Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

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Zimmermann, Drechsler, Gürtler, Vergolder, 2 unbestimmten
Berufes. — Das Lehrpersonal besteht aus dem Direktor,
9 Professoren 3 Assistenten und 3 Hilfslehrern. — Aufnahme-
gesuche von Gästen konnten nicht berücksichtigt werden, da
die beschränkten Schulräume, wenigstens im Wintersemester,
solches nicht zulassen. — Der Lehrplan hat im abgelaufenen
Schuljahre keine Änderung erfahren, dagegen werden im
kommenden Jahre die Vorbereitungen für Einführung einer
keramischen Abteilung eingeleitet werden. Die so wünschens-
werte Errichtung weiterer Fachklassen, deren Mangel sich
immer mehr als eine Lücke des Lehrplanes fühlbar macht,
kann erst nach Erweiterung des Schulgebäudes durchgeführt
werden. Es ist zu erhoffen, dass auch diesem dringenden
Bedürfnis abgeholfen und durch eine Vorlage an die hohen
Ständekammern die hiefür nötigen Mittel angefordert wer-
den, zumal schon in der letzten Budgetperiode das Bedürfnis
dieser Erweiterung allseitig anerkannt wurde. Für das
nächste Jahr ist eine größere Ausstellung von Schülerarbeiten
beabsichtigt. — Die von Industriellen an die Anstalt ge-
richteten Gesuche um Vermittelung ausgebildeter Schüler
zum Eintritt in die betreffenden Geschäfte, konnten nur teil-
weise berücksichtigt werden, da das Bedürfnis weit größer
war, als die verfügbaren Kräfte. Insbesondere war die Nach-
frage aus Norddeutschland eine sehr starke. — Bei der vom
Großh. Gewerbeschulrat im November 1894 abgehaltenen
Zeichenlehrerprüfung wurden sämtliche 5 Kandidaten als be-
standen erklärt. — Die Beteiligung an den Monatspreisauf-
gaben der Kunstgewerbeschule war eine sehr lebhafte, wie
auch die Ergebnisse sehr erfreuliche, sodass für gut gelöste
Arbeiten im ganzen 40 Preise in Form von geeigneten
Werken und 14 Diplome verliehen werden konnten. — Die
Publikationen der Lehrer haben im abgelaufenen Schuljahre
wieder neuen Zuwachs erhalten. Das neue Schuljahr beginnt
Dienstag den 1. Oktober d. J., Schüleraufnalimc vormittags
8 Uhr. Das mit der Anstalt verbundene Kunstgewerbemuseum
hat im abgelaufenen Jahre sowohl durch Neuerwerbungen,
als auch durch Stiftungen einen namhaften Zuwachs erfahren
hauptsächlich in dem Gebiete der Keramik. Letztere Gruppe
ist bereits so umfangreich und vielseitig, dass sie an Bedeutung
dem Bestände manch' großer Sammlung gleichkommt. So
wurde auch in der Anlage einer tiruppe feiner Porzellane
ein erfreulicher Anfang gemacht. Die für die Sammlung
verfügbaren Räume des Lichthofes und der Galerien sind
bereits überfüllt, sodass auch hier die Platzfrage binnen
kurzem ebenso dringend werden dürfte, wie jene der Unter-
richtsräume. Die so umfangreiche Textilsammlung ist über-
dies noch zum größten Teile in Truhen aufbewahrt, was
umsomehr zu beklagen ist, als gerade diese Gruppe, gleich
der oben genannten, einen der wertvollsten Bestände des
Gesamtbesitzes bildet. Auch für richtige Aufstellung der
Gipssammlung mangeln noch die Räume und ebenso für die
Unterbringung des zahlreich angewachsenen Bibliothek-
materials. Der Zuwachs der Sammlung im verflossenen Jahre
beträgt 520 Nummern und zwar in Silber 12, Schmuck 12,
Email 5, Bronze 7, Messing 5, Kupfer 3, Zinn 5, Eisen 5,
Waffen 1, Porzellan 97, Fayencen, Majoliken etc. 30S, Elfen-
bein 2, Miniatur 1, Leder 2, Textile S, Glas und Krystall 18,
Möbel 3, Schnitzereien 25, Kostüme 7. — Die vom Bad. Kunst-
yewerbeverein veranstaltete Silberlotterie — deren finanzielles
Ergebnis die erste Grundlage zur Beschaffung eines Fonds
bilden soll, aus dessen Zinsen begabten jüngeren Kunsthand-
Werkern Aufträge erteilt werden, die im allgemeinen dem
Kunstgewerbemuseum einverleibt werden — erzielte einen
Reingewinn von 12000 Mark. Aus dem zum gleichen Zwecke
vom Großh. Ministerium des Innern gewährten Staatsbeitrage

