Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 4.1896

DOI issue:
Nr. 18 (15. Mai 1896)
DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.8933#0030
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
— 515 —

Limosblatt.

— 5iG —

ten Ziegeln, davon drei die Nummer XI
tragen; auch die übrigen Stücke werden
der legio XI Claudia pia iidolis gehören l).
Keiner der gestempelten Ziegel wurde in
situ gefunden, dio teils viereckigen, teils
runden Backsteine, aus denen die Pfeiler-
chen der oben genannten Heizanlage auf-
geführt waren, waren sämtlich ungestem-
pelt. Münzen wurden in dem Gebäude
9 Stück gefunden, darunter eine halbe.
3 davon sind unkenntlich, die übrigen sind
1 Galba, 3 Vespasiane, 1 Domitian und
1 Trajan. Der Galba und Trajan lagen auf
dem Estrich des Wasserkanals, ebenso ein
Oculistenstempel mit der in Spiegelschrift
eingegrabenen Aufschrift M. Ulpi Thco-
dori crocodes. Ausserdem fanden sich
mehrere Töpferstempel und Scherben von
terra nigra.

Im Oktober wurde die Ausgrabung auch
auf andere Teile des Lagers ausgedehnt.
Zunächst wurde konstatiert, dass unmittel-
bar nördlich von der zweiten Querstrasse
des Lagers, auf der Flur „an der Heer-
strasso", keine Gebäulichkeiten standen.
Sodann wurde mit Erfolg nach der Prae-
torialseite des ummauerten Kastells ge-
sucht. Innerhalb des umwallten Lagers
liegt ja ziemlich concentrisch ein Stein-
kastell, dessen rechte Flanke nach den
Ergebnissen der Ausgrabungen des Alter-
tumsvereins Rottweil eine höchst unregel-
mässige , mehrfach gebrochene und im
Dogen geführte Linie bildet. Nördlich der
via principalis war der Verlauf der Um-
fassungsmauer noch unbekannt. Die Prac-
torialfront erwies sich als eine Gerade von
250 m Länge, unterbrochen durch ein ein-
faches, von 2 Türmen bewehrtes Thor, das
aber weit aus der Mitte gegen Osten
herausgerückt ist. Auch von den beiden
Flanken wurden nördlich der via princi-
palis Stücke aufgefunden. Die Umfassungs-
mauer hatte hier eine Stärke von 2 m und
war ohne Mörtel erstellt. Meist war sie
völlig ausgebrochen und ihre Flucht nur
mittelst des Grabens festzustellen. In

1) Zwei weitere Stempel dieser Legion, tlic
schon früher im Lager gefunden wurden, hefinden
sieh in der Kottweiler Altertumshallo, während der
ehen dort befindliche Stempel der cohors I BI-
turigum von Hochinauern stammt.

diesem fanden sich eine Münze von Ves-
pasian, eine zweite unkenntliche Münze
und unbedeutende Scherben von terra nigra.
— Das Ende der Ferien des Strecken-
kommissars setzte den Arbeiten ein Ziel.
Tübingen, November 1895.

Mettler.

Schwäbisch Gmünd. [Nochmals der 134.
Limesübergang über das Schiess-
thal.] Im Limesblatt S. 81 habe ich den
Limes, d. h die raet. Mauer, im Schiess-
thal bei Schw. Gmünd und das Auffinden
von Palissaden im Thale selbst beschrie-
ben und zum Schlüsse des Artikels be-
merkt, dass die Forschungen daselbst noch
nicht abgeschlossen seien, dass ich im
Gegenteile dort noch weiter suchen würde.
Ich ging damals von der Ansicht aus, dass
die starken, gestellten Holzklötze die Ver-
längerung der Mauer oder besser den Er-
satz für die Mauer, die in dem sumpfigen
Thale schwer anzulegen gewesen wäre,
gebildet hätten, ja dass sie als Steeg be-
nützt worden seien. Grabarbeiten, die ich
im Monat Juli d. J. vornahm, haben mir
gezeigt, dass ich mich in dieser Annahme
sehr geirrt habe, und sehe ich mich ver-
anlasst, hier um so mehr eine Berichtigung
folgen zu lassen, als meine jetzigen Ent-
deckungen ein neues Licht auf die Art und
Weise werfen, wie der raet. Limes über
sumpfige Gegenden weiter geführt wurde,
und wie vorsichtig man bei der Bestim-
mung „Kohle" oder „verwittertes Holz"
vorzugehen hat.

Ich habe damals von der Mitte der
Mauer aus über das Thal hinübervisiert
und ohne weitere Instrumente ca 80 m
von dieser Stelle weg den Punkt im Thal
bestimmt, wo ich die Verlängerung der
Mauer finden musste. Ich fand aber an
Stelle der Mauer die Palissadcnreihc. Diese
Stelle war vom Fusse des Thalrandes selbst
noch 50 m entfernt. Es musste mir nun
daran liegen, die Mauer näher am Thal-
rande nachzuweisen und wo möglich die
Abschlussstelle von Mauer und Palissadon-
reihe zu gewinnen. Glücklicherweise ist
mir dies leichter gelungen, als ich es mir
vorstellte, denn gerade diese Stelle scheinen
die Artilleristen bei ihren Bauten nicht
berührt zu haben. So fand ich denn die
 
Annotationen