Kunstnachrichten — 2.1912-1913

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Schult ausgestellt, der in breiter solider Technik
schöne Akte und Köpfe malt. Ferner waren
Bilder von Staudacher und Ludwig Ziegler, zwei
Badenser Künstlern, beachtenswert.

München. Mit einer Reihe künstlerisch wert-
voller Ausstellungen begann der Kunstverein die
Wintersaison. Otto Leiber, der seinen Wohnsitz
von Karlsruhe nach München verlegt hat, stellte
sich mit einer Kollektion von Landschaften —
darunter einer großen Serie von Motiven aus
Spitzbergen — und feingesehenen Porträts vor.
Schramm-Zittau zeigte eine Auswahl seiner treff-
lichen Städtebilder, Eduard Beyrer brachte eine
Reihe neuester Porträtbüsten. Eine äußerst frische
und künstlerisch hochstehende Kollektion führte
der Aussteller-Verband Münchner Künstler
vor, dessen rastloses Vorwästsstreben bei Publikum
und Presse rückhaltlose Anerkennung fand. Ferner
waren mit ausgezeichneten Sammlungen vertreten
Hans Best und Albert Reich, kleinere Kollektionen
sandten Alfred Bachmann, F. Eisengräber, H.
Frauendorfer-Mühlthaler, G. Jauss, Amalie Rau,
und der in seinen Ausdrucksmitteln immer feiner
und abgeklärter werdende Carl Leopold Voss.
Die Nachlaß-Ausstellung des kürzlich verstorbenen
Jagdmalers Otto Grashey fand besonders bei
Freunden des edlen Waidwerks freudiges Interesse.
In den Räumen des alten Maxgymnasiums zeigte
der Kunstverein München dann dem Publikum
die künstlerische Ausbeute verschiedener Reisen,
die der Münchner Maler Emst Vollbehr nach
den deutschen Kolonien in Afrika unternommen
hat. Etwa 350 Bilder und Studien führen die
landschaftlichen Schönheiten und das eigenartige
Volksleben in unseren überseeischen Besitzungen
vor Augen, eine große Anzahl interessanter und
wertvoller etnographischer Gegenstände gibt Auf-
schluß über die meist wesentlich unterschätzte
kulturelle Stufe, auf der die Eingeborenen stehen.

Stuttgart. Mit größeren Kollektionen sind die
beiden Dresdener Graphiker Jahn und Pietsch-
mann auf der Ausstellung des Württembergischen
Kunstvereins vertreten. Beide Künstler bieten
das Schönste in Akten und Porträts, aber auch
ihre Radierungen mit genrehaften Motiven sind
von großem Reiz. Der Stuttgarter Theodor
Schnitzer offenbart in seinen schönen Mädchen-
köpfen und in den Landschaftsskizzen reiche
farbige Anschauung. Erwähnenswert sind auch
die Landschaften des Müncheners Albert Lamm.

Thorn. Der Verein für Kunst und Kunst-
pflege veranstaltete eine kleine Gemäldeausstellung
in seinen neuen Räumen im „Katzenkopf", einem
neu ausgebauten Turm der ehemaligen Stadt-
mauer. Es waren hauptsächlich Danziger Maler-
innen vertreten: Else Birnbaum, Gräfin Itzenplitz,
Margarete v. Schumann und Helene Toeplitz.
Von Thornern stellten aus: Rieh. Führ, Else

Gessel und Rud. Malzahn. Dazu gesellten sich
Susanne v. Kamecke-Erfurt und Kurt Zeuner-
Charlottenburg. Als hervorragend sind vielleicht
zu bezeichnen: „Früher Herbsttag" und „Dorf-
ecke" von E. Birnbaum, „Parkeingang Oliva" und
„Marienkirche in Danzig bei Schnee" von Gfn.
Itzenplitz, „Herbsstimmung am Kellersee", „Junger
Buchenwald" und „Bergwiese" von S. v. Kamecke
und „Kiefernstämme auf Göhien" und „Selbst-
porträt" von Margarete v. Schumann. Die Be-
teiligung und die Kauflust des Publikums war
für Thorner Verhältnisse recht rege.

Denkmalpflege.

Ein Denkmal für Engen Richter soll auf dem
Askanischen Platz in Berlin errichtet werden.
Es ist ein allgemeiner Wettbewerb für die deut-
schen Bildhauer ausgeschrieben. (Siehe den
Termin- und Wettbewerbskalender der '„Kunst-
welt", Heft 3.)

Ein russisches Nationaldenkmal für Tolstoi.

Eine großartige Ehrung Tolstois wird von litera-
rischen und gesellschaftlichen Kreisen ganz Ruß-
lands vorbereitet. Man will ihm ein Denkmal
errichten, daß als Nationaldenkmal gedacht ist.
Ganz Rußland soll sich an einer Nationalspende
beteiligen, die zu diesem Zwecke veranstaltet
werden wird. Ob das Denkmal in Moskau,
Petersburg oder Jasnaja Poljana seinen Platz
finden wird, ist noch nicht entschieden.

Der Kardinal Fischer und der Kirchenbaustil.

Im „Kirchlichen Anzeiger" erließ Kardinalerz-
bischof Dr. Fischer vor einiger Zeit Bestim-
mungen über den Bau und die Ausstattung
von Kirchen und kirchlichen Gebäuden. Er
erklärte darin, daß die Kirchenbauten in Zukunft
nur noch in gotischem oder romanischem Stil
ausgeführt werden dürfen. Den Bauplänen für
Kirchen in modernem Stil oder im Basilikenstil
werde für die Folge die Genehmigung versagt.
Zur inneren Ausschmückung der Kirchen empfiehlt
der Kardinal die Kunst- und Tafelmalerei. Zur
Hebung der kirchlichen Malerei seien im
Einverständnis mit dem Staatsministerium an der
Düsseldorfer Maler-Akademie zwei neue Professuren
geschaffen. Mit Nachdruck weist dann der
Kardinal auf einen früheren Erlaß hin über die
einfache Bauart der Pfarrhäuser und wendet sich
gegen das in neuerer Zeit zutage getretene Be-
streben verschiedener Baumeister, die Pfarrhäuser
im Villen- oder Schweizerhausstil zu bauen. Es
ist selbstverständlich, daß die kirchlichen Behörden
über ihre Bauten und was damit zusammenhängt,
allein zu befinden haben. Dennoch wird man
sich eines gewissen Erstaunens nicht erwehren
können, wenn man hört, daß nach dem Willen
des Kardinals Fischer in seiner Diözese die Gottes-
häuser nur noch in gotischem oder romanischem
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