Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 5.1897

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5-6 Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung- in Trier.

NtT^L- Ausgegeben am 1. Februar 1897.

Rheinprovinz. [Kastellforschung]. I. Val-
lendar, Weitersburg. Nachdem im
Herbste 18Ü5 das Kastell bei Niederberg
aufgedeckt worden war, drängte sich die
Frage auf, ob nicht auch weiter rheinab»
wärts zwischen Niederberg und dem Sayn-
bach in grösserer oder geringerer Entfer-
nung vom Rheine etwa Zwischenkastelle
zu suchen seien, zumal^da die zwischen
Nied erberg uud Niederbiher mit Sicher-
heit vorauszusetzende Strasse auf grössere
Strecken wegen der unmittelbar an das
Flussbett herantretenden Felsen nicht im
Bheinthale, sondern oben über die Höhen
geführt haben muss.

Die beiden Punkte, an denen darauf-
hin Grabungen vorgenommen wurden, auf
der „Alten Burg" 20 Minuten oberhalb
der Stadt Vallendar (2(5. August bis 12. Sep-
tember) und einem Felde 6 Minuten nord-
ostlich vom Dorfe Weltersburg, ebenfalls
die „Alte Burg" genannt (10. bis 26. Sept.)
ergaben allerdings römische Baulichkeiten,
aber nicht militärischen Charakters.

An ersterer Stelle wurde ein 11 m
breites und IG m langes, anscheinend ein
Wirtschaftsgebäude, sowie ein kleiner
Keller aufgedeckt. Auf Nachforschungen
nach den weiteren einst sicher verhande-
ln Baulichkeiten dieses römischen Ge-
höftes wurde verzichtet, im Hinblick dar-
auf, dass schon die aufgedeckten Gebäude
in sehr schlechtem Erhaltungszustande an-
getroffen wurden und ein Bild der ganzen
Anlage nur mit unverhältnismässig grossen
Kosten zu gewinnen gewesen wäre.

Bei Weitersburg fand sich ein grosses
Gehöft von über 80 m Länge uud 50 m
Breite, welches, im Anschluss an die Gra-
bungen der Limeskommissiou, vom 24. Sep-
tember bis 20. Oktober auf Kosten des

Bonner Proviuzial - Museums zum grossen
Teil aufgedeckt wurde; es kann daher hier
auf eine später erscheinende Publikation
verwiesen werden. Nach den zahlreich
aufgefundenen Scherben sind beide Ge-
höfte nicht vor die zweite Hälfte des
zweiten Jahrhunderts zu setzen: die Band-
profile der irdenen Geschirre zeigen sämt-
lich den eingeschnürten wulstigen Charak-
ter, welcher in der Autoninenzeit auftritt
(Koenen S. 97 Taf. XV, 1); die ziemlich
häufig vertretene Sigillata ist von schlech-
ter Qualität. Die auf der Alten Burg bei
Vallendar schon vor Beginn der Grabungen
gefundenen Münzen sind: ein Denar von
Hadrian und einer von Severus Alexander;
in Weitersburg kam ein sehr verschliffenes
Grosserz Trajans und ein Grosserz der
Julia Domna zu Tage.

II. Bendorf. Die Wahrscheinlichkeit,
dass zur Sperrung des Zuganges aus dem
vereinigten Brex- und Saynbachthal in den
östlichen Teil des Neuwieder Beckens und
zum Rheine ein Kastell vorhanden gewesen
ist, war von vornherein eine grosse. Da
diesbezügliche bei Sayn angestellte Nach-
forschungen erfolglos blieben, richtete sich
die Aufmerksamkeit auf die nächste Um-
gebung von Bendorf, zumal hier in dem
Garten der dem Sanitätsrat Erlenmeyer
gehörigen Kuranstalt „Rheinau" vor einigen
Jahren eine der regelmässig bei den Kastel-
len erscheinenden baulichen Anlagen, welche
als Bäder bezeichnet werden, teilweise auf-
gedeckt worden war. Die Untersuchung
des Terrains, auf welchem nach der Lage
des Bades und sonstigen Erwägungen das
etwaige Kastell vermutet werden musste
— südlich der von Bendorf nach Engers
führenden Chaussee, etwa 500 m vom Sayn-
bach und 250 m vom jetzigen Rbeinuf
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