Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 4.1896

Page: 519
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/limesblatt1896/0032
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
CJJ7

— 519 — Limesblatt. — 5'2Ö —

135. Irnsing a. d. Donau. Im Limesblatt
S. 451 fV. hat Geh. Hof'rat Zangemeister
versucht, die Gründe zu entkräften, welche
ich in meinem Referate über die Unter-
suchungen an der Schanze hei Irnsing
gegen deren Erbauung durch die Römer
niedergelegt hatte 1).

Die Nichtauffindung römischer Alter-
tümer spricht aber doch sicher gegen einen
Ursprung durch die Römer; denn heim
Hau solch ausgedehnter Mauern hätten
römische Sachen verloren gehen müssen.
Auch die Grabungen im Innern, besonders
an den Stellen, wo sich hei den Römern
erfahrimgsgemiiss Hauten vorfinden, zeigten
keine Spur davon. Weitere Grabungen
hätten nach den Sondierungen kein anderes
Ergebnis gehabt. Freilich „die grosse Ver-
tiefung", von der ein ehemaliger Priester
von Irnsing in einem vorhandenen Manu-
skript redet, ist von mir nicht gefunden
worden; ich erlaube mir auch an der Ge-
nauigkeit der dort gewiss im hosten Glau-
ben angeführten Begebenheit zu zweifeln.
Das Loch, auf welches der Bauer zu An-
fang dieses Jahrb. stiess, war sicher keine
(Jistcrne. Wie sollten von einer solchen
Schwefeldünste aufsteigen, von denen der
Bauer sprach ? Jene Vertiefung war rich-
tiger eine Spalte, wie sie in dem Jurage-
biet häufig sind. Es ist ferner auch der
Schwefelgeruch sehr leicht aus der Masse
Schwefelwassers dieser Gegend zu erklären.
Ich will nicht auf das Schwefelbad Gögging
auf dem anderen Ufer hinweisen, sondern
auf eine Quelle am Südfusse der Höhe,
auf welcher die Schanze liegt; sie quillt
hart am Steindamm aus dem Flusse heraus
und ist nach Geruch und Geschmack sehr
stark. Zwei Löcher fand ich übrigens
auch nahe der inneren Mauer, die sich als
Erdspalten darstellten und eine senkrechte
Tiefe von ca. 3 m hatten. Die Mauer,
welche in den Erdwall eingesetzt ist, zeigt

1) Vtfl auch meine kurze Notiz himesbl. S.42$.

grössere, dicke Plattensteine mit Mörtel
ohne Ziegelniehl.

Zangemeister vergleicht ferner den Ein-
gang bei Irnsing mit denen des Manchinger
Ringwalles, in welchem er das Vallatum
des Itinorariums siebt. Der Ringwall wird
aber von der Bevölkerung nicht „Pfahl"
genannt, ferner sind alle Funde an und
innerhalb des Ringwalles prähistorisch, wie
auch der westlich davon aufgefundene
Friedhof. Der Ringwall ist rings von
Sumpf (teilweise noch beute) umgeben und
ein Zufluchtsort der Umwohner gewesen.
Die Erbauung oder auch nur Benutzung
durch die Börner lässt sich nicht erweisen.

Darin jedoch stimme ich mit Zange-
meister überein, dass die prähistorischen
Scherben auf der Birg von Hügelgräbern
herrühren können, aber nach dem Befund
sind sie nicht von der Schanze überbaut,
sondern von den I Sauern überackert.

Die Türme, welche Z. auf der Donau-
seite (Frontseite nach Z.) annimmt, sind
wohl zu bezweifeln. Ich hatte in meinem
Referate der Vollständigkeit halber
die Worte eines Greises erwähnt, der von
seinem Vater als Knabe gehört haben will,
es sei in der Südecke ein Turm gestanden.
Darauf lässt sich aber nichts gründen. An
jener Stelle fand sich keine Spur. — Die in
der Senkung liegende Strasse und der Do-
nauübergang sind bekannt, und erstere ist
untersucht. Aber es ist unmöglich, in dem
angeschwemmten Gebiet nach den Brücken-
pfeilern zu suchen. Die Richtung ist
ohnehin klar. Doch das ist eine Sache
für sich. Was nun gegen die Annahme
spricht, dass die „Birg" bei Irnsing rö-
mischen Ursprungs sei, bleibt nach wie
vor besteben: 1) die Anlage, die einem
Abschnittswalle anderer Zeit ähnlich sieht;
2) der Mangel jeglicher Funde unzweifel-
haft römischer Herkunft; 3) das zahlreiche
Vorkommen prähistorischer Scherben.
München. Fink.

Verantwortlicher Redakteur Prof. ilettuer.
loading ...