
vorzüglichen Erfolg aufwiesen. — In derselben Sitzung sprach
Herr Direktor Dr. Brinckmann über „Die Zukunft unserer
Kunstgewerbemuseen". Nachdem der Redner einen Blick
auf die Vergangenheit der Museen im allgemeinen, die Ent-
stehung der Kunstsammlungen im modernen Sinne zur Zeit
der Renaissance geworfen, zeigte derselbe, wie seit der Lon-
doner Weltausstellung vom Jahre 1851 eine neue kunst-
gewerbliche Bewegung entstanden ist und als Folge der-
selben gewissermaßen die jetzt überall gebräuchliche An-
oidnung der Sammlungen unserer Kunstgewerbemuseen nach
technologischen Gesichtspunkten zu betrachten sei, weil man
das Bedürfnis hatte, die verlorenen alten technischen Ver-
fahren wiederzugewinnen und „unserer Väter Werke" ge-
radezu als nachahmenswerte Vorbilder zu benutzen. Der
Redner ist der Ansicht, dass jetzt, da man nahezu im Voll-
besitz aller kunstgewerblichen Techniken der früheren Zeit
sich befinde, es richtiger sei, die Ausstellungsgegenstände
JJ> dem sachlichen und geschichtlichen Zusammenhange zu
. assen, aus dem sie herausgerissen wurden, wie ja auch
em Rahmen nur mit dem Bilde, für das er geschaffen, die
beabsichtigte Wirkung erzielen könne. Er stellt den Grund-
satz auf: Ort und Zeit der Entstehung müssen für die Grup-
pirung maßgebend sein, nicht die Technik oder das Mate-
rial, zu dem die Künstler im einzelnen Falle gegriffen haben,
us den Kunstgewerbemuseen müssen kulturgeschichtliche

useen werden. Eine solche Anordnung der Ausstellung

M

würde viel einheitlicher wirken, als die jetzt in den meisten
Museen durchgeführte, wobei Gläser, Metallarbeiten, Majo-

en u. s. w. aller Zeiten und Länder in gesonderten Grup-
Pen zusammengestellt sind. Natürlich sind vollständige
-immergetäfel und -Einrichtungen die besten Grundlagen
t'.T historiscben Anordnung. Es wird die Erlernung des
ec mischen bei diesem vom Redner vorgeschlagenen System
e enso gut möglich sein, wie früher, es wird im Gegenteil
Gerät oder ein Ziergegenstand in Aufbau und Dekora-

n erst recut verstanden werden können inmitten der der-

selben Zeit entstammenden Einrichtungsgegenstände. Man
wird so erst verstehen lernen, dass mit dem äußerlichen
Kopiren alter Formen für unsere Zeit nichts erreicht wird,
dass der aus der Zeit heraus bestimmende Zweck des Gegen-
standes beachtet werden muss. Die neue Art der Anord-
nung wird dann allerdings höhere Ansprüche an die Kennt-
nisse und den Geschmack des Ordners stellen, dafür aber
auch den Benutzer zu selbständigem Denken und Schaffen
zwingen und so erst den beabsichtigten Zweck der Samm-
lung erfüllen. Der Redner will mit seinen Ausführungen
kein festes, für alle Zeiten bindendes Programm geben,
zumal lokale Rücksichten da und dort die strenge Durch-
führung eines solchen Programms so wie so beeinflussen
oder einschränken werden. Er spricht zum Schlüsse seines
Vortrags die Hoffnung aus, dass es ihm vergönnt sein möge,
in einem neuen Gebäude, einem richtigen „Zweckbau", die
Sammlungen des Hambm'ger Museums im neuen Geiste auf-
stellen zu können, zumal der Platzmangel immer dringen-
der fühlbar und das Bedürfnis nach einem Neubau sich
geltend mache.

Dresden. Die Kunstgciccrbcschidc, welche unter der
bewährten Leitung des Herrn Hofrat Professor Graft' steht,
war im verflossenen Jahre von 571 Schülern besucht gegen
400 im Schuljahre 1891/92, so dass wegen Raummangels die
Ermietung von außerhalb der Schule gelegenen Räumlich-
keiten erforderlich wurde. Namentlich der Abendunterricht
hat eine starke Steigerung des Besuchs erfahren. Es be-
suchten denselben 317 Schüler. Durch Zuwendung von zum
Teil bedeutenden Mitteln für Stipendien bekundete sich das
lebhafte Interesse, das weitere Kreise an der segensreichen
Fortentwickelung der Anstalt nehmen.

Berlin. Die l'ntcrriclitsanstalt des Kunstgewerbe-
museums und der Königlichen Kunstschule veranstalten auch
dieses Jahr wie üblich eine Ausstellung der Schülerarbeiten
beider Anstalten im Lichthofe des Kunstgewerbemuseums.
Während bisher die Arbeiten jeder Klasse der Kunstschule
gesondert ausgestellt waren, war dieses Jabr aus diesen
Arbeiten der Übersichtlichkeit wegen ein vollständiger Lehr-
gang zusammengestellt. Unter den ausgestellten Arbeiten
der Fachklassen sind insbesondere die aus den Fachklassen
für Modelliren und Ciseliren hervorgegangenen Bronzegeräte:
Uhren, Wandleuchter, Schreibzeuge und Möbelbeschläge
hervorzuheben, bei welchen Arbeiten eine gleich sorgfäl-
tige Durchbildung nach formeller wie technischer Seite an-
gestrebt war. Hierher gehörte namentlich eine im Auftrage
des Kultusministeriums angefertigte, aus zwölf Geräten be-
stehende Schreibtischgarnitur, bei der Bronze und Alabaster
im Stil Ludwig's XVI. verbunden waren. Für die Praxis
freilich wird der durch die Unterrichtsanstalt des Kunst-
gewerbemuseums angetretene Beweis, dass man in Deutsch-
land ebensogut wie in Frankreich in der Bronzetechnik
Vorzügliches leisten kann, erst dann von Wert sein, wenn
auch die Bestellungen sich einfinden und die Besteller ener-
gisch darauf hingewiesen werden, statt ihre Mittel dem oft
über die Grenzen bewunderten Auslande zu gute kommen
zu lassen, unser heimisches Kunstgewerbe durch geeignete
Aufträge konkurrenzfähig zu machen. Außer der Fachklasse
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