Kunstnachrichten — 2.1912-1913

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nach kurzem Krankenlager gestorben. Seine einiger Zeit zu einem Vortrage (mit Lichtbildern)
elegante Kunst mit ihrem stark pariserischen des Regierungsbaumeisters Gensei ein, den er
Einschlag hatte dem Maler viele Freunde ge- durch Lichtbild-Darbietungen in einem Hallenser
macht und man durfte von dem erst Sechsund- Lichtbildtheater seinen Gästen schmackhaft machte,
vierzigjährigen noch manche schöne Arbeit er- Der Einladung folgten 1200 Personen aus allen
warten. Er war Mitglied des Vereins Berliner Teilen der Provinz. Regierungsbaumeister Gensei
Künstler. In München erhielt er 1909 die hatte seinem Vortrage die in zweijähriger Tätig-
goldene Medaille. keit in dem Baukreise Delitzsch, der die Kreise
Zu Professoren ernannt wurden, wie amtlich Delitzsch und Bitterfeld umfaßt, gesammelten Er-
bekannt gegeben wird, die Lehrer an der Unter- fahrungen zugrunde gelegt. Er erläuterte an der
richtsanstalt des Künigl. Kunstgewerbemuseums Hand von Ansichten aus Delitzsch und den Ort-
in Berlin: Bildhauer Joseph Wackerle, Maler Schäften des Baukreises seine Ausführungen. Er
Georg Tippel und Maler Richard Boehland. betonte einleitend, daß es eine dringende Not-
wendigkeit sei, das öffentliche Interesse auf den
dst6tl. Heimatschutz zu lenken, und eine starke Heimat-

Briefk

a4 aa ;„ __/.„__ tv ti Schutzbewegung sei nicht denkbar, wenn sie nicht

m. M. in Königsberg. Die von Ihnen an- . 0 f '.

£..., , t7-11 .1 •„ . , , . 1. j von einer starken öffentlichen Meinung getragen

geführten .balle stehen gewiß nicht vereinzelt da. , ...... „ ,, „ , . , ° ° . °,

tt - a- t"tu l '• , • rr , ., • , werde. Wie groß die Verstündmslosigkeit der

hir die Ubersteigerung bei Kunstauktionen sind ' . ., °_ .. , , . , ,

ü • . , i v 1 i • u t j- 1 .. r t j- Bauherren, ihr Widerstreben gegen iede Anregung
die Beispiele sehr charakteristisch, die kurzlich die . . , • • , „

. , .. . 1 ..1 o 1 n • sei, könne nur derjenige ermessen, der es selbst

Auktion einer berühmten Sammlung in Paris ' . , , . ■* ° ~ , ' .

,. . -r^ . .' ,, . . f tt j praktisch durchzumachen Gelegenheit gehabt hat.

lieierte. Da wurde eine kleine Büste von Houdon, 1 Tr , ?„ . ,. _ ° , . ,

■■»•■»*■ Vt i., 1 • j * ii j L)er Vortragende wies daraufhin, daß noch viele

seine elf Monate alte lochter Sabine darstellend, , .7° ,. , ,rr... . , , ,

,.. , , tt» , alte Uörter ihr ursprüngliches Milieu sich erhalten

für 450000 krancs verkauft; das Werk war von . , . 1 . ö . . . _ ,.

, o ,•' j. c t- haben. Uie alte schöne Bauweise zeige, daß die

den Sachverständigen auf 120000 krancs ge- TT , ... , .°

schätzt worden. Ein Porträt von Vigee Lebrun

Handwerksmeister früher, trotzdem sie sich nicht

in Unkosten gestürzt haben, doch ein sicheres
brachte 400000 krancs! Dagegen halte man _ ..... . 0 „ , . „ , . ,

,T -j—. . ,. . , D 0 Tr , Gefühl für das Gute und Schone besessen haben.

die elenden Preise, die viele erste Künstler zu
ihren Lebzeiten erhielten — Anselm Feuerbach
verdiente in Rom nicht einmal seine Ateliermiete!

Eine Reihe von Bildern brachte den schönen,
in der Bitterfelder Gegend häufig wiederkehren-

den Bautvpus kleinerer Bauernhäuser, eine Zu-

Dr.B. in Weimar. Die Enthüllung des Völker- sammenstellung von Putz. und RohbaU; yAU An_

schlacht-Denkmals bei Leipzig (von Bruno scha Weiter sah man reizende strohbedeckte

Schmitz geschaffen) findet am 18. Oktober dieses Hauschen Ein ßer Reiz der Dorfstraße liegt

Jahres statt. Das Denkmal hegt zwischen Thon- femer b den Qach der Straße zugestellten Giebeln

berg und dem Napoleonstein. Es wird seit der muser Heute wird diese Bauweise leider

r5 Jahren daran gebaut. Die Baukosten be- vielfach> selbst von Behörden, bekämpft! Weiter

laufen sich auf 6 Millionen Mk. Die Höhe des wurden [n einer Reiiie VQn BMem die Verun-

Moriüments beträgt 95 Meter. staltungen der Ortschaften zu Gesicht gebracht.

P. R. in Berlin W. 15. Eine Cormth-Mono- Wie der Redner ausführte) haben sie sehr oft

graphie ist soeben aus der Feder Prof. Georg ihren Gmnd daü^ daß yiele Bauherren aus ihrem

Biermanns erschienen (Verlag Velhagen cS: Klasing). Grundstück durchaus etwas machen wollen, was

Wir kommen auf das Buch zurück. nkbt daraüs zu macben geht. Der Architekt ist

Frau v. H. in Hohendodeleben. Fragen Sie heute auf dem j)or{e eine sehr seltene Erschei-

wegen des Bildes bei der Photographischen Ge- nung_ Meistens hat jetzt dort ein jeder, der

Seilschaft, Berlin, An der Stechbahn, an. — bauen will, schon ein bestimmtes Vorbild im

Prof. Woelflin ist jetzt an der Münchener Uni- Sinne, von dem er sich dann nicht so leicht

versität tätig. abbringen läßt. Deshalb muß es die erste For-

L. B. R. in Breslau. Wir werden Ihrer An- derung der Heimatschutzbewegung sein, gute Bei-
regung gern folgen. Vielen Dank für Ihr Interesse Spiele zu schaffen. Es folgten dann Lichtbilder
an der „Kunstwelt"! von solchen vorbildlichen Häusern, Einfriedigungen

und Bauentwürfen. Der einzige Weg aus dem

Die Hebung der heutigen Verschandelungssystem bleibe die Rück-

, , .. ,. j D • kehr zum Einfachen und Billigen. Mitdenkleinen

ländlichen und bürgerlichen Bauweise. Maurer. und zimmermeistern auf dem Lande

Der Regierungspräsident von Gersdorff ist lasse sich in dieser Hinsicht sehr gut arbeiten,

auf einen glücklichen Gedanken verfallen, um da sie von ihrem Können keine allzu übertriebene

eine gesunde und einfache schöne Bauweise in Meinung haben und den Anregungen leicht zu-
der Provinz Sachsen einzubürgern. Er lud vor gänglich seien.

Alle Zuschriftea sind zu richten an den Verlag Weise & Co , Berlin W. 62. - Druck: Krey und Sommerlad, Niedersedlitz-Dresden.
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