Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 5.1897

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5—6 Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Nr. 22. Ausgegeben am 10. März 1897.

153. Frankfurt a. M. [Strassenforschung.]
Wie bei 11 eldenbergeu (vgl. Limesbl.
S. 581) erwähnt worden ist, wurde der
im vorigen Jahre im Nidderthale begon-
nene Versuch, die verschwundenen Römer-
Btrassen, welche dasselbe durchkreuzt und
begleitet haben müssen, durch Aufsuchung
der Spuren romischer Ansiedelungen nach-
zuweisen, im letzten Frühlinge wieder auf-
genommen.

Abgesehen von dem unmittelbar bei
Heldenbergen aufgedeckten Stück der
Strasse Marköbel — Okarben wurde
durch die im Thale östlich des Dorfes,
sowie die am Friedhofe und ferner südlich
und westlich der Naumburg aufgefunde-
nen ländlichen Ansiedelungen die gerad-
linige Verbindung zwischen Rückingen
und Friedberg sicherer beglaubigt, durch
welche auch eine vom Streckenkommissar
schon früher nachgewiesene Ansiedelung
südlich der Haltestelle Erbstadt—Kaichen
bedingt sein dürfte, während ein etwa
in der Mitte zwischen Heldenbergen und
BüdeBbeim gefundenes t'istengrab auf die
bereits im vorigen Jahre untersuchte Linie
Altenstädt — Heddernheim hinweist,
für deren Übergang aut das linke Nidderufer
bei Niederdorfelden neue Funde bei Gro-
nau und in Eschersheim (dicht bei Hed-
dernheim) sprechen. Für die Verbindung
dieser Strasse mit der Linie Vilbel —
Okarben vermittelst eines Nidderüber-
gangs am Gronauer Hofe, die bisher nur
vermutet war, wurde ein neuer Beweis durch
Auffindung römischer Beste am genannten
Hofe erbracht, ebenso für die geradlinige
Fortsetzung der Strasse (Oberflorstadt)
Marienhof—Rendel — Gronau in der
Richtung Bergen — Frankfurt durch
Auffindung von 2 Niederlassungen im Gro-

I nauer Felde, von welchen eine in den
„Schelmenwiesen", wo nach der lokalen
Tradition ein „Schelmenhausen" genanntes
Dorf gelegen haben soll, durch Grabungen
untersucht worden ist. In derselben Linie
liegt auch unterirdisches Mauerwerk mit
einer verschütteten gewölbten Brunncn-
kammer, welches in den „Schlossgärten"
am Südostende von Bergen Herr Pfarrer
von Starck aufgefunden und in Vertretung
des Streckenkommissars durch eine Gra-
bung untersucht hat. Endlich wurden die
auf dem Friedhofe von Kilianstetten
und weiter östlich an der Windecker
Strasse im vorigen Jahre aufgefundenen
Trümmerstätten aufgegraben, wobei sich
die Vermutung bestätigte, dass der Fried-
hof in seiner ganzen Ausdehnung nebst
dem anliegenden Felde von einer Nieder-
lassung bedeckt war, welche durch ein
oder mehrere massive Gebäude mit Hypo-
kausteinrichtungen Interesse erweckt. Die
Stelle liegt dicht hinter dem Schnittpunkt
der Linie Kesselstadt — Heldenbergen
mit der geradlinigen Verlängerung des im
vorigen Jahre untersuchten Stückes der
„Hohen Strasse" Bergen—Marköbel.
Beachtenswert ist es, dass sich runde Ily-
pokaustpfeilerplättchen fanden, die bisher
nur selten in unserer Gegend gefunden
wurden und als Merkmal der Frühzeitig-
keit gelten. Auch hier fand sich unter-
halb der untersuchten Bauten eine der bei
Bergen gefundenen und einer bei Mittel-
buchen schon früher als römisch ange-
sprochenen gleichartige gewölbte Bruu-
nenkammer, ganz vom Wiesenboden be-
deckt, vor.

Die vom Kastell Okarben ausgehen-
den Strassen wurden in diesem Jahre
weiter verfolgt. Der von dem westlichen
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