Lanckoroński, Karl [Editor]
Städte Pamphyliens und Pisidiens (Band 2): Pisidien — Wien, 1892

Page: 163
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Nach kurzem südlichen Lauf springt sie (im Plan nicht bemerkt") nach Westen aus, um dann
wieder ziemlich gerade südlich zu verlaufen, und ist im letzten Theile wenig erhalten. Die
Mauer besteht aus Thürmen von circa 6 M. Frontbreite, die aus Quadern solid erbaut sind,
ursprünglich wenigstens, jetzt nicht mehr alle gleich, und dazwischen aus mit kleinen Bruch-
oder Fundsteinen erbauten Mauerstücken. Quadern sind auch vor diesen verstreut. So liegt
der Gedanke nahe, dass Mauern und Thürme, wie z. B. auch in Perge, ursprünglich nicht
aus einem Guss und in Verband hergestellt waren, sondern die Mauern nachträglich zwischen
die für sich bestehenden Thürme hineingebaut wurden und die vorhandenen entweder von
Anfang an so viel schlechter als die Thürme aufgeführt wurden oder bei späterer Restau-
ration. Fin Thor ungefähr in der Mitte der Westseite ist kaum an Spuren zu erkennen: es
wird den von Westen auf der Höhe geführten Weg aufgenommen haben. Ein anderes lag
ungefähr in der Mitte der Südseite. Zu dieser ist, wie in Sillyon, der Weg rampenartig
heraufgeführt, mit Benützung jener stufenartig vortretenden Gesteinschichten. Zunächst nach
Westen gehend, theilt er sich an der Südwestecke, indem ein Zweig die Fcke umgehend zum
Westthor oder hauptsächlich wohl in den dort ausgehenden Weg einführt, der andere auf
höherer Schicht in die der bisherigen entgegengesetzte Richtung einschlägt, um fast ein
halbes Kilometer dicht unter dem Burgrande und ihrer Befestigung hinzugehen. An vielen
Stellen untermauert, ist dieser Weg an manchen auch abgestürzt, aber in seinem Gesammt-
verlauf nicht zweifelhaft und, wie zu Anfang durch einen antiken Grabbau (Z, siehe unten
Fig. 142), so am Fnde durch ein Thor (£"i) markiert. Es ist ein Doppelthor mit Hof zwi-
schen den zwei jetzt überwölbten Thürwänden, an dessen Nordseite die von AYesten über
der Rampe herziehende Mauer ansetzt, wie an der Südseite die nach Osten gehende Fort-
setzung, deren erstes Stück gefallen ist. Weniger als hundert Schritte ihr folgend, kommt man
an den cardo der Stadt, die fast genau südnördliche Linie, welche die Ostgrenze des Marktes
bildet und den Mittelpunkt der Stadt schneidet.

Das Burgplateau ist nämlich keineswegs eine Fläche. Am höchsten ist die Ostspitze. Von
hier zieht sich ein Rücken am Südrande hin, der zuletzt in der seltsamen, an das Heroon auf
dem Markte von Termessos erinnernden Klippe X hinter dem Theater aufragt. Ein anderer
Zug erstreckt sich am nördlichen Rande hin, wo man innerhalb der Stadt leicht vier kleine
Kuppen unterscheiden kann, deren jede einen Ausläufer nach Süden sendet. Die da-
zwischenliegenden Mulden bilden geeint einen grossen Platz gerade in der Mitte der ganzen
Südseite. In ihn baute man in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts die grosse Anlage
NOP, Forum und Basilika, die nun die Ostgrenze des sehr verbauten Platzes H bildete.
Nördlich schloss den Platz wie in Sagalassos die überladene Facade eines Nympheums,
westlich die allem Anschein nach schon zu der grossen Doppelhalle, dem Bazar, gehörigen
Bauten, bei / ein Treppenbau, weiter südlich ein Haus. Wie von hier diese Stoa nach
Westen ausgeht, so eine andere unter dem Theater hin nach Nordost, dort zu einem Ma-
cellum oder ähnlicher Anlage führend, während gerade nördlich hinter dem Nympheum eine
grosse Area ungewisser Bestimmung liegt. Diese wie auch die anderen theilweise gewiss
erst durch künstliche Abgleichung geschaffen. Also wieder in centraler Lage und so viel wie
möglich zusammengehalten die dem öffentlichen Leben dienenden Bauten mit Ausnahme

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