Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

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Detail vom Getäfel des Bundesratssitzungssaales.

trische Kraftübertragung mehr Vorteile biete und billiger
zu arbeiten ermögliche, so verfehlte er nicht, zu betonen,
dass die von ihm gebrachten Daten und Ziffern deshalb so
günstig seien, weil er sie auf die Berliner Verhältnisse be-
zogen habe, wo die Berliner Elektrizitätswerke zum Motoren-
betrieb elektrischen Strom zum Preise von nur IG Pf. für
1000 Wattstunden lieferten. Auch würden die Motoren selbst
gegen billiges Entgelt verliehen, und wenn auch die An-

schaffungspreise für Einzelbetrieb noch verhältnismäßig hoch
seien, so seien dieselben durch die Ersparnisse beim Betrieb
doch bald amortisirt. Redner erläuterte dann die verschie-
denen Verwendungen elektrischer Motore und verwies ins-
besondere auf die Vorteile, welche transportable Motoren
bieten, demonstrirte an den verschiedensten Modellen die
Verwendung der elektrischen Kraft bei Handbohrern, Venti-
latoren, Nähmaschinen u. s. w., zeigte, wie man die rasend
schnell laufenden Elektromotoren zu noch schnelleren aber
auch zu ganz langsamen Rotationen zwingen kann, bewies
experimentell, wie man die Elektrizität zum Kochen und
zum Erhitzen von häuslichen Geräten verwendet und zeigte
endlich die Anwendung der Elektrizität im ärztlichen Dienst,
wofür die Firma Reiniger, Gebbert & Schall einige Apparate
ausgestellt hatte. Die sich an den Vortrag anschließende
Diskussion und die vielfachen Zwischenfragen bewiesen, dass
dem inhaltsreichen Vortrag allseitiges Interesse entgegen-
gebracht wurde. Für denselben hatte der Redner eine be-
sondere Leitung von den Straßenkaboln bis in den Saal legen
lassen, um die starken Kräfte, die er zu seinen vielfachen
Experimenten brauchte, zur Verfügung zu haben; er hatte
auch eine vollständige Sammlung aller Bestandteile aus-
gelegt, die zu einer elektrischen Anlage nötig sind.

Berlin. Im Kunstgewerbemuseum begann am 15. Fe-
bruar eine Sonderausstellung von größerem Umfange. Sie
bringt kirchliche Wand- und Glasmalereien des Mittelalters
in Zeichnungen und farbigen Aufnahmen. Von diesem Mate-
rial, welches gerade jetzt bei der Erbauung zahlreicher
Kirchen in mittelalterlichen Kunstformen ein besonderes In-
teresse bietet, befindet sich in Berlin im Besitze der Ministe-
rien und Museen — Kunstgewerbemuseum und Kupferstich-
kabinett — ein großer seit länger als 50 Jahren angesam-
melter Vorrat, der aber schwer entfaltbar ist, da die Male-
reien monumentalen Maßstabes zum Teil in Pausen, also in
Originalgröße, angefertigt sind. Am stärksten sind hierbei
die rheinischen Kirchen vertreten, Brauweiler, Schwarzrhein-
.lorf. Köln (Dom, Gereon, Severin), Limburg, Gielsdorf, ferner
aus Westfalen die Kirche in Methler, aus Sachsen Halber-
stadt und Magdeburg. Von der Königlichen Kunstakademie
sind die unter Leitung von Prof. Kuhn hergestellten Auf-
nahmen aus dem Huldigungszimmer im Rathaus zu Goslar
hergeliehen. Die Herren Schaefer und Rossteuscher haben
50 Originalzeichnungen nach mittelalterlichen Glasfenstern
beigesteuert, — die Maler Stummel und Renard in Kevelaer
zahlreiche Aufnahmen aus Essen und Verschiedenes aus Nord-
italieu, Herr Maler Vorlaender in Holzminden Aufnahmen
aus westfälischen Kirchen und Braunschweig, welche schon
im Architekten vereine vorgeführt waren. Von Herrn Maler
Schnelle aus Osnabrück rühren Aufnahmen aus westfälischen
und böhmischen Kirchen her, von Herrn Maler Andreae aus
Ijinnig Skizzen aus mecklenburgischen Kirchen. Wertvolle
Einzelblatter werden den Herren Döpler d. j., Andrce, Timler,
Härtung verdankt. Von der Anstalt für Messbildaufnahmen
unter Leitung des Geheimrats Dr. Meydenbauer werden Auf-
nahmen mittelalterlicher Kirchen, in denen der Schmuck
der Malerei noch erhalten ist, hinzugefügt werden.
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