Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

Seite: 186
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PETER BEHRENS VERWALTUNGSGEBÄUDE DER MANNESMANN-
RÖHREN-WERKE IN DÜSSELDORF AM RHEIN
VON DR. FRITZ HOEBER IN STRASSBURO I. ELS.

I.
IE großindustrielle Repräsentation schafft neuer-
dings Verwaltungsgebäude, die zugleich Aus-
druck sein sollen für die moderne produktive
Konzentration undfürdenHochstand unseres inDeutsch-
land wiedererwachten architektonischen Vermögens.
Es fragt sich, welcher individuellen Formensprache
sich solche Repräsentationsgebäude unserer heutigen
wirtschaftlichen Großunternehmungen anschließen
sollen, ob konservativ der hergebrachten Architektur
des klassischen Renaissancepalazzo, oder ob vielmehr
einer Gestaltungsweise, welche aus den geistigen Daten
des modernen Inhalts den adäquaten neuzeitlichen
Typus logisch herzuleiten sucht. —- Beide Form-
anschauungen haben in großzügigen Werken der
modernen Baukunst Wirklichkeit gewonnen, in Alfred
Messels Berliner Verwaltungsgebäude der Allgemeinen
Elektrizitätsgesellschaft von 1905 und in Peter Behrens’

Verwaltungsgebäude der Mannesmannröhren - Werke,
das im Jahre 1911 bis 1912 am Bergerufer in Düssel-
dorf am Rhein errichtet wurde. — Es ist höchst lehr-
reich, diese beiden Bauten miteinander zu vergleichen,
sowohl im Hinblick auf die unterschiedliche Indivi-
dualität ihrer Schöpfer als auch in dem auf eine all-
gemeine Entwicklung der eigentümlich modernen
Formidee. Messel legt noch dem Haus, in dessen
Innerem sich der vielfach differenzierte Organisations-
apparat einer spezifisch neuzeitlichen Riesenproduktion
befindet, die in sich harmonisch beschlossene Fassade
des altflorentiner Rustikastils vor. Freilich modifiziert
seine feine eklektische Kunst alle überlieferte Form
mit persönlichstem Proportionsgefühl und verleiht so
doch wieder der Tradition den lebendigen Schimmer
der Moderne. □
n Der Gedankengang, den Peter Behrens’ Mannes-
mannbau hingegen verfolgt, ist ein ganz anderer,
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