Lübke, Wilhelm
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart (Band 1) — Leipzig, 1884

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Anhang. SaiTanidifche Baukunft.

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deffelben befindet fich ein ungefähr 227 zu 260 Meter meffender befeftigter Palaft,
der zwei Hofe umfchließt. Der innere Hof enthält ein Gebäude, welches aus
einer Reihe von abwechfelnd fchmaleren und breiteren, mit Tonnengewölben im
Halbkreis bedeckten Räumen befteht. Ihr Licht erhalten dieselben einzig aus dem
Eingangsbogen. Diefe Portale, durch Halbfäulen von einander getrennt, erinnern
an die Anlage römifcher Triumphbogen, da ftets ein größerer und höherer Bogen
von zwei fchmaleren und niedrigeren flankirt wird. Der reine Halbkreis, die
Gliederung und Ausfchmückung dieler Bögen erinnert an klaffifche Müller. Doch
mifcht fich damit mancher eigenthümliche Zug, wie denn die Keilfteine der großen
Bögen abwechfelnd mit Reliefköpfen ausgeftattet find. —■ Auch der Palaft zu

Diarbekr, fpäter zu einer Mofchee um- d
gefchaffen, verräth römifche Anklänge in
den korinthifchen Halbfäulen, welche in
zwei Gefchoffen die Wände gliedern. Ob

Fig. 61. Palaft von Firuz-Abacl. Saal.

die Spitzbogen der Portale urfprünglicher
Anlage angehören, muß einftweilen dahin
gelteilt bleiben; ebenfo ob der Palaft, als
Werk Schapur II., aus dem 4. Jahrhun-
dert unferer Zeitrechnung flammt.

Die vollftändige Ausprägung des falfanidifchen Styles finden wir dann an f;
einigen anderen Paläften, unter welchen der von Firuz-Abad, füdlich von
Schapur, vielleicht der früheile ilt (Fig. 60). Er bildet ein Rechteck von 58 zu
108 Meter, an delfen vorderer Schmalfeite fich ein Portal von etwa 12,4 M. Weite
zwifchen 4,9 M. Harken Mauern öffnet. Das elliptifche Tonnengewölbe deffelben
bedeckt eine tiefe Halle, in welche nach beiden Seiten zwei ähnliche Hallen quer-
fchiffartig münden. Winzig fchmale Eingänge führen von diefen Theilen in drei
quadratifche, mit Kuppeln bedeckte Säle, die mit ihrer Wölbung fich weit über
die benachbarten Räume erheben und offenbar den wichtigften Theil der Anlage
bilden. Von hier aus gelangt man durch fchmale Thüren in die niedrigeren Ge-
mächer, welche fich um einen fchmucklofen, quadratifchen Hof reihen. Sie find
mit Tonnengewölben bedeckt und erhalten ihr Licht durch fchmale Thüren vom
Hofe aus. Nur die Kuppelfale bekommen ein Oberlicht durch eine im Centrum

Fig. 60. Palaft von Firuz-Abad.
Grundrifs.
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