Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

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NEUE ARBEITEN VON GEORG SCHREYÖGG
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Georg Schreyögg, Karlsruhe Krieg, am Barbarabrunnen in Koblenz

□ Er hat in diesem Stil auch eine Reihe selbständiger
Figuren — Gartenplastik aus Muschelkalkstein und
dergl. — geschaffen. Ferner Reliefs, die bald mehr
als freie künstlerische Kompositionen, bald mehr als
dekorative Arbeiten — wie z. B. die Fischköpfe für
den Brunnenschmuck — gedacht sind. Auch die Klein-
kunst der Plaketten und Statuetten hat er mit Vorliebe
bearbeitet. Ein besonderer Reiz dieser Kleinplastik
liegt in der Behandlungsweise des Materials, wie es
die verschiedene Natur der Stoffe: Metall, Keramik,
Holz usw. verlangt. Er zeigt in diesen Schöpfungen
der freien Phantasie die ganze Vielseitigkeit seines
produktiven Talents. °
□ Ein Gebiet, auf dem er mit sein Bestes leistet,
ist die Bildnisplastik. Seine Büsten zeichnen sich
durch eine schöne Geschlossenheit der Linie, eine
stilvolle Einfachheit der Behandlung und — was das
eigentlich Porträtmäßige betrifft — eine ungesuchte
Sachlichkeit der Auffassung aus. Die Anmut des
Frauenkopfes scheint ihm ebenso zu liegen wie die
herbere Charakteristik des Männerkopfes und die
strenge Anmut des jugendlichen Akts. Eine david-
artige Jünglingsstatue erinnert in der Auffassung und
Haltung an derartige Arbeiten der Frührenaissance.
□ Auf der Höhe seiner Entwicklung — etwa als
Vierzigjähriger — hat Georg Schreyögg 1909 einen
Ruf an die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe erhalten.

Damit hat sich sein Wirkungskreis um eine große
Aufgabe erweitert. Ist doch die künstlerische Aus-
bildung des Handwerkers eine der wichtigsten Kultur-
aufgaben unserer Zeit. Schreyöggs ganzer Entwicklungs-
gang, namentlich seine Vertrautheit mit jeder Art von
bildhauerischer Technik hat ihn dazu ganz beson-
ders befähigt. In richtiger Erkenntnis des Ziels, das
ihm dabei gesteckt ist, stellt er seinen Unterricht
durchaus auf das Kunsthandwerk ein: daß die Schüler
mit dem Material umgehen lernen, daß sie auf Grund
eines tüchtigen Naturstudiums das Verständnis für die
dekorativen Aufgaben der Plastik in den verschiedensten
Zweigen des Kunsthandwerks bekommen, das sind
die Richtlinien, nach denen er sie für die praktischen
Bedürfnisse ihres künftigen Berufs erzieht. Es sind
schließlich die Grundsätze jedes vernünftigen kunst-
handwerklichen Unterrichts. Je nach Reife und Be-
gabung läßt er sie vom rein Kunsthandwerklichen
auch wohl an kleine selbständige Aufgaben der an-
gewandten Plastik — die Komposition von Brunnen,
Grabsteinen und dergl. — herantreten. So bewährt
er den guten Grundsatz, daß es zwischen Handwerk
und Kunst keine feste Grenze gibt, auch in seiner
Lehrtätigkeit. Die Schülerausstellungen der Karlsruher
Kunstgewerbeschule haben von den Zielen und
Resultaten seines Unterrichts ein interessantes Bild
gegeben. □
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