Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 4.1896

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Limesblatt.

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grossen Wasserkessel hatten ihre her-
kömmliche Stelle in einem mindestens zwei
Meter breiten Gelass dicht hinter dem
•Caldarium, und hinter der Scheidewand
dieses Gelasses gegen das regelmässig da-
runterliegende Prafornium (hier die offene
Vorhalle ?) befanden sich zwei würfelför-
mige Aufmauerungen oder Pfeiler, welche
v. Rüssler für die Träger zweier Kalt-
•wasserbassins zur Speisung der Kessel hält.
Dementsprechend ist denn auch die Recon-
struktion der Bäder von Rückingen und
der Saalburg in Fig. 4 und 6 der Tafel 11
(a. a. 0.) dargestellt. Eine derartige Ein-
richtung kann aber im Stockstadter Bad-
gebäude nicht bestanden haben. Denn die
•auch hier vorhandenen zwei würfelförmigen
Aufmauerungen befinden sich unmittelbar
•an der Zwischenmauer gegen das Calda-
rium, also an der Stelle des Kesselhauses.
Die Kessel müssten mithin weiter rückwärts
aiach der Blockmauer zu gestanden haben
und das Wasser von den vermuteten Bas-
sins auf den Pfeilern rückläufig in die-
selben geflossen sein, um dann in entge-
gengesetzter Bichtang wieder nach dem
Vorderbau geleitet zu werden, was als
•durchaus anpraktisch nicht anzunehmen
•ist. überdies fehlt eine Abschlussmauer
des etwaigen Kesselhauses zwischen den
Pfeilern und der Blockmauer. Anderer-
seits schien die überaus derbe Konstruk-
tion der letzteren doch wohl nur zum Zweck
grösserer Widerstandsfähigkeit gegen ge-
waltige Feuermassen, wie solche zur Er-
hitzung grosser Wasserkessel vorauszu-
setzen wären, gewählt zu sein. Auch die
(gegen Erwarten offene) Vorhalle e mochte
Feuerungszwecken gedient haben, da sie
sich (soweit untersucht) mit schwarzer
Branderde gefüllt zeigte. Bemerkenswert
ist indessen auch, dass sich gerade hier,
sowie bei der Freilegung der Längsmauern
bis zum Caldarium eine aussergewöhnliche
Menge von Tierknochen (von Schlachtvieh),
sowie an Scherben von Ilaushaltungsge-
fässen vorfand, sodass unwillkürlich der
■Gedanke an eine Kücheneinrichtung nah-
gelegt wurde.

Besonders interessant und wohlerhalten
waren die beiden Wasserbassins an der
2sordwestecke. Sie zeigten sich noch 55 cm

tief und hatten steinharten glatten Fuss-
boden von feinerem Ziegelmörtel. Mit
gleicher Masse waren die Wände sorgfäl-
tigst verputzt und am Fuss mit ringsum-
laufendem Eckwulst versehen. Der letztere
umzog in der vorderen südlichen Ecke des
Raumes b mit sauberer Winkelabrundung
eine Einbuchtung, welche nach den vor-
handenen Resten wohl eine von Back-
steinplatten hergestellte Treppe ins Bad
hinab, oder vielleicht auch einen abgetrepp-
ten Sitz für die Badenden enthalten hatte.

Durch eine am Fuss der 40 cm dicken
Backsteinmauer zwischen den beiden
Bassins angebrachte Öffnung von 12 cm
Weite konnte das Wasser aus der Zelle a
in die Zelle b, und von dieser durch einen
etwas grösseren Durchläse in der Zwischen-
mauer gegen das Apodyterium zu in den
unter dem Boden des letzteren bogenför-
mig durchgeführten und die nördliche
Aussenwand in lichter Weite von 54 zu
44 cm durchbrechenden Kanal, (der sich
ausserhalb des Gebäudes in Plattenboden
und Wandungen noch wohlerhalten zeigte
und auf der Skizze ersichtlich ist), abge-
leitet werden. Eine Verschlussvorrichtung
an den Ablauföffnungen in den Baderäumen
war nicht nachweisbar. Ebensowenig Hess
sich eine Spur etwaiger Ableitung von
Wasser aus einem anderen Teile des Ge-
bäudes in den Kanal erkennen.

Da durch Abgrabung längs der ganzen
Südwestseite des Gebäudes festgestellt
wurde, dass von dieser Seite aus ein Was-
serkurl uss nicht erfolgt sein konnte, so
bleibt kein Zweifel, dass die Wasserver-
sorgung des Bades aus dem jetzt in 65 m
Entfernung nach der Uferbildung, früher
aber wahrscheinlich nur 40 m weit vorüber-
strömenden Mainfluss erfolgt war. Sicher
hatte diese Möglichkeit des Wasserbezugs
sowohl hier, wie bei den anderen Main-
kastellen , den Ausschlag für die Wahl
des ungewöhnlicheren Platzes der Bade-
gebäude vor der Kastellfronte gegeben.
Die Herbeischaffung des Wassers aus dem
Fluss dürfte wohl mit Hülfe eines Schöpf-
werkes, dessen Aushub mittels einer Pfei-
lerstellung in einem Kanal oder in Röhren
in das Gebäude geleitet wurde, erfolgt sein.
Etwaige Überreste einer solchen im Hin-
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