Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

fung einer hierzu geeigneten Wander-Mustersammlung be-
willigt worden. Der Vermögensbestand des Vereins beträgt
am Schlüsse des Jahres 1894 3423.65 M., während er am
Schlüsse des Vorjahres sich auf 1903.38 M. belief. Zwar
sind von den 3423.65 M. noch 1046.53 M. an bewilligten,
aber noch nicht zur Ausführung gelangten Ausgaben abzu-
rechnen, trotzdem aber ergiebt sich ein Vermögenszuwachs
von fast 500 M.

-u- Linz. Dem Bericht des Oberösterreichiscken Gc-
ivcrbcvercins für das 52. Vereinsjahr entnehmen wir folgendes:
Die Gründung eines mustergiltigen, allen Anforderungen ent-
sprechenden Gewerbemuseums, bezw. einer gewerblichen
Mustersammlung wurde auch im abgelaufenen Jahre einer
wiederholten eingehenden Besprechung unterzogen. Der
Bestand eines derartigen Instituts in Linz für das Kronland
ist von besonderer Wichtigkeit und wird zur dringenden
Notwendigkeit, damit den Gewerbetreibenden durch Vorfüh-
rung mustergiltiger Objekte, Zeichnungen und Modelle, so-
wie durch temporäre Ausstellungen Gelegenheit zur Be-
lehrung und Anregung zu verschaffen. Die Lösung dieser Auf-
gabe ist dem Verein infolge finanzieller Schwierigkeiten aus
eigenen Mitteln nicht durchführbar, weshalb er beschloss,
an in- und ausländische Finnen die Bitte zu richten, das
Unternehmen durch Spenden oder durch vorübergehende
Ausstellung ihrer Erzeugnisse zu unterstützen. Diese Be-
mühungen haben im allgemeinen einen günstigen Erfolg ge-
habt. Da in den Wintermonaten bei zahlreichen Gewerbe-
treibenden häufig partielle oder gänzliche Geschäftsstockungen
eintreten, während im Frühjahr ganz unerwartet kaum zu be-
wältigende Anforderungen an dieselben herantreten, so erging,
an berufene Faktoren, Gemeinden, Bau-Unternehmer und
sonstige Korporationen ein Rundschreiben unter Darstellung
der für den betreffenden Gewerbetreibenden eintretenden Ver-
legenheiten. Das Schreiben wies daraufhin, dass es wünschens-
wert sei, die Gewerbetreibenden rechtzeitig von bevorstehen-
den Aufträgen in Kenntnis zu setzen. Diese Vorschläge fanden
eine günstige Beurteilung und Aufnahme. Eine besondere
Fürsorge wurde den vom Verein seit Jahren unterhaltenen
weiblichen Lehranstalten gewidmet. Mehrere hunderte von
Schülerinnen genossen bereits in den Vereinslehranstalten
unentgeltlichen, gründlichen Unterricht, teils im Maschinen-
sticken, teils im Kleidernähen, ebenso wurden in der
Schneidereischule im letzten Kursus günstige Resultate er-
zielt. Auf diese Weise wurden viele Schülerinnen seitens
des Vereins schon in gesicherten Stellungen plazirt. In der
Zeit vom 1. bis 8. September wird der Verein in den Vereins-
räumen eine Lehrlingsausstellung veranstalten. Um auch
zur Unterhaltung und Belehrung der Vereinsmitglieder bei-
zutragen, wurden im abgelaufenen Jahre mehrere Exkursionen
in hervorragende gewerbliche und technische Etablissements
unternommen. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 149,
darunter 4 Ehren- und 4 korrespondirende Mitglieder; der
Bestand hat sich gegen das Vorjahr um 4 Mitglieder ver-
ringert. Auch im verflossenen Jahre wurde es der Direktion
infolge der dem Vereine gewährten bedeutenden Subven-
tionen erleichtert, ungeachtet des Entganges der für die
Staatshandwerkerschule zu leistenden bedeutenden Beitrags-
quote, ihre Thätigkeit in ersprießlicher Weise fortzusetzen.
Die Einnahmen des Vereins betrugen für das Vereinsjahr
(1. April 1894 — 31. März 1895) 4795,97 M., die Ausgaben
3401,09 M., die Einnahmen der Fachschule für Maschinen-
stickerei, Schnittzeichenunterricht und Kleidermachen für
Mädchen betrugen 566,20 M., die Ausgaben 443,27 M.

