Lüdecke, Heinz [Oth.]; Cranach, Lucas [Oth.]
Lucas Cranach der Ältere im Spiegel seiner Zeit: aus Urkunden, Chroniken, Briefen, Reden und Gedichten — Berlin, 1953

Page: 69
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Grüßt mir Meister Christian 2 und sein Weib, wollet auch
dem Rat meinen großen Dank sagen für die Fuhre. Ist
euch der Licentiat Feldkirch nicht genugsam, mögt ihr
Herrn Amsdorf 3 4 * zum Prediger ersuchen, er wird’s gern
tun. Ade, hiemit allesamt Gott befohlen, der behüte
euer aller Verstand und Glauben in Christo vor den
römischen Wölfen und Drachen mit ihrem Anhang.
Amen. Zu Frankfurt am Main, Sonntags Kantate
Anno 1521L D. Martinus Luther

Ambrosius Wilkens Zeitung 1522

. . . Doktor Martin [Luther] ist im Advent letzte drei Seite 112

Tage heimlich zu Wittenberg gewesen, wie ein Edel-

mann in einem Waffenrock, hat[te] eben einen dicken

Bart über all seinem Mund und Wangen,daß ihn erstlich

seine allergehammesten 6 Freunde nicht gekannt haben;

war zu einem Goldschmied gekommen und hatte eine

goldene Kette verdingt etc., sodann zu Lucas Maler

eine Tafel etc., also seine Possen getrieben, und hatte

gesagt, es gefiele ihm alles wohl, allein eins in Witten-

berg nicht, daß man seine Bücher verhielte 6, deren er

wohl drei gemacht hat, hat der Herzog lassen ver-

halten; ist Martinus unwillig geworden, eilends ent-

boten, die lassen fordern, damit dem Fürsten treulich

geraten 7, er solle alles Fleiligtum 8 zusammen in einen

2 Christian Döring, nach seinem eriernten Beruf auch Gold-
schmied oder Aurifaber genannt; näheres s. Anmerkungs-
teil (S. 108)

3 Nikolaus von Amsdorf, ein Theologe der Wittenberger
Universität.

4 z8. April 1521.

ö Lies: allernächsten.

6 Lies: zurückhielte.

7 D. h. wohl: Luther protestierte und forderte die Freigabe der
Bücher, wobei er dem Fürsten riet . . .

8 D. h.: die Reliquien.

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