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Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Hrsg.]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 4.1896

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https://doi.org/10.11588/diglit.8933#0054
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— 563 —

Limesblatt.

— 564 —

schwemmtes Thal, aber nicht einen Berg
empor, wie bei Gundelshalm.

Die Limes- M au er endlich fand sich
durchschnittlich 1,5 m hinter der grossen
Palissadenreihe fast dicht unter dem Wies-
boden, in einer Stärke von 1,20—1,30 m.
Aber auch sie hatte eine Lücke und zwar
von 50 m Länge, welche 2 m östlich vom
Beigraben begann und 12 m westlich von
der Plattform endete. Dicht hinter der
Mauer zog die Limes-Strasse in 4—4,5 m
Breite, sowie aber die Mauer endete, ver-
breiterte sich die Strasse, zunächst am
Beigraben bis zu der vorderen Palissaden-
reihe und dort, wo die Pfähle des Doppel-
Holzturmes über die Palissadenreihe hin-
-ausstanden, noch 2,7 m darüber hinaus, so
dass sie hier 10 m im Ganzen breit war;
zugleich aber senkte sie sich in dieser
Mauerlücke, von der östlichen Seite in
stärkerem, von Westen her in schwächerem
und allmählichem Gefäll und bildete so
eine gepflasterte Furt, 75 bezw. 93 cm
unter dem Niveau der Limesstrasse hinter
der Mauer. Selbstverständlich deckt ihre
Pflasterung, die aus grossen Sandsteinen
besteht und ehemals wohl mit einem Klein-
schlag beschottert war, die sämmtlichen
Pfähle, also die vordere Palissadenreihe mit
ihren riesigen Baumstümpfen, die Funda-
mentpfähle der Blockhäuser und der Platt-
form, und endlich die Doppelpfähle. Eben
wegen dieser Pfahlreste musste sie ver-
breitert werden, damit weder Beiter noch
Fuhrwerke in diese vom Wasser bedeckten
Pfähle gelangen und verunglücken konnten.
Es geht daraus klar hervor, dass diese
Furt erst in einer späteren Periode und
offenbar erst gleichzeitig mit der Limes-
Mauer und Limes-Strasse hergestellt wurde.
Dass diese alles überdeckende Pflasterung
als eine Furt zu betrachten sei, sprach
zuerst Herr General von Sarwey aus.

Vom westlichen Wiederbeginn der Mauer
6 m entfernt, fand sich der hier sicher
vermutete Turm, 7 m vorspringend, 5,65 m
lang. Die Limes - Strasse biegt am Turm
aus und um denselben herum.

In seltener Deutlichkeit und guter Er-
haltung haben wir an dieser interessanten
Stelle also: ganz vorn die Palissaden-
Linie, 1,5 m zurück die Doppelpfahl-

linie der gespitzten Pfähle und diese
überdeckend bald vor, bald hinter ihr die
Mauer mit der Limes-Strasse und
Furt. Hier aber ist das Überschwem-
mungsgebiet der Altmühl, und der Ein-
wurf, die Doppelpfähle seien die Stützen
eines Steges, ist erst dadurch zu entkräf-
ten, dass alles auf der Höhe sich gerade
so verhält. Dieser Beweis ist mir im
Spätherbst 1S95 bei Gundelshalm vollauf
gelungen.

Auf dem Gundelshalmer Buck, welcher
eine Höhe von 50 m über dem Dorf hat
und aus Arietensandstein besteht, musste,
wenn die Funde im Altmfihlthal für die
ganze Linie Geltung beanspruchen wollten,
sowohl der Graben für die vordere Palis-
sadenreihe, als für die Doppelpfähle in
den Felsen eingehauen sein, da ein Ein-
treiben in den harten Fels unmöglich war.
Und siehe da: diese beiden Gräben
fanden sich und in ihnen die Pfähle in
folgender Situation:

Wie ich schon in meinen „Ausgrabun-
gen römischer l'berreste bei Günzenhausen"
1887 S. 6 berichtet habe, hatte ich hier
einen Turm mit Limes - Durchgang ausge-
graben. Die Mauer macht hier einen
Knick. 2,6 m vor ihr läuft nun der eine
Graben. Der harte Fels beginnt in 30 cm
Tiefe; und in diesen Fels eingehauen ist
der Graben 0,90 resp. 1,10 m tief und
zwar so, dass seine nördliche Wand fast
senkrecht, die südliche 0,80 resp. 1,0m
tief schräg hinabläuft; nur ganz unten
sind die Wände auf beiden Seiten ganz
senkrecht 0,10—0,30 m tief. Die unterste
Breite beträgt 0,36 m, die obere 1,4—
1,6 m. In diesem Graben fanden sich die
deutlichen Holzüberreste von starken, unten
glatt abgeschnittenen Pfählen, selbstver-
ständlich nicht im Ganzen erhalten, wie
im Thal-Letten, aber doch in reichlichen
Holzstücken. Auf beiden Seiten waren die
Pfähle verkeilt mit flachen Steinplatten,
welche an den Felsenwänden in der Tiefe
aufrecht standen und an denen ganze Holz-
Stücke hingen, mit den Holzfasern senk-
recht nach unten. An der schrägen Fels-
wand des Grabens (der südlichen) fanden
sich nun ferner Holzstücke von Längs-
balken und zwar in zweifacher Höhe, einen
 
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