-u- Jtegensbwrg. Der Qewerbeverein vu Regensburg
zählte nach seinem Jahresbericht für 1S94 am Schluss dieses

Jahres 355 Mitglieder. Mit dem Jahre 1895 erschloss sich
dem Verein sein 49. Vereinsjahr. Zu besonderem Danke ist
er dem Stadtmagistrat von Regensburg verpflichtet, dessen
Entgegenkommen er die Gründung der Schule verdankt,
der überhaupt allen Bestrebungen des Vereins seine volle
Teilnahme entgegenbringt und ihn besonders bei der Ver-
anstaltung der diesjährigen Lehrlingsarbeiten - Ausstellung
durch einen Zuschuss von 300 M. zu den Kosten der Prämürung
unterstützte. Zu Neuanschaffungen für die technische Ab-
teilung der Bibliothek und.Vorbildersammlung hat der Fürst
Albert von Thurn und Taxis auch in diesem Jahre einen
Zuschuss von 200 M. gewährt. Zur Prämürung von zeich-
nerischen Leistungen hat die oberpfälzische Handels- und
Gewerbekammer wiederum einen Zuschuss von 100 M. zur
Verfügung gestellt. Durch diese vielseitigen Unterstützungen
wurde der Verein in den Stand gesetzt, seine Thätigkeit
noch reicher als in den Vorjahren zu entfalten. Vorträge
wurden im Jahre 1894 sechs abgehalten. Die Ausstellung
von Lehrlingsarbeiten fand vom 3. bis 6. Mai statt, an ihr
nahmen 38 Aussteller teil, die 15 verschiedenen Gewerben
angehörten. Die Lösung der wichtigsten Aufgabe für den
Verein bleibt die Beteiligung desselben an der bayerischen
Landes-Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Nürnberg 1896.
In anerkennungswerter Einmütigkeit und unter Aufbringung
nicht geringer materieller Opfer sind die Gewerbetreibenden
von Regensburg entschlossen, für die Ehre und den Ruhm
ihres Gewerbestandes einzutreten und haben sich in großer
Anzahl zur Teilnahme an der Ausstellung angemeldet.

-u- Wien. Dem Jahresbericht des Kunstgewerbevereins
für 1894 entnehmen wir, dass der Präsident desselben, Kaiserl.
Rat Alois Hanusch dem Verein aus Anlass seines 70. Ge-
burtstages eine Schenkung auf den Todesfall im Betrage von
100 000 Kronen gemacht hat, wodurch die Zukunft des Ver-
eins gesichert und die Schaffung eines Vereinshauses in die
Nähe gerückt ist. An der Weltausstellung in Antwerpen
im Jahre 1894 war der Verein durch eine Reihe von Mit-
gliedern beteiligt. Ohne die Mitwirkung des Kunstgewerbe-
vereins, des österreichischen Museums und des Central-Spitzen-
kurses, wäre keine Östei'reichs würdige Ausstellung zu stände
gekommen. Eine unverhältnismäßig große Zahl von Diplomen
und Medaillen wurden den Österreichern verliehen. Über
den geschäftlichen Erfolg der Ausstellung wird allerdings,
und mit Recht geklagt, da Ausstellungen nur der Anbahnung
dauernder Verbindungen dienen können und die Gelegenheit
bieten sollen, im Ausstellungslande für die Zukunft festen
Fuß zu fassen. Die praktisch-wirtschaftliche Seite des Aus-
stellungswesens sei noch wenig ausgebildet. Die Kommis-
sionen und vor allem die Lokalkommissärc müssten im Ver-
ein mit den Ausstellern und den Konsulaten in dieser Rich-
tung arbeiten; so aber bleibe stets alles beim Alten, und
gerade in Wien herrsche im Kunstgewerbe wenig kauf-
männischer Sinn, wenig Unternehmungsgeist, und man müsse
fürchten, dass das dortige Kunstgewerbe an Hypertrophie zu
Grunde gehe, wenn nicht bald eine Änderung eintrete. Die
Weihnachts-Ausstellung wurde im Berichtsjahre nur auf die
dem Verein ständig zugewiesenen Räume des österr. Museums
beschränkt, und es nahmen an derselben nur Vereinsmit-
glieder teil. Sie wurde bereits am 21. Oktober eröffnet. Der
österr.-ungar. Exportverein beabsichtigt, im Jahre 1896 in
Earl's Court, London, eine Ausstellung zu veranstalten, der
Ausschuss glaubte aber, den Mitgliedern die Beteiligung daran
nicht empfehlen zu können. Bei einer Besprechung der An-
gelegenheit in der Vereinssitzung am 8. Januar 1895 wurde
dem Ausschuss zu seiner ablohnenden Haltung einhellig die
Zustimmung ausgesprochen. Mit der Frage, auf welche
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