Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 4.1896

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Limesblatt.

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sondern umgekehrt, sie standen zuerst allein
und erst spater wurde die Mauer an sie
angesetzt (worauf zuerst Herr General Popp
aufmerksam machte). Diese steinernen
Einzeltürme verband man aber, die Idee
eines Grenzschutzes durch einen Zaun fest-
haltend, durch diese unter einander ver-
flochtenen Doppelpfähle. Dies war die

zweite Anlage, nicht so imposant
und grossartig wie die erste, ja sogar ein
Rückschritt gegen diese, aber doch ge-
nügend fest, um die Zwecke einer Grenz-
sperre zu erfüllen. Dass dieser gefloch-
tene Zaun mit den Palissaden gleichzeitig
angelegt worden wäre, ist an und für sich
mehr als unwahrscheinlich. Wollte man
dies dennoch anneinnen, so müssten sie
doch mindestens parallel mit einander
laufen. Wir haben das Gegenteil aber
sowohl im • Altniühlthal als in der Linie bei
Gundelshalm gesehen. Der geflochtene
Zaun verlauft nicht gerade, sondern in
grossen flachen Bögen. Der Grund, warum
man zurückrückte, ist allerdings nicht er-
sichtlich ; naheliegend ist aber, dass man
die erste Grenzlinie nicht fallen lassen
wollte und sie daher wenigstens in den
Niederungen markierte, indem man das
durch Einsinken des Erdreiches entstan-
dene Grübchen mit gesteckten und ge-
stellten Steinen, mit Läufern, Scherben,
Kohlen etc. ausfüllte. Ich bin der festen
Überzeugung, dass man unter der vordem
Limes herlaufenden Grenzversteinung,
wie sie da und dort gefunden wurde,

fast überall (in manchem Boden werden
sie aber nicht mehr erhalten sein) die
Palissadenreste finden wird. Die Möglich-
keit, dass es ausserdem Ahsteinungen giebt,.
die rein als Grenzmarkierungen aufzufassen
sind und bei denen von Pfählen keine Bede
ist, leugne ich nicht. Ich kann nach mei-
nen Erfahrungen nur nicht annehmen, dass
die Börner zuerst ihre Grenze abgesteint
und dahinter dann den Limes errichtet
haben; denn ich habe vor der vorderen
I'alissadenreihe niemals eine Absteinung
gefunden, sondern nur in dieser Linie
selbst, wie oben auseinandergesetzt, also
nur vor dem geflochtenen Zaun. Der
letztere scheint nun auch von Jacobi west-
lich vom Kastell Zugmantel und von Soldan
im Lützelbacher Bannholz gefunden zu sein.
— Dieser Zaun hat wohl eine kurze Dauer
gehabt, nämlich bis zur Errichtung der

dritten Anlage, die er gleichsam vor-
bereiten sollte. Es wurden nun die stei-
nernen Türme durch eine Mauer mit
zahlreichen angebauten Türmen und Stütz-
pfeilern unter einander verbunden. Diese
Mauer wurde im allgemeinen in der Linie
des geflochtenen Zaunes errichtet, da sie
aber in ihren einzelnen Bichtungen voll-
ständig gerade verlief, so schnitt sie häutig
die in leichten Bögen laufende Doppel-
pfahllinie. Mit der Mauer entstand dann
auch die gut gebaute Limesstrasse, dicht
hinter ihr verlaufend.

Im Februar 1890. Dr. Eidam.

VefantwortKell« üedalitoiii o F. Hettner und 0. von Sarvej.
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