Kunstnachrichten — 2.1912-1913

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Stellung des Deutschen Künstlervereins wurde vom
bayrischen Gesandten Baron von der Tann er-
öffnet. Die kleine Ausstellung enthält eine Reihe
guter Arbeiten, so insbesondere groß angelegte
Skulpturen von Noeller, Büsten von Roell und
Tannenbaum, überaus feine Medaillen und Pla-
ketten von Paukert und Beckmann. Von Malern
seien erwähnt: Hans Joachim Wagner mit Land-
schaften, Lipinsky und Wellmann mit Zeichnungen,
Noether mit Porträts, ferner Heuser, Mühlbrecht,
Pallenberg, Standt. Eine Kollektion schöner
Radierungen aus der römischen Landschaft hat
die österreichische Künstlerin Magda v. Lerch
ausgestellt. (Vgl. hierzu den Artikel „Deutsche
Kunst in Rom" in Heft 4 der „Kunstwelt",
Jahrg. II.)

Die Tätigkeit der Kunstvereine
im März.

Dresden. Sächsischer Kunstverein. Neu
aufgestellt wurden 25 Gemälde des Berliner
Künstlerbundes und 10 Gemälde von A. Zoff-
Graz. Ferner Kunstwerke von H. Eisfeldt-München
und M. Friedrich-München. Von hiesigen Künstlern
haben u. a. ausgestellt: Otto Athenstaedt, Ludwig-
Baehr, Alfred Borsdorf, G. Geißler, Robert Hahn,
Hanns Hanner, Rieh. Hofmann, Max Kirsch,
Karl Kröner, Herbert Lehmann, Ludwig Muhr-
mann, Emmy Müller-Müller, Adolf Nöther, Otto
Sebaldt, Rudolf Scheffler, Elisabeth Schönleber,
Adolf Thywissen, R. von Türcke, Albert Wilh.
Walther, Fritz Winkler, Walter Witting, Victorine
Wolf.

Kunstmuseum der Stadt Essen und Essener
Kunstverein. Aus der Ausstellung „Interieur
und Blumenstück" wurden noch nachträglich
verkauft: drei Ölbilder von Heinrich Hübner-
Berlin, „Ausblick aus einem japanischen Hause"
und „Herbstsonne", Eugen Wolff-München „Blick
ins Grüne". Folgende Vorträge wurden vom
Essener Kunstverein im Laufe des Winters ver-
anstaltet: Professor Dr. Georg Biermann-Darm-
stadt über „Franz Hals". — Museumsdirektor
Dr. A. Hagelstange-Cöln über „Vincenz van Gogh".

— Professor Dr. Botho Gräf-Jena über: „Neue
Wege der Malerei in Deutschland". — Professor
Dr. Franz Bock-Marburg über „Mathias Grünewald".

— Dr. Wolfgang Waldschmidt-Wiesbaden über
„Max Reinhardt und die Entwicklung des Bühnen-
bildes". — HansW. Fischer-Hamburg: „Vorlesung
aus seinen Werken". Außerdem fanden vier
Vorträge des Museumsdirektors statt.

Halle a. S. In der März-Ausstellung, die der
Hallesche Kunstverein mit dem Kunstgewerbe-
verein veranstaltete, wurde eine Übersicht über
das Schaffen der sezessionistischen Plastiker, na-
mentlich der Berliner, geboten. Vertreten waren
Georg Kolbe, August Gaul, Bernhard Hoetger,

Barlach, Lehmbruck, Rud. Bosselt. Daneben
waren moderne Gefäße und Schmuckgegenstände
aus Edelmetall ausgestellt (von Lauverik, Prof. E.
Riegel, Herrn. Ehrenlechner.)

Hamburg. Der Kunstverein bot eine Aus-
stellung von x\rbeiten Paul Bollmanns, die in
ihrer impressionistischen Frische von starkem Ein-
druck sind. Der Künstler ist besonders durch
seine Porträts der Sängerinnen Sutter und Wi-
borg für das neue Stuttgarter Hoftheater bekannt
geworden.

Karlsruhe. Eugen Spiero-Paris, der im hiesi-
gen Kunstverein ausstellte, charakterisiert sich als
ein koloristisch nicht unbegabter, gewandter, fast
etwas oberflächlicher dekorativer Epigone von
Cezanne, der ja jetzt im Verein mit Hodler das
fast ausschließlichste Malrezept für unsere abwechs-
lungslüsterne Gegenwart bildet. Eine interessante
künstlerische Erscheinung ist der zum erstenmal
hier auftretende Dr. med. L. Dürrn, ein Sohn
des bekannten hiesigen, früheren Oberbaudirek-
tors. Auch er ist vorerst noch stark von Hodler
abhängig, weiß aber doch aus Eigenem recht
viel intime Gestaltungskraft und koloristische Be-
gabung hinzuzufügen, die sich namentlich in sei-
nen bedeutsamen Porträts deutlich geltend machen
Jedenfalls haben wir sicherlich in dem begabten
Künstler in der Zukunft eine hervorragende Kraft
zu erwarten. Ähnliches verspricht, dem „Schwab.
Merk." zufolge, auch der talentvolle frühere
Thomaschüler Siegfried Czerny, ein Sohn des
berühmten Heidelberger Mediziners, der sich
aber, im ausgesprochenen Gegensatz zu dem Vo-
rigen, ganz an den alten, deutschen und nieder-
ländischen Meistern erfolgreich geschult hat.
Ganz im vollendeten Gegensatz dazu fesseln
gleichfalls die Bildnisse von Professor Walter
Georgi. Gute Landschaften bringen noch der
frühere Kellerschüler Karl Walter, Holler und
Reeger, P. v. Ravenstein und der bekannte
Düsseldorfer H. Liesegang, treffliche Porträts der
temperamentvolle, sich offenbar Samberger zum
Vorbild nehmende Russe Zabotin, Aug. Rumm-
Grötzingen, sowie Otto Leiber.

Köln. Die März-Ausstellung des Kölnischen
Kunstvereins im Wallraf-Richartz-Museum brachte
eine stattliche Zahl beachtenswerter Gemälde.
Durch Kollektionen waren vertreten Walter Ge-
orgi und Professor Fritz Fehr in Karlsruhe, W.
Lucas in Paderborn. Außerdem waren Werke
ausgestellt von Max Liebermann, Slevogt, Corinth,
Fr. v. Stuck, Trübner, Sperl, Gotth. Kühl und
Hodler.

Leipzig. Der Karlsruher Roland Anheißer
stellte im Kunstverein eine kleine Kollektion von
Radierungen aus, die sich durch Sachlichkeit und
knappe Zeichnung, vor allem durch eine große
Beobachtung auszeichnen. Er liebt alte malerische
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