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Kurpfälzer Jahrbuch: ein Volksbuch über heimatliche Geschichtsforschung, das künstlerische, geistige und wirtschaftliche Leben des Gebietes der einstigen Kurpfalz — 5.1929

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https://doi.org/10.11588/diglit.41982#0108

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Katharina Treu, eine kurpfähische Malerin ^
der Karl-Theodor-tZeit ^
Von Erna Reidel- Mannheim A

Wohl die bedeutendste, jedenfalls aber die zu ihrer Zeit berühmteste
Malerin an Karl Theodors Musenhof war Katharina Treu, die, obzwar
Richtpfälzerin — sie ist laut Geburtsregister der Kirche Anserer Lieben Frau
zu Bamberg daselbst am 21. Mai 1743 geboren — gleichwohl eng mit der
Pfalz und insbesondere mit Mannheim verbunden ist. Weitaus die längste
Zeit ihres Lebens, die fruchtbarste und erfolgreichste Epoche ihres Schaffens,
hat sie hier verbracht, freudige Zeiten höfisch-festlichen Glanzes, aber auch
trübe und schwere Notzeiten getreulich mit dieser Stadt geteilt.
Rufgewachsen ist Maria Katharina Wilhelmine Treu im Kreise zahl-
reicher, malerisch begabter Geschwister in der alten stimmungsvollen Bischof-
stadt an der Regnitz als Tochter des Malers Joseph Marquard Treu. Aber
während Katharina, deren Talent offenbar frühzeitig durch ihre malende Am-
welt geweckt wurde, schon als Zehnjährige eifrig dem Malen und Zeichnen
oblag, hat ihr Vater erst verhältnismäßig spät und auf Amwegen seine Be-
gabung entdeckt. Als Sohn des kurfürstlich bambergischen Hosjuden Wolf
Nathan war er auch nach seinem Aebertritt zur katholischen Religion, der aus
ehrlicher Aeberzeugung und trotz bedrohlicher Nachstellungen seiner Stammes-
genossen erfolgt war, zunächst Handelsmann geblieben, allerdings mit wenig
Glück. Er muhte mit seiner jungen Frau Marie Katharina, der schönen
Tochter des Malers Heinrich Friedrich, einige karge und sorgenvolle Iahre
durchleben, ehe er durch die Bekanntschaft mit den Malern Nikolaus Groth
und Lorenz Theisinger sein Talent entdeckte und mit Hilfe des Domdechanten
Franz Konrad von Stadion ausbilden konnte. Nun blieb auch der Erfolg nicht
aus, und der Posten eines Inspektors der Galerie Pommersselden brachte
sicheres Brot.
Daß Katharina bei diesem Vater volles Verständnis für ihre Begabung
fand und im Gegensatz zu den Gepflogenheiten jener Epoche, die das bürger-
liche junge Mädchen gemeinhin zur hauswirtschaftlich tätigen Haustochter be-
stimmte, sich unter seiner Leitung zur Malerin ausbilden durfte, wird uns kaum
wundernehmen. Es ist auch nicht unmöglich, daß die „Küchenstücke" des
Vaters, die er neben religiösen Vorwürfen, Köpfen und Tierstücken malte,
nicht ohne Einfluß aus ihre Neigung zum Stilleben waren. Außerdem erfreute
sich das Stilleben gerade damals einiger Beliebtheit, vornehmlich bei den
Niederländern, die es in der zweiten Hälfte des 17. und in der ersten Hälfte
des 18. Jahrhunderts mit Geschmack und Meisterschaft zur Darstellung brach-
ten. Neben Ian Weenix, Ian de Heem, Ian van Huhsum zeichnete sich vor
allem Rachel Ruysch aus, Hollands beste Blumenmalerin, deren Werke heute
noch zur Bewunderung nötigen. Rachel Ruysch hat übrigens zweimal als
kurfürstliche Hofmalerin eine Zeitlang in Düsseldorf gelebt, so daß es nicht

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