wurden für die Sammlung des Kunstgewerbemuseums 29
wertvolle Gegenstände erworben. — Der Jahresbericht
enthält für alle diese dem Kunstgewerbemuseum und der
Schule gewordenen Geschenke und Stiftungen • die Dank-
sagung. — In den Räumen des Kunstgewerbemuseums
waren im verflossenen Schuljahre folgende Sonderausstellungen
veranstaltet: 1) Ausstellung von Innendekorationen etc. von
65 Ausstellern mit ca. 1100 Nummern; 2) Der Kunst-
schrein, zum Regierungsjubiläum S. K. H. des Großhcrxogs
von Bad. Städten und Gemeinden gewidmet; 3) die Ehren
preise S. K. IL des Großhcrxogs für die Rennen in Iffezheim
und Mannheim; 4) Schmucksachen von Ciseleur K. Roth-
müller, München; 5) Kirchliche Goldschmiedestücke von
Brems-Varain in Trier. Der Besuch dieser Ausstellungen
war sowohl von Karlsruhe, als auch von auswärtigen Fach-
kreisen ein sehr lebhafter, wie auch die Vorbildersammlung
für die Bedürfnisse der Praxis, namentlich aber für Schul-
zwecke, vielseitige Verwendung fanden. — Die in dem
Zciclienbureau der Kunstgewerbeschule erledigten Aufträge
erstreckten sich auf folgende kunstgewerblichen Gebiete:
Entwürfe zu: Innendekorationen, Einzelmöbel, Ausstellungs-
dekorationen, Majolikaöfen, Thonmodelle, Marmorarbeiten,
Grabdenkmale, Schmiedeeisen, Bronze, Gravir- und Präge-
arbeiten, Bucheinbände, Lithographie, Lichtdruck, Zinko-
graphie, Plakate, Diplome, Glasmalereien, dekorativeMalereien,
Stickereien etc. Besonders hervorzuheben sind: Entwürfe für
die Neuausstattung des Großh. Schlosses in Baden; Pläne
für Innendekoration des Sitzungszimmers im Rathaus zu
Baden; die vom Direktor und den Lehrern der Anstalt, ins-
besondere aber vom Zeichenbureau gefertigten Entwürfe
und Pläne für Anordnungen bei der Straßburger Ausstellung.
Auflerdem wurden zahlreiche von Industriellen eingesandte
Entwürfe und Arbeiten begutachtet und korrigirt, wie auch
für die Schnitzereischule Furtwangen Farbenmuster für Kerb-
schnittarbeiten hergestellt.

\-*r* B LECH E RS C H AU-

Das erste Jahr des Zeichenunterrichts an den
Mittelschulen. Einführung' in die Geschichte
der Künste von K. Reichhold, Reallehrer in München.
Berlin, G. Siemens L894

Wenn wir schon den Satz des Verfassers, dass der
Zeichenunterricht in erster Linie der Bildung des Geschmacks
und der Erkenntnis vom Wert der Kunst diene, weder in
dieser Allgemeinheit noch auch etwa für das Gebiet der
Mittelschule als unanfechtbar bezeichnen können — denn
gerade die Mittelschule soll uns tüchtige Handwerker, Tech-
niker etc. erziehen —, so stimmen wir noch weniger mit ihm
in dem Weg überein, den er zur Erreichung dieses Ziels
eingeschlagen wissen will. Man denke sich vor die Aufgabe
gestellt, Schüler, die noch nicht das ABC des Zeichnens er-
lernten, in die Geschichte der Künste einzuführen, indem
man ihnen, wie der Verfasser allen Ernstes verlangt, die
Formen von Thon- und Metallgefäßen etc. nach ihrer An-
passung an Zweck und Material, sowie nach ihrer Her-
stellungsweise entwickelt und sie dann nach den Abbildungen
solcher Formen, so gut es eben gehen will, zeichnen lässt —
wer möchte das Wagnis unternehmen! Mit demselben Recht
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