Loubier, Hans
Die neue deutsche Buchkunst — Stuttgart, 1921

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belchränken. Ich glaube, die Verleger könnten mit guten
Typen und gutem Sat) in wohlabgerneffenen Proportionen
ohne nennenswerte Mehrkoften - natürlich von der Un-
gunft der gegenwärtigen VerhältnifFe im Buchgewerbe ab-
gefehen - mehr tun für eine äfthetilche Ausftattung auch
der fogenannten »fchweren« wilfenfchaftlichen Literatur.

KAPITEL IX
ANSCHLUSS AN DIE ZOPFZEIT
u der Zeit, als unfere Künftler in enger Fühlung
mit Verlegern und Druckern an der Buchaus-
ftattung mitzuwirken anfingen,kam in die deut-
Ichen Bücher lehr viel Perfönliches, Individuel-
les hinein. Sie luchten nach neuen Wegen, lie rangen um
neue Formen für die deutlche BuchkunlL Man kann Tagen,
jeder für lieh wollte anders geftalten als der andere, ab-
weichend vom Bisherigen, neu, originell. Das gab dem
neuen deutlichen Buch eine bunte Mannigfaltigkeit, einen
Reichtum an verfchiedenartigen Formen, und das charak-
terifiert die erfte Periode unferer neuen Buchkunft, die ich
darum die Periode des Individualismus nannte.Wie mühte
lieh damals, um ein Beifpiel zu nennen, Eugen Diederichs
ab, jedes Buch feines Verlags möglichIt individuell zu ge-
geftalten, im ganzen und in allen Einzelheiten, und wies
bald diefem, bald jenem Künlfler eine Aufgabe zu. Ein ein-
heitlicher Zug der Ausftattung ift demzufolge an den deut-
Ichen Büchern jener erlfen Periode nicht wahrzunehmen.
Der individuelle »Buchlchmuck« fing nun bald an ins
Kraut zu Ichießen, Buchkunft wurde fall identilch mit Buch-
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