Loubier, Hans
Die neue deutsche Buchkunst — Stuttgart, 1921

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KAPITEL VI
DIE ERSTEN BUCHKÜNSTLER
PERIODE DES INDIVIDUALISMUS
obaldwir die getarnten Erzeugnifie der neuen
deutfchen Buchkunlt von ihren Anfängen bis
zum heutigen Tage rückblickend überfchauen,
können wir bereits vier Perioden deutlich
unterscheiden. Die erlte, mit dem Jahre 1895 anhebend,
charakterisiert vor allem die Schmückende Arbeit derKünft-
ler, die zufammen mit den genannten und einigen weiteren
Verlegern und Druckern neue Wege einfehlugen. Man
kann Sie in der Hauptfache als eine illuftrativ-dekorative
bezeichnen. Es war So recht eine Zeit des Ringens um
neue Ausdrucksmittel, des Suchens nach neuen Formen.
Diefe Zeit ift uns befonders interelfant durch die verlchie-
denen Individualitäten der KünHier, die zu Worte kamen,
ich nenne fie die Periode des Individualismus.
Die zweite Periode beginnt mit dem Jahre 1900, in dem
die erlten neuen deutfchen Drucklchriften von Künftlern
herauskamen. Der Buchlchmuck tritt zurück, man bemüht
lieh, diefe neuen Schriften ihrer Eigenart entsprechend an-
zuwenden. DenDruckern wird neues künlflerifchesMaterial
an Typen und dazu gehörigen Buchornamenten an die
Hand gegeben, und fie lernen nun damit Selbständiger
arbeiten. So wird diefe Periode zu einer vorwiegend
typographifchen.
Den Beginn einer dritten Periode bemerke ich um das
Jahr 1910. Die Buchkünftler laSTen ihre individuelle Art,
ihren perfönlichen Stil zurücktreten; fie knüpfen bewußt
an die letzte felblländige hiftorifche Periode des deutfchen


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