Universitätsbibliothek Heidelberg [Editor]
Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 182 - 303) — Wiesbaden, 2005

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Geleitwort

Im Jahr 1996 hat die Universitätsbibliothek Heidelberg zunächst aus eigenen Mitteln be-
gonnen, ihren wertvollsten Handschriftenbestand, die 848 Codices Palatini germanici der
ehemaligen Bibliotheca Palatina, nach heutigen Standards zu katalogisieren. Die 1887 und
1903 erschienenen alten Kataloge von Karl Bartsch und Jakob Wille konnten der Hand-
schriften- und Textforschung, überholt wie sie sind, schon lange keine fruchtbaren Im-
pulse mehr geben. Das Unternehmen schritt schneller voran, als zuerst die Stiftung Kul-
turgut Baden-Württemberg (1998-2002) und schließlich die Deutsche Forschungsgemein-
schaft (seit 2000) für eine Förderung gewonnen werden konnten. Nachdem im Jahr 2003
der erste Katalogband über die Signaturen 1-181 erschienen ist, können wir nun nach
kurzer Zeit bereits den zweiten Band über die Signaturenstrecke 182-303 präsentieren.
Inhaltlicher Schwerpunkt des zweiten Bandes sind Handschriften mit medizinischen,
astronomisch-astrologischen und alchemistischen Texten sowie zahlreichen Rezept-
sammlungen. Die überwiegende Mehrzahl der Codices ist im 16. Jahrhundert entstanden
und bildet zusammen mit weiteren 176 Handschriften in den höheren Signaturenberei-
chen eine der größten geschlossenen Sammlungen zur frühneuzeitlichen Medizin über-
haupt. Wie gering frühere Zeiten diese Fachprosa im Vergleich zu den berühmten literari-
schen Texten der Palatina geschätzt haben, zeigt der geringe Aufwand, den Karl Bartsch
und Jakob Wille für ihre Katalogisierung betrieben. Ganze 30 Seiten widmen ihre Kata-
loge den 123 Handschriften, deren Beschreibung dieser Band mit seinen über 440 Seiten
(ohne Register) umfaßt. Mit dem Aufstieg der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte
wuchs auch das Interesse an den einschlägigen Heidelberger Codices und das Bedauern
darüber, daß zu ihrer Erschließung bisher so wenig geleistet wurde.

Für die Hebung des Schatzes ist mit der Publikation dieses Bandes ein erster entscheiden-
der Schritt getan. Wir wünschen uns nun, daß der neue Katalog Medizin- und Wissen-
schaftshistoriker aus aller Welt dazu anregt, das ungeheure Quellenmaterial der Heidel-
berger Handschriften auszuwerten. Dazu muß der Forscher nicht immer gleich die
Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek auf suchen. 16 medizinische Hand-
schriften, darunter das von Kurfürst Ludwig V. (1478-1544; reg. 1508-1544) eigenhändig
geschriebene zwölfbändige ‘Buch der Medizin’, liegen inzwischen in digitalisierter Form
vor und sind unter der Adresse http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/medhss.html
in hoher Qualität über das Internet verfügbar. Weitere Digitalisate werden künftig hinzu-
kommen.

Der Dank der Universitätsbibliothek gilt der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg und
der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die mit der Finanzierung von bis zu anderthalb
Wissenschaftlerstellen den zügigen Fortschritt des Unternehmens ermöglicht haben. Die
DFG hat dankenswerterweise auch einen Teil der Druckkosten übernommen.

Die wissenschaftlichen Bearbeiter, Herr Dr. Matthias Miller und Frau Dr. Karin Zim-
mermann, hatten vor und neben der Texterschließung eine Vielzahl von methodischen
Fragen zu lösen. So bieten die von der DFG vorgegebenen, vornehmlich für literarische
Texte konzipierten Richtlinien zur Handschriftenkatalogisierung für die Beschreibung
der zahlreichen Rezeptsammlungen keine befriedigende Orientierung. Auch bei der
Strukturierung und Abstimmung der Register erforderten die Spezifika der medizinischen
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